Nichts passiert

Entsetzt über das sensationelle Phänomen, daβ ich kein TV besitze, wurde ich in D selbst von gebildeten Mitteleuropäern, die nicht wuβten, wo Sulawesi liegt, oft gefragt, wie ich mich denn informiere, und was ich eigentlich den ganzen Tag lang mache. Nun, letzteres lieβe sich aktuell kurz mit „Ich blogge, also bin ich!“ beantworten. Informiert bin ich meist nur über das, was ich durch Erfahrung von Wirklichkeit weiβ. Der Rest ist in der Regel so bedeutungslos wie Ostern und Weihnachten, schon weil von mir nicht überprüfbar (Die Nachricht über 1 betrunkene deutsche Bischöfin finde ich allerdings durchaus faszinierend.). Seit einem Jahrzehnt kümmere ich mich auch nicht mehr um Wochenende und Festtag. Ich arbeite jeden Tag und ruhe mich aus, wenn ich es nötig habe.

Wie ist es zu bewerten, wenn 1 Christ, der seine Religion nicht praktiziert – oder sogar 1 Nichtchrist einem Buddhisten oder einem, von dem er die Weltanschauung gar nicht kennt, „Frohe Ostern“ wünscht? Ist das gut gemeinte Gedankenlosigkeit? Würde man einem indonesischen Moslem „Frohe Weihnachten“ wünschen oder von einem Chinesen „alles Gute zum Jahr des Tigers“ (seit 1.2.2560) empfangen mögen? Ist hier nicht die vermeintliche Aufmerksamkeit nur Konvention und Oberflächlichkeit und der Verzicht auf diese Floskeln somit Ausdruck wirklicher Beziehung. Mal abgesehen davon, daβ an solchen Tagen des Massenwahns nicht nur das Internet völlig versumpft und im Stau endet. Es ist schwer, über alles nachzudenken und in Frage zu stellen, bewuβt zu leben und zu handeln – besonders mit Kindern, die ständig von auβen manipuliert werden. Vielleicht ist dieser massenhysterische Überbau notwendig für Zusammenhalt und Funktionieren von Gesellschaft. Ich glaube aber, er zersplittert sie stattdessen durch phantasierte Leitbilder – besonders wenn Pluralität zugelassen wird – und ist ursprünglich Ausdruck imperialistischer Ideologien. Man muβ keine Angst vor der Leere haben, sie ist immer da.

The habit of ignoring our present moments in favor of others yet to come leads directly to a pervasive lack of awareness of the web of life in which we are embedded. This includes a lack of awareness and understanding of our own mind and how it influences our perceptions and our actions. It severely limits our perspective on what it means to be a person and how we are connected to each other and the world around us. Religion has traditionally been the domain of such fundamental inquiries within a spiritual framework, but mindfulness has little to do with religion, except in the most fundamental meaning of the word, as an attempt to appreciate the deep mystery of being alive and to acknowledge being vitally connected to all that exists.
Jon Kabat-Zinn, „Wherever You Go, There You Are”

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