Sicher iss sicher

Opfer-Ubud-zentral

Opfern, das Anregen oder Beschwichtigen der Götter, spielt eine wichtige Rolle im täglichen Leben der Balinesen. Überal kann man traditionell gekleidete Frauen mit Tabletts beobachten, um canang sari, aus Blättern gefaltete Schälchen mit symbolischer Nahrung und Blumen, auf die Göttersitze zu stellen oder vor den Eingang eines Geschäfts zu legen, wo sie von den Touristen schnell plattgetrampelt werden. Dabei wedeln die Frauen Rauch von Räucherstäbchen den unsichtbar anwesenden Göttern entgegen und spritzen mit tirta (heiligem Wasser) oder nur kumkuman (Wasser, in das man einige Blumen gelegt hat). Mit kumkuman pflegt man auch Leichen vor der Verbrennung zu waschen.

Opfer

Mein Fahrer Wayan Maja, also einer, der als 1. oder als 5. geboren wurde (1.Wayan, 2.Made, 3.Nyoman, 4.Ketut; beim 5. geht es wieder von vorne los, und das Geschlecht wird durch Ni = weiblich und I = männlich gekennzeichnet) schob einen Korb mit Opfergaben in das Armaturenbrett und erneuerte es nach einigen Tagen. Außerdem trug er täglich, wie andere Männer auch, 1 kleine rote Blüte hinter dem linken Ohr. Sind das nicht sympathische Angewohnheiten, die sich ganz wesentlich von denen Rest-Indonesiens unterscheiden. Zum Vergleich der Wagen, mit dem ich normalerweise in Nordsulawesi rumfahre, mit einem moslemischen Fahrer. Die transportierten Schüler zerlegen nach und nach die Polster und bekritzeln die Deckenbespannung mit Filzstiften. Dagegen haben Balinesen einen unerschöpflichen Bedarf an Blüten, die sie mit an der Spitze gespaltenen Bambusstäben pflücken, und man fährt über Straßen, die beidseitig nicht nur mit traditioneller Architektur sondern auch mit Frangipani-Bäumen besäumt sind.

Fikri

Für Wayan ist alles in Ordnung, was balinesisch ist. Auch Diktator Sukarno und dessen pseudo-linke Tochter Megawati. Moslem Gus Dur (über Megawati: „Wir sind 1 gutes Team. Ich kann nicht sehen und sie nicht reden.“), einer der wenigen fähigen Politiker nach dem Zusammenbruch der Diktatur, war deshalb nicht gut, weil blind. Wayans 3. Kind (auch in Ubud wirbt eine vergammelte Beton-Familie für nur 2) wurde nach einem Motorrad-Unfall der schwangeren Mutter schwer behindert geboren. Er ahmte dessen spastische Bewegungen nach und kreischte dabei wie ein Tier – während der Fahrt. Er arbeite nur für dieses Kind, so erzählte er es mir jedenfalls – wohl auch in der Hoffnung, von mir noch mehr zu kassieren. Von einem russischen Arzt bekommt er Geld für muskelentspannende Medikamente. Im übrigen sah er russische Touristen als sehr reich, nicht an Tempeln sondern nur an Sex und Suff interessiert, und sie hätten ihn schon 3x brutal vorne am Hemd gepackt.
Daß nicht alles so sanft im Paradies Bali abgeht, wurde auch im Gespräch mit einem anderen Fahrer deutlich, der dafür arbeitet, seinen Eltern das Land zurückzukaufen, das der Bruder verspielt hat. Auch das sicher ein Wink für mich.

„In Bali, equally out-of-control traffic and lunatic truck drivers who have no place behind a wheel are mowing people down. Enraged residents erupt in revolt, imploring the authorities to clamp down; but they never do. It is an island of inertia.“ Columnist Novar Caine, „The Bali Times“

4 Gedanken zu „Sicher iss sicher

  1. hi Tom. hast ja ein neues Design. gefällt mir sogar besser als das andere. aber wie ich sehe, ist deine Schrift immer noch sehr klein.

    ich konnte trotzdem entziffern, dass nicht alles so sanft im Paradies Bali abgeht (H)

  2. Das iss die Original-Größe, die ich lieba nich verändern will (sofern das überhaupt geht). Trotz meiner schlechten Augen kann ich sie gut lesen, weil der Kontrast gut iss, und auch auf mickrigen Laptops iss das OK. r & n werden aber zu m und die Funktionsleiste bei Einzelansicht der Posts zu Brei. Das iss eben WordSchrott. Wenn ich da eingreife, wozu ich wahrscheinlich ersma was kaufen muß, gips noch mehr Schrott. Du brauchst doch wohl nich auch ne Brille?

  3. Pingback: more security | UNGEMALTES

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