Im Dorf der Gesetzlosen

Als Sicherheits-Maβnahme verfügte der neue Bürgermeister, die von den 2 Hauptstraβen abzweigenden Wege nachts mit Schranken abzuriegeln. Eine der üblichen potemkinschen Aktionen und ziemlich unsinnig, da die Ganoven nicht nur von auβerhalb kommen, sondern überwiegend innerhalb des geschützten Bereichs wohnen. Deshalb wurden die Schlagbäume auch schnell von den nächtlichen Randalierern zerlegt.
Daβ aber mein Dorf mal den „gröβten“ Waffenfund Nord Sulawesis erleben würde – und zwar im Hause eines Parlamentariers, der mir mal seinen roten Angeber-Jeep verkaufen wollte, der dann später brannte – der Jeep – hat selbst mich überrascht.

Waffenbesitz ist in Indonesien streng verboten. Sogar Luftgewehre müssen angemeldet werden. Wie sich weitgehend freier Waffen-Besitz auswirkt, kann man in den USA und auf den Philippinen beobachten, wo ich unterhalb von automatischen Gewehren im Pool schwamm. Hier muß man sich mit Messern abmühen, andere umzubringen, was viel schwerer geht als mit einer Schußwaffe.
Nicht nur sickern moslemische Terroristen mit Hilfe von Fischer-Booten von den nahegelegenen philippinischen Inseln nach Nord Sulawesi ein, sondern auch die dazugehörigen Waffen. Dafür daβ Nord Sulawesi angeblich ein bedeutender Einschleusungs-Platz ist – auch einer der Bali-Bomber machte hier Zwischenstation – wird auffällig wenig entdeckt. Nun ist dieser Waffen-Besitzer – nennen wir ihn mal „Klein Cäsar” – kein islamischer Fanatiker, eher einer jener Show-Christen, Mitglied des Parlaments für Nord Sulawesi, Vorsitzender einer Minahasa-Partei, einer der Köpfe der „Brigade Manguni“, Generaldirektor einer Fischfabrik mit intensiven Beziehungen zu den Philippinen und Angehöriger eines der bedeutendsten Clans. Bei der „Brigade Manguni“ handelt es sich um eine Art schwarz gekleidete, private SA, die Nord Sulawesi vor moslemischer Dominanz und Terror beschützen möchte. Dabei tritt sie als Sammel-Becken für die Lumpen des Dorfes auf und wirkt somit eher als Teil des Problems anstelle einer Lösung. Als Angehöriger jenes Clans, aus dessen Reihen einst die obersten Führer Nord Sulawesis kamen, gehört „Klein Cäsar” zu der Gesellschaftsschicht, die sich weitgehend frei über dem Gesetz bewegte und deren Hochzeit mit Verlust des Gouverneurs-Postens nur noch Geschichte ist. Die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen der Nach-Suharto-Ära und ein Polizei-Chef auf Profilsuche führten dazu, daß „Klein Cäsar“ in Handschellen plötzlich nur noch so klein wirkte, wie er wirklich ist.

Die heiß diskutierte Frage war nun, ob seine im Fußboden kurz vor der Razzia versteckt eingemauerte Sammlung wirklich gefährlich war, oder ob es sich nur um Spielzeug-Kultobjekte eines Mannes handelte, der gern mit Gewehr und Jeep in seiner Plantage rumfuhr. „Gott hat etwas Schönes mit uns vor“, erklärte seine Ehefrau. Das auf jeden Fall; mindestens 1 Jahr Gefängnis, denn Spielzeug-Waffen braucht man nicht einzumauern und Waffenscheine waren nicht vorhanden.

Während die Einflußlosen in solch spektakulären Fällen nicht den geringsten Persönlichkeits-Schutz geltend machen können, versiegten die Nachrichten über „Klein Cäsar“ auf ebenso spektakuläre Weise. Das hielt jedoch das Volk nicht davon ab, darüber zu spekulieren, wer „Klein Cäsar“ verpfiffen haben könnte. Für die Beantwortung derartiger Fragen brauchen die Wilden keine Fakten: Es konnte nur der Nachbar gewesen sein, der mit „Klein Cäsar“ um den Vorsitz der Partei rivalisierte.
Die Angestellten der benachbarten Post wußten da Genaueres: Es flogen gelegentlich Einrichtungsstücke aus dem Fenster, wenn sich das Ehepaar stritt, und die Frau war die lauteste dabei. Und sie war es, die ihren Mann in Untersuchungshaft brachte. Worauf er sich rächte und ihre illegalen Machenschaften mit ihrer Fischfangflotte aufdeckte, die auch die Waffen von den Philippinen mitbrachte. Da saßen sie schließlich beide ein.
Aber nicht lange. Mit Geld kann man hier fast alles regeln.

3 Gedanken zu „Im Dorf der Gesetzlosen

  1. Pingback: Schwarz | Flaschenpost

  2. Nicht funktionierende und korrupte Justiz und Polizei – und Kriminelle haben freie Fahrt. Das kann sehr bitter sein für die Opfer. Und noch kein Wandel in Sicht!

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