Reispreis explodiert

WUMM! Da isser wieda hochgegangen und Heiner Flassbeck zur Stelle, um uns zu erklären, wieso. Nun Chefökonom der Unctad, war er u.a. Staatssekretär unter Oskar Lafontaine. Über ging ja nich.

„Wer hat versagt? Der Markt oder die Politik?“ fragt Frank-Thomas Wenzel von der Frankfurter Rundschau, der Reis wahrscheinlich aus dem Supermarkt kennt.

„Es ist eine Mischung“, antwortet Heiner. „Viel spricht dafür, daβ es starke spekulative Momente gibt. Da werden ganze Ernten weggekauft, lange bevor sie überhaupt physisch existieren – in der Hoffnung auf weiter steigende Preise. Gerechterweise muβ man aber sagen, daβ sich derzeit noch nicht genau sagen läβt, wie Warentermingeschäfte den Markt tatsächlich beeinfluβt haben.“

Hier iss das so, daβ uns dauernd nicht existierende Ernten angeboten werden, damit wir das Geld vorschieβen, um diese überhaupt produzieren zu können. Für Heiner sind steigende Nahrungsmittel-Preise nur mit Spekulationen an den Rohstoffbörsen zu erklären. Das schöne am Kapitalismus iss ja, daβ man ihn für alles verantwortlich machen kann. Börsen-Spekulation spielt auf dem indonesischen Reismarkt keine Rolle, sondern der Preis steigt und fällt mit Angebot und Nachfrage. Das Agrarland Indonesien hatte es über mehrere Jahre geschafft, Überschuβ zu produzieren. Jetzt muβ das wichtigste Nahrungs-Mittel Reis wieder zusätzlich eingeführt werden. Dafür wird vor allem – neben der nur schwach gebremsten Bevölkerungs-Zunahme – die Klima-Veränderung verantwortlich gemacht. Der schon jahrelang anhaltende extreme Regen ist für Naβreisanbau nicht direkt ein Problem, wohl aber die aus Bequemlichkeit verwahrlosten Wasserwege. Zunahme von Krankheiten durch Schädlingsbefall und Miβernten sind auch keine Erfindungen des Kapitalismus. Die Klimaveränderung könnte eine Folge des von ALLEN angestrebten Lebensstils sein.

„Doch die Zinsen liegen für Bauern zwischen 25 und 36%. Das hat mich wirklich schockiert. Solche Belastungen kann kein kleiner Unternehmer tragen. Das ist nach meiner Ansicht das Grundproblem von Entwicklungshilfe, daβ solche Faktoren nicht berücksichtigt wurden.“

Die Banken verlangen hier normale, inflationsabhängige Zinsen, aber die ständig verschuldeten Kleinbauern gehen nicht zu den Banken, weil sie zu dumm sind, um mit ihnen verhandeln zu können. Sie bitten uns, ihr Geld zinslos aufzubewahren, weil sie sich untereinander nicht trauen, und weil der „reiche“ Deutsche es nicht nötig hat, sie zu betrügen. Wenn wir ihnen keinen Vorschuβ geben, weil wir nicht auf die meist schlechte Qualität ihrer Produkte wetten wollen, gehen sie zum Müller oder den sehr christlichen Geldverleihern, die 20-30% pro MONAT verlangen. Und was schlägt Heiner vor?

„Es geht in der Landwirtschaft nicht ohne staatliche Eingriffe und nicht ohne eine Stabilisierung der Preise. Man muβ einen Mindestpreis und einen Höchstpreis festlegen. Anders geht es nicht.“

Oskar wird das auch so sehen. Daβ das Volk selbst das Problem ist, paβt nicht zur Ideologie. Die Versuche staatlichen Eingriffs beschränken sich hier auf Erhöhung des Ankaufs-Preises, zur Verfügung gestellter Motorpflüge und verbilligtem Dünger. Gerade da und beim Einsatz von teuren Spritzmitteln wird gespart, weil das Kapital, aber auch das Verständnis der biologischen Zusammenhänge nicht vorhanden sind. Man spritzt besser nicht bei strömendem Regen und auch nicht erst, wenn Befall festgestellt wird. Gebrauchs-Anweisungen muβ man lesen und verstehen können. Der Einsatz von geförderten Maschinen wird von der Verwaltung ebenso korrumpiert wie die Vergabe des Düngers. Erträge lieβen sich allein schon durch bessere Ausbildung der Bauern erheblich steigern. Ein staatliches Kleinkredit-System wäre bei der Mentalität der Leute hier verlorenes Geld. Auf staatliche Eingriffe in Entwicklungsländern zu setzen, in denen gerade die Verwaltung schlecht funktioniert, ist sehr fragwürdig. Die kleinen Anbau-Flächen Sulawesis lassen sich nicht beliebig vergröβern, sie werden sogar durch Überbauung verringert, gleichzeitig müssen immer mehr, durch Maschinen-Einsatz arbeitslose Menschen versorgt werden. Es ist so offensichtlich, was sich abspielt, daβ man eigentlich keinen Chefökonom für die Bewertung braucht. Wenn die Kleinbauern endlich mal gutes Geld für harte Arbeit bekämen, wär das doch sehr sozial. Aber ihr wollt euer Geld lieber für Unterhaltung als für Nahrung ausgeben, gell?

Da oben in unserer pendopo liegt gaba, gedroschener Reis, der noch zur Mühle muβ, um beras zu werden. Auf dem Halm heiβt er padi. 1 Sack beras (60kg) brachte uns 2008 ~5EUR Reingewinn. Aktuell, nach Änderung des ganzen Systems und Vergrößerung der Anbaufläche (~3ha) ~950EUR/Ernte (3 Ernten/Jahr). Nicht gerade Summen, die einen bewegen, morgens überhaupt aufzustehn, um sich das Kreuz zu verrenken (Nach hiesigem Maßstab ist das durchaus ein gutes Einkommen und zum täglichen Leben mehr als genug.). Ich glaub, Heiner und Oskar haben’s da etwas leichter, so daβ sie sich lauter feine Theorien ausdenken können. Die Minahasa, die früher Reisbauern waren, jetzt aber andere Stämme für sich arbeiten lassen, was den Gewinn erheblich schmälert, karaoken lieber und spielen mit ihren Handphones.
Und wenn dann Yul 10 Säcke beras kaufen will, aba ihr Träger sitzt gerade im Gefängnis, weil er 1 Motorradfahrer erschlagen hat, der ihn anfuhr, oda seine besoffenen Freunde ham ihn erschlagen, oda der Motorradfahrer hat den Träger erschlagen, oder keina hat geschlagen, sondern das besoffene Motorrad hat einen Sack Reis übafahren – kurz gesagt: nix Genaues weiß man nich – und ich kann die Säcke nich schleppen, weil mich 1 Hexe angeschossen hat. Ach! Es iss alles so kompliziert.

Den Eingangs-Bereich zu unserem Haus hab ich übrigens streng nach den Regeln von Fäng-Schuhi entworfen. Wenn von hinten links kommend, uns nachts 1 böser Geist (gips hier reichlich) belästigen will, läuft er ersma voll gegen das Rattan-Rollo. RATTATAZONG! Beim Ausweichen tritt er in die mosaikierte Trauf-Rinne, dann haut er sich den Kopf an einem Messing-Behälter für Räucherstäbchen, stolpert üba den Lava-Fels, fällt in den Wasser-Graben und kommt völlig fertich an der Haustür an. So muβ man das machen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s