Vaflixt & zugenäht

This old house of our’s is built on dreams …” (Neil Young)

Diese Löcher sind nich etwa Schußwunden aus San Francisco, nee, nee, diese Löcher sind ältere.

Wenn man je 1 Loch in der Schläfe & im Rücken hat, iss das die ideale Situation zum Blocken. Man kann nich in der Gegend rumbaun, weil dann die Wunden nich heilen, & man schwitzt. Man darf aba nich schwitzen, weil man nich duschen kann – in den Tropen die reine Hölle. Und dann stellt man plötzlich fest, daβ man wegen des Verbands keine Brille mehr aufsetzen & somit eigentlich ganix mehr machen kann. Wat nu? Ich vasteh auch übahaupt nich, wieso mein Körper mich imma wieda sabotiert. Ich hab ihm doch nix getan. Das iss irgendwie unlatürnich. Und was, wenn ich in den Bergen oda direkt am Pazifik wohnen würde & weit & quer kein verwandter Chef-Chirurg? Ich hatte mir ja schon mein super-scharfes Rasiermesser aus Solingen in Germany hingelegt, mit dem ich dort imma Passepartouts geschnitten hab, & den Schleifstein dazu. Die Wucherung an der Schläfe hätt ich mir damit locker wechgeschnitten, wie schon manches andere. Zwar nich so schön tief wie Tommy, aba sie wär ersma vawarnt worden. Meine Prostata muβte 3x vawarnt wern, bevor sie mit dem Wuchern aufhörte. Hab ich aba nich selba gemacht, sondern 1 Urologe, der wegen Ekstasi Probleme mit der Justiz hatte. Und dann fing es im Rücken an. Fahre ich also zum „Esther House of Beauty“ mit diesem unschönen Personal. Da Tommy als plastischer Chirurg im kranken Haus Manado praktiziert, schneidet er auch im „Esther House of Beauty“ Löcher in andere Leute. Er kommt dann mit seiner Frau dahin, die ebenfalls Ärztin iss, & einer kleinen Papiertüte, wo er sein Arbeitsmaterial drin hat. Dann muβ ich mich auf einen als OP-Tisch getarnten Schreibtisch legen, der zwar zu kurz iss, aba mein Hauptteil paβt drauf. Diesmal hab ich gleich mein Hemd ausgezogen, damit ich hinterher nich wieda ausseh, als ob man mir mehrfach in den Rücken geschossen hätt, & ich mir im nächsten Laden 1 neues Hemd kaufen muβ. Wie die meisten Indonesier iss Tommy Meister der Improvisation. In die Tüte für die Handschuhe schneidet er 1 Loch & legt sie über die OP-Stelle, was nich ganz steril iss, aba was iss hier schon steril. Das ganze Land iss irgendwie unsteril. Dann schneidet er mir 1 weiches Tauben-Ei aus dem Rücken. Danach muβ ich mich umdrehn und schräg auf den Schreibtisch legen, weil auf der Unterlage 1 Blutfleck iss, & ich noch meine Hose anhab. Immahin lieg ich nich auf 1 ausgehängten Tür & bin nich angeschossen. So kann er mir 1 erbsengroβes Fleischstück aus der Schläfe popeln. Ob er dafür 1 neues Messer brauche, fragt seine assistierende Frau. Nö, kann man doch das schon benutzte nehmen. Und dann guckt er wieda mit 1 Auge in die 1 & mit dem anderen in 1 andere Richtung, vasucht mit dem falschen Ende der Nähnadel durch meine Haut zu kommen & hustet mir feucht auf den Bauch, wo gerade kein Loch iss. Der dunkle Fleck auf dem Fuβboden iss nur Betadine, weil der Deckel von der Flasche fehlt. Aba die Wände sind piekobello frisch gestrichen & nur 1 tote Fliege. Dann krich ich meine Produkte in 1 kleinen Röhrchen zur Untersuchung mit, & muβ aufpassen, daβ sie nich rausschwappen, weil auch kein Stopfen drauf iss, sondern nur etwas Verband in der Öffnung steckt, & meine Finger werden naβ. Wo Tommy das trapezförmige Stück Haut von meinem Rücken hingetan hat, weiβ ich nich. Hätt ich doch wenigstens für die Katzen mitnehm können. Drauβen iss der dunkelbraun uniformierte Tür-Aufhalter vom dunkelbraun uniformierten stellvertretenden Obastaatsanwalt schon wech, der mir ein Gespräch aufgezwungen & dabei imma nervös mit dem Bein gezittert hat, daβ die ganze Wartebank wackelte, was man mit den Wilden oft erlebt, weil sie sich ständig selber mit Lärm & Unruhe vazittern. Wir ham uns darüba ausgetauscht, was hier alles nich in Ordnung iss, zum Bleistift daβ ich ma wegen Fotografierens vor Gericht stand, aba freigesprochen wurde. Ich hab latürnich nix üba den korrupten Richta erzählt. Vielleicht hat der stellvertretende Obastaatsanwalt ja seine beauty mit 1 „Golden Mask“ raisen lassen, oda was gips da fürn Service im Obageschoβ?

