Pop

 

„Pop is love, denn es akzeptiert alles … Pop ist die ‚Bombe‘ werfen. Es ist der ‚amerikanische Traum‘, optimistisch, generös und naiv …“
Robert Indiana (*1928)

Na, mit der Bombe war das wohl nichts, aba es laufen in Philadelphia eine Menge poppige Figuren frei rum: Der rauchende Einarmige, oder der Vornübergebeugte, die schwabbelnd wabbelnden Männer und Frauen, die Lauten, die Schwärzer-als-schwarzen und noch schwarz gekleidet, die an den Wänden lehnenden, am Straßenrand mit einem Pappschild hockenden, „and the slurs of knit-capped beggars whining,‘Some loose change?‘“ (John Updike), die alte Weiße im Rollstuhl, die mit der Schwingtür des Buch-Ladens kämpft, die vagabundieren Neger, die sich dort aufwärmen, die kleine Dicke, hauteng angezogen wie ein Luftballon, der kleine Dünne, der mit einem großen Breiten im Burger-Laden über Arbeit philosophiert, die sie offensichtlich beide nich haben, während die indische Kassiererin, deren Unterarme mit Brandwunden verziert sind, die R’s und L’s so laut zeternd rollt, daß die Donuts sauer werden und einem der Appetit vergeht.
Sie sagen unablässig „Sorry!“ und „Have a good day!“ und versuchen, einen dabei nich zu berühren, wobei sie mühsam lächeln.

Alte Bücher im Schaufenster eines Kramladens. Schwarz-weiß-Fotos von Kerouac und der Beat-Generation. Grinsender Holz-Tau-tau mit Ordenskette. Welcher Freimaurer hat sich jemals so albern schnitzen lassen? Bürgerkriegs-General aus Keramik vor einem Botero-Klo.

Die alte Negerin am Büfett mit männlich-versoffener Stimme, orangene Streifen im Haar. Eine Frau so breit wie 2, mit blau-weißen Querstreifen. Enge „vagina-trousers“, Stiefel, die Brüste hochgequetscht wie für eine Ausstellung. Der schwingende Gang elefanten-artiger Neger mit überweiten Hosen, kahlen Schädeln, schwarzen Sonnenbrillen und alle Cellphone oder Hörbügel am Ohr. Aber auch die, die nicht connected sind, reden mit tiefen, breitgequetschten Tönen mit sich und ihren Göttern. Alle Sprachen, alle Rassen und darüber der tiefe Ton einer Glocke. Die Freiheitsglocke im Turm der Independence Hall kann es wohl nich sein. Die hat nen Sprung.
Philadelphia. Du kannst hier nicht leben, nur arbeiten und kaufen. Was arbeiten die Leute, die durch die Schluchten strömen? Was produzieren sie?
Zu Hause die feuchte Hitze des Dschungels, hier Großstadt-Dschungel mit schneidendem Wind im Schatten der Beton-Canyons, gewoben aus geheimer Ordnung. Sieh in die Seitenstraßen und du bemerkst Dreck und Chaos unter den Feuerleitern.

Warten auf Check-out. Was tue ich hier? Warum bin ich hier?
Die Ferne verhangen mit Nebel. Kein Flugzeug zu sehen, welche so niedrig fliegen, als wollten sie in einen der Wolkenkratzer crashen. Ich höre nur die Geräusche ihrer Düsen. Dünn perlende Tränenstreifen vom Regen auf der Scheibe. Draußen vor dem Fenster schlägt das Stahlseil eines Fensterputzer-Aufzugs gegen die Wand. Kalt die Glasfläche des Schreibtischs. Hier im 20.Stock. Kein Rauch. Die Luft scheinbar sauber, die Menschen höflich, überhöflich.
Das Schreien in den Straßen hat aufgehört.

Mit dem Taxi im Regen zur Bahnstation. Schwarze Frauen, zumeist in grellen Farben, tänzeln mit gewaltigen Arschbacken ihres Fettsteißes.

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