San Francisco

Koffer weg, zu wenig Geld, halbverhungert, in der Morgensonne Kaliforniens. Die Sirenen klingen tierischer in San Francisco. Straßenbänder mit Spielzeugautos im grauen Licht. Eins hinter dem anderen aufgereiht, wie die Flugzeuge beim Start in Philadelphia – wo mein Koffer wahrscheinlich noch wartet. Frisco nachts im Anflug wie ein Gewebe aus farbigen Perlen und Goldfäden. Klares, gigantisches Design im Intercontinental. 28.Stock. Nun fehlt nur noch 1 Erdbeben. Glatzköpfiger Kampfchinese mit schwarzem, knöchellangem Mantel als Eingangswilder. Weiß und grau die kubischen Bauten in der Sonne. Nach all dem eiskalten Regen in den Wäldern Pennsylvaniens nun der Aufschein von Frühling.
Da hinten fährt ein Tanker aus der Bucht von Frisco, und alle meine Fotos sind verschwunden. Ich bin 1 Loser.
Auf meinem linken Oberschenkel großflächiger Hautausschlag von irgendeinem Gift meiner neuen, ungewaschenen indonesischen Hose. Ebenso an den Hosenbeinrändern. Breitet sich immer mehr aus. Mit Puder nicht zu beseitigen.
Unten die sich zu den steilen Hügeln hin- und herunterschlängelnden Straßenbänder mit ihren reflektierenden Blechkarawanen. Adern eines Stromes. Nachts ein Lavastrom. In der gleißenden Morgensonne, grau wie die Stadt, wie leicht überpudert, und so still ist es hinter meiner Scheibe. Nur die Emergency-Fahrzeuge und wieder Schreie der Neger.
Kurz vor dem Abflug nach San Francisco wies man mir in Philadelphia einen anderen Flug zu. Zwar direkt, doch mein Koffer wollte lieber in Denver umsteigen. Gerade als ich aus der Market Street zurück bin, wo ich mir Ersatz-Wäsche gekauft habe, bekomme ich nach 24Std. meinen Koffer zurück. Ohne Griff. Aus einem extra dafür mitgenommenen Band flechte ich mir einen neuen, denn die Creditcard funktioniert nicht. Ich muß im Hotel tageweise Cash bezahlen und kann mir keinen neuen Koffer leisten.
Die trockene Luft läßt meine Haut um Jahre älter erscheinen – so alt wie ich wirklich bin. Mein Wohlbefinden stabilisiert sich langsam in der zunehmenden Wärme Friscos, zum Ende meiner Irrfahrt.

5 Gedanken zu „San Francisco

  1. Pingback: Discover Challenge: Memory | UNGEMALTES

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