P. A. Toer

Nach Überwindung und Tod Suhartos hat so etwas wie Aufarbeitung der Vergangenheit begonnen. Während die Stimmung zur Zeit zwischen der Konstruktion des Denkmals und der Untersuchung der „Suharto Inc.“ schwankt, die Frage also, ob er fähiger Staatsmann oder einer der raffgierigsten Figuren der Weltgeschichte war – wahrscheinlich beides – versuchen verschiedene gesellschaftliche Gruppen in der sich entwickelnden Demokratie ihre Claims neu abzustecken. Da gibt es den immer noch mächtigen Suharto-Klan und seine Nutznieβer, dem es sogar gelang, die „Times“ wegen Verleumdung verurteilen zu lassen, und die rote PDIP unter Megawati mit nostalgischem Sukarno-Kult und Faust-Gruβ. Zeichen für die sich entwickelnde Meinungsfreiheit ist ein Artikel in der „Manado Post“ über den als Kommunisten unter Suharto auf die Gefangenen-Insel Buru und später zu Hausarrest verurteilten Schriftsteller Pramoedya Ananta Toer (1925-2006). Der Artikel versucht den Eindruck zu erwecken, Toer sei nie Kommunist gewesen, sondern damals unter Sukarno hätte man einfach Mitglied in der LEKRA, der Kulturorganisation der Kommunistischen Partei, sein müssen. Die Argumentations-Art deutscher Nazis nach 45. Womit ich bei Günter Grass bin, der zusammen mit dem PEN die Werke Toers hochgejubelt hat. Aus deren literarischer Qualität erklärt sich der „Weltruhm“ Toers nicht. Durch seine berühmte, auf 4 Teile angelegte Romanreihe, habe ich mich nur bis zum 2. Band durchgequält („Garten der Menschheit“, „Kind aller Völker“). Extrem langweilig. Sein Roman „Spiel mit dem Leben“ ist purer indonesischer Kitsch. Warum also Toer und nicht die anderen, weniger bekannten Schriftsteller, die nicht inhaftiert wurden und teilweise in ihrem Stil international genieβbare Qualität erreichen. Im Klappentext für „Kind aller Völker“ kommt das Wort Kommunismus nicht vor. Er sei wegen „Unterstützung der chinesischen Minderheit“ inhaftiert worden. Dagegen Rüdiger Siebert im Vorwort: „… seine führende Rolle in der … LEKRA wurde ihm zum Verhängnis“. Die LEKRA aber, und explizit Toer, brandmarkten jegliche Kritik am Sukarno-Regime als konterrevolutionär und beharrten auf dem einzig zugelassenen, ästhetisch starren Konzept eines sozialistischen Realismus. Toer war einer jener Kultur-Funktionäre, die die Werke Andersdenkender verboten, auf schwarze Liste setzten und jenen nicht die Freiheit im Ausdruck zubilligten, die sie später – als Verlierer im politischen Kampf – selber einforderten. Nach dem bestialischen Putsch-Versuch der Kommunisten von 1965, wurde er als Schriftsteller und politischer Gefangener Lustobjekt für die deutsche Linke, die sogar die Existenz dieses Putsches bis heute leugnet. Was aus der Kultur Indonesiens geworden wäre, wenn Suharto die Kommunisten nicht brutal gestoppt hätte, dafür gibt es genug geschichtliche Beispiele. Damals bestand nur die Frage: Wer eleminiert wen? Toer prägte seinerzeit den Ausdruck, es gelte, „das Unkraut zu mähen“.

Tuschzeichnung von Djatasoera (1948 in holländischer Gefangenschaft gestorben)

2 Gedanken zu „P. A. Toer

  1. Pingback: Volksbekämpfung | Flaschenpost

  2. Pingback: 30. September 1965 | Flaschenpost

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s