Die Japaner

Japans Volk ist ein Kulturvolk, dessen Sitten und Gebräuche meist von den unserigen abweichen, und an dem uns manches höchst sonderbar erscheint. Aber bei den Japanern ist dasselbe der Fall; auch sie finden vieles an uns auffallend und seltsam. … Die Japaner gehören dem mongolischen Menschenstamme an; sie haben ein breites, flaches Gesicht mit einem groβen Munde, einer etwas eingedrückten Nase und schief geschlitzten, tiefliegenden Augen. Ihre Farbe ist gelb, bei den Vornehmen, die sich wenig der Sonne aussetzen, weiβ, der Kopf groβ, der Hals kurz, das Haar braun und oft teilweise oder ganz abgeschoren. Die Augenbrauen sitzen höher als bei uns. Ihr Charakter ist mild und heiter; Fleiβ, Geschicklichkeit, Reinlichkeit, Bildung, Lernlust zeichnen sie vor anderen Asiaten vorteilhaft aus. … Der Japaner macht sich das Leben leicht. … Manche Reisende haben behauptet, daβ in Japan die Kinder nicht weinen, und in der That ist dies nur selten der Fall. Im Hause dürfen sich die Kleinen nach Herzenslust umhertummeln; alle Zimmer und Gänge sind mit dicken Matten belegt; an Stühlen und Tischen können sie sich nicht beschädigen, denn diese fehlen in Japan. … Die Ausschmückung der Tempel soll eigentlich nur in einem Spiegel, in welchen der Betende zu blicken hat, bestehen; jedoch stellen die Priester bei feierlichen Gelegenheiten auch Götterbilder auf, um dem Verlangen der Ungebildeten nach einem sichtbaren Gotte entgegenzukommen.

Lehr- und Lesebuch für Fortbildungs-, Gewerbe- und Handelsschulen (1896)

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