Nägelin

Der relative Reichtum der Menschen auf den klassischen Gewürzinseln beruht neben dem Muskat- auf dem Gewürznelkenbaum (Syzygium aromaticum), einem Myrtengewächs (Myrtacea). Zu den Gartennelken, deren Duft ähnlich ist, besteht keinerlei Verwandtschaft. Alle Bestandteile des immergrünen Baumes, der über 10m hoch wachsen kann, enthalten das ätherische Nelkenöl Eugenol. Die Knospen werden mit der Hand von den empfindlichen Ästen gepflückt und auf Straßen und Plätzen zum Trocknen ausgebreitet. Dann duftet das ganze Land. Bei der Ernte ist cingkeh rötlich gelb, später dunkelbraun.

Die härtesten Ausbeuter der Gewürzinseln waren die Holländer. Um ihr Monopol über 2 Jahrhunderte zu erhalten, unterbanden sie jeglichen Schleichhandel. Wer Samen oder Pflanzen exportierte, wurde mit dem Tode bestraft. „Die schlimmsten Nelken-Schmuggler waren jedoch die Vögel, die Samen auf Inseln trugen, die die Holländer ‚nelkenfrei‘ halten wollten. Jahr für Jahr wurden Truppen aufgeboten, um die Inseln Hinterindiens nach Nelkenbaum-Schößlingen abzusuchen.“ (Hansjörg Küster, „Wo der Pfeffer wächst“). Erst um 1770 entführten Franzosen die ersten Nelkenbäume nach Mauritius und Süd-Amerika. Später wurde Sansibar neben Ambon das wichtigste Anbaugebiet für Gewürznelken.

Für den stincken Mund nim Rockenbrodrinden, Galgan und ein wenig Nägelin, misch es untereinander und brauchs mit Wein; es hilft.
Nägelin seynd gut in der Artzney, dann sie schärffen das Gesicht, benemmen das tunckel oder Verfinsterung der Augen und machen sie klar. Nägelin dienen dem Magen und der Leber, stärcken das Hertz, stopffen den Bauch und machen wol dauen.
Nägelinblätter treiben den Harn, seyn dem Magen nützlich und bequem; diese Blätter unter der Zungen gehalten, machen einen wohlriechenden Athem. Zu den Kleydern gelegt, geben sie ihnen guten Geruch und bewahren vor den Würmern.“ (Adamus Lonicerus, Medicus Physicus, „Kreuterbuch“, Franckfurt 1679)

In Hinterindien seynd die Cigarettusse mit Nägelin würzet. Wann du nit mögest impotensi oda lungenkrebsich seyn, klemm sie dir unta die Nosem.

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