Lá Fhéile Pádraig

Wayne Thiebaud, „24th St. Intersection”, 1977

Die Hügel, Highways und Straßenkreuzungen San Franciscos gehören zu den bevorzugten Themen des kalifornischen Malers Wayne Thiebaud (*1920). Ich mag sie auch, diese eigenartig steilen Straßen. Und sein „Sunset Streets“ empfängt mich gleich als ich aus dem Treppenhaus kommend den 2nd Floor des SFMOMA betrete. Dieses Auf- und Abschwingen vollziehe ich zu Fuß nach, als ich mich Richtung Fisherman’s Wharf bewege. Zuerst durch die prächtige Chinatown mit ihren leuchten Farben und ungewöhnlichen Schaufenster-Inhalten. Da stehn 2 chinesische Frauen an einer Ampel und keifen laut und hochtönig vor sich hin, da beobachte ich den blinden Erhu-Spieler und fotografiere einen jungen, schwabbelnden Amerikaner, der seinerseits auf Wände gemalte chinesisch-wogende Wellen knipst. Alles futsch!

Auch das Gruppenbild der wie Moslems grünen Säufer, als ich durch den italienischen Bezirk hindurch bin und kurz vor der Küste eine „irische“ Kneipe passieren will. Sie schnappen mich gleich, denn es ist St. Patrick’s Day, und wollen mir unbedingt einen ausgeben. „Everyone’s Irish on March 17th!“ Als ich vergeblich protestiere, daß ich dafür nich grün genug wär, hängen sie mir grüne Plastikketten um. Eigentlich die richtige Fabe für die Neider von „Tricycle“, die mich immer noch stalken, aber diese Leute hier sind nett und alle blau – soweit sie nich komplett grün kostümiert sind. Einer, der mich ausfragt, erklärt gleich, daß mein Lieblingsmaler bestimmt Gauguin sei. Recht hat er, und es iss auch der seiner freundlichen Frau. Bevor das ganze ausartet, verzieh ich mich lieber Richtung Hafen. Ist mir auch zu anstrengend, gegen die laute Musik anzuschreien. Horst Janssen hat die Phasen seines Suffs mal im Suff vor der Kamera sehr schön beschrieben: zuerst witzig, später philosophisch, dann melancholisch und final aggressiv. Deshalb an mehreren Stellen in der Stadt vor den irischen Kneipen abgesperrte Bezirke, an deren Eingängen bullige Neger auf Waffen kontrollieren. Reste des Massen-Deliriums finde ich am nächsten Tag auf einem Bürgersteig: 1 Paar poppige Damenstiefel vor einer kühn bemalten Wand. Wassn Motiv! Futsch!

Auf der alten Hafen-Mohle Blick auf die Golden-Gate-Bridge im nebliger Ferne. Klick! Futsch! Möwe auf der Mauer, dahinter 1 Segelboot und die „inescapable“ Gefängnisinsel Alcatraz. Klick! Futsch! Sicher tausendfach fotografiert. Jedoch nich die mit futuristischem Kopfschutz ausgerüsteten Chinesen auf ihren fahrbaren Staubsaugern, die wie ein Schwarm Außerirdischer auf der Mohle grinsend an mir vorbeidüsen. Anscheinend wissen sie, wie lächerlich das aussieht, aber sie wolln keinen Schritt gehn.

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