Philadelphische Zeitung.

 

SAMBSTAG, den 6 Mey. 1732.

An alle teutsche Einwohner der Provintz Pennsylvanien.

NACHDEM ich von verschiedenen teutschen Einwohnern dieses Landes bin ersucht worden, eine teutsche Zeitung ausgehen zu lassen, und ihnen darinnen das vornehmste und merkwürdigste neues, so hier und in Europa vorfallen möchte, zu communiciren; doch aber hierzu viele mühe, grosse correspondentz und auch Unkosten erfordert werden; Als habe mich entschlossen, denen teutschen zu lieb gegenwärtiges Specimen davon heraus zu geben, und ihnen dabey die Conditiones welche nothwendig zu der continuation derselben erfordert werden, bekent zu machen.
Erstlich, müsten, um die unkosten die darauf lauffen, gut zu machen, 300 stücks könnten gedruckt und debitiret werden, und müste in jeder Township dazu ein mann ausgemacht werden, welcher mir wissen liesse, wie viel Zeitungen jedes mahl an ihn müsten gesandt werden, und der sie dan weiters einen jeglichen zustellen und die bezahlung davor einfordern müste.
Vor jede Zeitung muß jährlich 10 Shillinge erleget, und davon alle quartal 2 sh. 6 d. bezahlet werden.
Dagegen verspreche ich auf meiner seite, durch gute Correspondentz die ich in Holland und England habe allezeit das merkwürdigste und neueste so in Europa und auch hier passieret, alle woche einmahl, nemlich Sonnabends in gegenwärtiger form einer Zeitung, nebst denen schiffen so hier abgehen und ankommen, und auch das steigen oder fallen des Preisses der Güter, und was sonst zu wissen dienlich bekandt zu machen.
Advertissemente oder Bekant machungen, welche man an mich schicken möchte, sollen das erste mahl vor 3 shil. 3 mahl aber vor 5 shil. hinein gesetzet werden.
Und weil ich nützlich erachte die gantze beschreibung der aufrichtung dieser provintz, mit allen derselben privilegien, rechten und gesetzen, bey ermangelung genugsamer Neuigkeiten, darinen bekandt zu machen; solte nicht undienlich seyn, daß ein jeder, zumahl wer kinder hat, diese Zeitungen wohl bewahre, und am ende des jahres an einander heffte, zumahl da solche dann gleichsam als eine Chronica dienen können, die vorigen Geschichte daraus zu ersehen, und die folgende desto besser zu verstehen.
Auch wird anbey zu bedencken gegeben, ob es nicht rahtsam wäre, in jeder grossen Township einen reitenden Boten zu bestellen, welcher alle woche einmahl nach der stadt reiten und was ein jeder da zu bestellen hat, mit nehmen könne
So bald nun die obgemeldte anzahl der Unterschreiber vorhanden, welche so bald als möglich ersuche in Philadelphia …

Das Foto des Titelblatts der 1. deutschsprachigen Zeitung stammt aus Folge 90/1960 der „Informationen zur politischen Bildung“ (Bundeszentrale für Heimatdienst, Bonn), die ich als Schüler im gymnasialen Geschichtsunterricht las. 

Andrew Wyeth, „Snow Hill“, Tempera, 48” x 72”, 1989

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