Reis für den Geheimdienst

Und dann kamen sie tatsächlich. Zwar wollte ich schon imma mal einen Geheimdienst kennenlernen, nich nur im Film ankucken, aber als der Bürgermeister 2 Beamte des militärischen Geheimdienstes telefonisch ankündigte, blinkten ersma sämtliche roten Birnen. Hausdurchsuchung nach Waffen? Obwohl den eigentlich zuständigen Behörden gerade meine Papiere komplett vorlagen?

Zu Suhartos Zeiten wurde die korrupte Polizei vom korrupten Militär dominiert. Erst nach Abschaffung der Militärdiktatur konnte die Polizei es wagen, ihre eigentlichen Aufgaben wahrzunehmen – auch in Bezug auf Militärangehörige und Politiker. Trotzdem gibt es gelegentlich noch blutige Auseinandersetzungen, nicht nur zwischen Marine und Heer, sondern auch mit der Polizei, und diese wiederum kämpft mit der Verkehrspolizei. Aber all das wird sich in 50 Jahren sicher hin zu einer gewissen Rechts-Staatlichkeit entwickelt haben. Dann bin ich 112. Was beharrlich bleibt, ist die mangelnde Koordination und Rivalität der Behörden untereinander. Unser Kontakt bei der Polizei riet meiner Frau telefonisch, keine Unterlagen rauszugeben, da bei ihm alles korrekt vorläge. Anscheinend hatte die völlig überflüssige örtliche Militärstation, die schon mal von mir angeforderten Unterlagen nicht weitergegeben sondern einer der dortigen Alkoholiker lediglich immmer wieder versucht, von uns Geld zu „leihen“, indem er sich um unsere Sicherheit besorgt zeigte. Tatsächlich sind solche Leute das eigentliche Problem.

So erschienen auf 3 Motorrädern 2 höfliche Geheimdienstler aus Bitung zusammen mit dem Sekretär des Bürgermeisters und baten um Kopien meiner Papiere. Nach meiner Überprüfung ihres Marschbefehls, wo nichts von Hausdurchsuchung drinstand, wohl aber ihre Namen, die Nummern ihrer Waffen und die Anzahl der ausgegebenen Munition (5 Stück/Nase! Weiβ nich, ob das im Feuergefecht mit mir ausgereicht hätte!), plauschten wir entspannt in unserer pendopo, die eigentlich mal Garage werden sollte, dann aber zum luftigen Empfangsplatz für Lästige aufgewertet wurde. Der Name des einen war ein sehr christlicher, aber in deren Mythologie so negativ besetzt, daβ ich ihn eher für 1 Moslem hielt. Weil sie so artich waren, gab ich ihnen Kopien meiner Ausweise, von denen wir immer reichlich im Hause vorrätig haben. Das Endergebnis war, daβ meine Frau bereit war, ihnen zum Geheimdienst-Sonderpreis unter deutscher Qualitätskontrolle hergestellten Reis zu verkaufen. Früher bekamen alle Beamten regelmäβig Reis-Zuteilungen. Der letzte Dreck, schon weil zu lange gelagert. Jetzt gibt man ihnen Geld, damit sie sich auf dem freien Markt versorgen. Auβerdem ist es im Hinblick auf mehr Sicherheit ganz in unserem Sinne, wenn der indonesische Geheimdienst gut genährt iss.

Ein Gedanke zu „Reis für den Geheimdienst

  1. Da kann man froh sein, wenn diese Brüder wieder außer Haus sind und nichts weiter planen. Ich hoffe, der Reis bekommt ihnen nicht (grins). Verstopfung oder Durchmarsch wäre eine Genugtuung. Wie immer super geschrieben, da bekommt man einen gewissen Einblick in andere Sitten und Gebräuche.lG Jenny

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