Ataraxia

Schon bevor ich anfing in einer fremden Kultur zu leben, beschlich mich oft der Verdacht, daβ mit sich selbst unzufriedene Mitmenschen, die keinen Weg zu einer persönlichen Ausgeglichenheit finden, auf eine solche verzichten und stattdessen die Welt in Ordnung zu bringen versuchen, um wenigstens auf jene Weise zur Ataraxia (Seelenruhe) zu gelangen. „Freilich, wenn sich dieser Kampf auf die abstrakte Gerechtigkeitsforderung der Gleichheit aller Menschen berufen will, liegt der Einwand zu nahe, daβ die Natur durch die höchst ungleichmäβige körperliche Ausstattung und geistige Begabung der Einzelnen Ungerechtigkeiten eingesetzt hat, gegen die es keine Abhilfe gibt.“ (Freud, „Das Unbehagen in der Kultur“). Eine auf Rationalität beruhende Lebensform aller Völker der Welt, würde demnach Beherrschung und Umformung der Natur bedeuten, um deren Schutz ihrer Ursprünglichkeit sich wiederum die gleichen engagierten Weltbürger bemühen. Gleichzeitig wächst der Verbrauch eines Durchschnitts-Europäers an Energie und Rohstoffen beständig und soll schon um den Faktor 70 höher liegen, als zu Beginn der industriellen Revolution. Die bevölkerungsreicheren, unterentwickelten Länder beharren auf ihrem Recht, diesen Wert auch erreichen zu können und sind bereits auf dem Wege dahin. Deshalb neige ich dazu, den Weltenlauf als eher chaotisch zu bewerten, alle Nachrichten von Zivilisierten über Unzivilisierte mit „vielleicht“, „es ist möglich“ oder „kann sein“ zu kommentieren und den nachhaltigen Wert der Arbeit von Menschenrechts-Gruppen (besonders in Aktionseinheit von Christen und Kommunisten), Wald- und Affen-Schützern, „Watch-Indonesia e.V.“ und wie sie alle heiβen, inklusive meine eigenen Bemühungen, dem Aggregat-Zustande von Rauch gleichzusetzen. Die Kunst der Skepsis bewirkt Entlastung vom Druck, gesicherte Wahrheiten zu finden, verhindert Dogmatismus, versetzt erst in die Lage, unterscheiden zu können, was wahr und was falsch ist und verhilft somit eher zur Ataraxia. Trotzdem habe ich noch 5 Betel-Nuβ-Palmen (Areca catechu) gepflanzt, mit deren Nüssen ich mich einst sinnlos zu berauschen gedenke. Ich weiβ bloβ noch nich, wie. Den aufgespaltenen Stamm hat man früher in den traditionellen Holzhäusern als haltbaren Fuβboden verwendet.

Und wenn man gekaut hat diesen Sirih:
Ein ganzes Jahr nicht verlangt man nach Essen,
Ein rundes Jahr hat man keinen Hunger.
Alle kleinen Kinder werden rund,
Und alle mageren Kinder werden dick.

(… weil die Eltern weniger essen; Kultgesang aus Nias)

2 Gedanken zu „Ataraxia

  1. Die Nuß der Palme täglich mehrmals Kauen – Schlucken & weiter so gute Gegenüberstellungen abliefern,wenn es so weit ist – dann klappts auch mit der Ataraxia im Notfall ! ( Kompliment an den Autor – Tom )

  2. Pingback: Ökologisch wertvolles Feuerwerk | UNGEMALTES

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