Als ich rauskomm, denkt David, der mein sopir iss, ich wär im „Esther House of Beauty“ geliftet worden, obwohl es da gakeinen Lift gibt, und ich es auch nich nötich hab, weil ich jünga ausseh, als ich bin. Früha war das unangenehm, & ich hätt lieba so alt ausgesehn wie John Wayne. Doch als der starb, war ich froh, nich John Wayne zu sein. Davids Mini-Bus hat zwar neue Stoβdämpfer, & die Schrauben an den Rädern sind diesma auch komplett, aba während wir zu dem chinesischen Pathologen wackeln, der meine Fleisch-Stücke untersuchen soll, muβ ich imma aufpassen, daβ dieselben nich aus dem Röhrchen & der offenen Tür auf die Straβe hüpfen. Bezahlt ham wa Esther ~50EUR. Davon kriegen Chefarzt Tommy & Frau ihren Anteil + 1 informelles Trinkgeld in Höhe von ~30EUR. Dafür würd mir 1 Arzt in D nich mal die Finganägel schneiden. Könnt ich mir sogar noch ne neue Nase leisten. So 1 wie Marlon Brando hat. An sich gips die von meinen Vorfahren kostenlos, aba ich hab keine abgekricht.

Der pensionierte Chef-Arzt hat 1 pechschwarzes Toupet auf & sitzt ganz allein in 1 Bruch-Bude, die auch innem Slum in Afrika stehen könnte. Sein Stethoskop hängt am Garderoben-Haken, da drüber 1 Staubwedel. Wie alle Ärzte interessiert er sich nich für meine Krankheit sondern will von seinen internationalen Beziehungen erzählen. Wir tauschen uns darüba aus, was hier alles nich in Ordnung iss, zum Bleistift das staatlich subventionierte Gesundheits-System, wo sich hape-Besitzer kostenlos behandeln lassen können, während das Geld für die kranken Häuser irgendwo in der Sonne verdunstet. Dabei lacht er imma sein schräges Zyniker-Lachen. Er entschuldigt sich, daβ er für die Untersuchung meiner Fleischstücke 3 Tage brauche, denn der Strom falle jeden Tag bis zu 8Std. aus. Die Wilden werden leicht nervös, wenn sie nich gleich erfahrn, ob sie Krebs ham. Als Germane iss mir das aba egal, weil ich schon länger so lebe, als ob jeder Tag mein letzter iss, & ich sach ihm, daβ ich sowieso ers in 1 Woche wiedakomm. Auf dem Rückweg leuchten in der Dunkelheit groβe, rote Papier-Kreuze am Straβenrand. Strom sparen iss hier kein Thema, & anscheinend iss gleich wieda Ostern, obwohl doch angeblich neulich ers Weihnachten war. Aba mir sacht ja keina was.

Und als ich endlich wieda – fast heil – zurück in meim Paradies bin, fällt der Strom aus.
Und meine Celebritykista gegen Bezahlung berühren zu lassen – wie Andy Kaufman in „Man on the Moon“, geht nu auch nich mehr.
Und als ich das alles blocken will, fällt der Strom aus.
Und 2 Jahre danach, gerade als ich diesen Text redigiere, fällt der Strom aus.
So dreht sich alles im Kreis.

Ein Gedanke zu „Vaflixt & zugenäht

  1. Pingback: House of dura « Flaschenpost

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