Bohorok

 

Als ich von der Flutwelle las, die beiderseits des wilden Gebirgsflusses Bohorok auf Sumatra alles weggespült hatte, schien mir das für die Natur eher vorteilhaft. Die Ranger-Station bei Bukit Lawang am Rande des Gunung Leuser Nationalparks enthält auch 1 Rehabilitations-Zentrum für gefangene Orang Utans, die dort wieder an das Leben in der Wildnis gewöhnt werden. Amerikanische Mitarbeiter nennen sie „Orengetengs“. So ist der zauberhafte Gebirgs-Dschungel nicht nur zum internationalen sondern leider auch zum Anziehungspunkt des einheimischen Tourismus geworden. Am felsigen Fluβufer entlang, das mit abenteuerlichen Hängebrücken verbunden ist, ziehen sich einfache Unterstände, in denen die Wilden feiern. Ihren Müll lassen sie an Ort und Stelle oder werfen ihn in den Fluβ – wie hier auch. Solange ich nicht die Glasscherben auf dem Grund entdeckt hatte, und bis mir 1 Müllpaket entgegengeschwommen kam, badete ich während meines dortigen Aufenthalts im Jahre 1997 täglich im Fluβ – schon weil 1 Orang Utan sich auf das Auseinandernehmen der Wasserleitung spezialisiert hatte. Beidseitig lauern junge, unangenehm aufdringliche Touristengeier, um das internationale Publikum in den Dschungel und zu den Affen zu führen. Auch am steilen Pfad zum Fütterungsplatz warten sie auf ältere Touristen, die kurz vor dem Zusammenbruch stehen und ohne stützende Hilfe in der schwülen Hitze am Berg verenden würden. Zwischen Bäumen ist die Fütterungs-Plattform angebracht, die Zuschauer lassen sich am Hang wie in einem Amphitheater nieder. Wenn die Orengetengs eintreffen, merkt man plötzlich, daβ man sich völlig ungeschützt im Dschungel befindet, ohne Gitterstäbe zwischen sich und den launischen Affen. Diese haben die Eigenart, die aufgenommene Nahrung als Brei auf die Plattform oder in die Hand zu spucken, um sie von da wieder aufzulecken.
Beim Abstieg hörte ich plötzlich hinter mir 1 kollektiven Aufschrei: 1 Tourist hatte seine Sachen (u.a. den Paβ) in 1 schwarzen Plastiktüte verstaut, die er unsinnnigerweise hochhielt, obwohl keine Fluβdurchquerung zu bewältigen war. 1 Orengeteng schwang an Lianen über die Gruppe und schnappte sich im Vorbeisausen die Tüte. Ich bin sicher, daβ diese Tarzans inzwischen auch einige der allgegenwärtigen Handphones besitzen, mit denen sie sich von ihren Schlafnestern aus gegenseitig anrufen.

Als wir am nächsten Tag eine Dschungel-Tour in dem Gebiet unternahmen, trafen wir plötzlich auf einen Orengeteng, der mit seiner linken Hand und den Füßen an einer Liane direkt neben unserem Pfad verankert war, während seine rechte locker neben ihm baumelte – so als wolle er uns abkassieren. Was tun? Es handelte sich um 1 weibliches Tier, das auch einen Namen hatte, aber es verlief nicht so, wie Clint Eastwood in „The Bridges of Madison County“ auf die Frage „What happened?“ behauptet:
We became engaged … we still write.
Sondern wir zogen es vor, einen anderen Weg zu wählen.

Ein Gedanke zu „Bohorok

  1. köstliche Beschreibung – ich amüsiere mich jedes mal über die verschiedenen Berichte – so wie es erzählt wird, hat man das Gefühl live dabei zu sein

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