Reis

Wenn gar nichts mehr geht, was in Indonesien ganz schnell passiert („Zement-Panik“, „Strom-Krise“, kein Benzin), haben wir immer noch Reis, Fische, Früchte von Trocken-Feld (ladang) und Bäumen. So ein selbst entworfener und gebauter, gefüllter Reis-Speicher sieht nicht nur gut aus, er riecht auch gut. Prall und warm stehen die mit beras (gemahlenem Reis) gefüllten 60kg-Säcke auf dem soliden Holzfuβboden. Unsere Produkte sind begehrt, da die Kunden wissen, daβ der beras frisch und nicht gepanscht ist.
Inzwischen verdienen wir sogar in (umgerechnet) bescheidenem Umfange. Die Naβreis-Terrassen sind an 2 Pächter vergeben. Sie liefern den padi (ungemahlenen Reis) zur Mühle, der beras kommt in unseren Speicher und wird von meiner Frau nach und nach verkauft. Den Anteil der Pächter verrechnet sie in Geld und Reis. Ohne unsere zinslosen Mikro-Kredite wären die Pächter nicht in der Lage, die Felder zu bewirtschaften. Sie können das Kapital für den Einsatz des Maschinenpflugs, für Spritzmittel, Dünger und Erntehelfer nicht aufbringen. Unter unserer Regie erwirtschaften wir bei 2-3 Ernten pro Jahr ~1/3 mehr Ertrag als die Einheimischen. Merkwürdig ist, daβ viele Pächter nicht vorankommen und in der Schuldenfalle stecken. Das liegt zum einen an den extrem frühkapitalistischen Verhältnissen, unter denen sie sich in der Regel abquälen müssen. Landeigentümer oder Müller verleihen das notwendige Kapital, an die der landlose Bauer dann den Eigen-Anteil an Reis zum gebotenen Preis verkaufen muβ. Und dann sind da noch Spiel, Suff, gigantische Feste, Klan-Verpflichtungen, Miβwirtschaft, geballte Dummheit, Krankheit, Polygamie, Kinder, Unglück, Handphones, TV, Mega-Sound-Anlage – es gibt so viele Möglichkeiten, arm geboren zu werden und es zu bleiben. Dabei ist es längst nicht mehr üblich, als Landarbeiter irgendwo zu wohnen und zum Arbeitsplatz zu gehen, sondern man verlangt mietfrei auf dem Land des Groβgrundbesitzers zu wohnen. Die jungen Minahasa spielen lieber mit ihren Handphones oder saufen – sofern sie nicht so tun, als ob sie studieren – und für die massenhaft arbeitlosen Gorontalo-Moslems aus dem Westen ist oft das eigentliche Ziel, siedeln zu können, einen Fuβ in der Tür zum Norden zu haben. Dann mogelt sich die Sippe langsam nach, Kinder werden geboren, und bald ist aus 1 Bambushütte 1 kleines Dorf mit Infrastruktur-Problemen geworden. Der Landbesitzer wird die Leute nur schwierig wieder los. Ich habe unserem moslemischen Haupt-Pächter Mad 1 solides Holz-Haus gebaut (s.u.), weil es mir nicht behagt, wenn die Leute in Elendsquartieren wohnen. Als sich dann sein Schwiegervater als mitarbeitender Dauergast einschlich, haben wir es verboten, daβ er sich 1 Extra-Hütte baut. Daraufhin pachtete Mad 1 Nachbargrundstück, auf dem sich Schwiegervater seine Hütte errichtete (wobei er versehentlich Material von unserem Land benutzte). Zum Jahreswechsel hausten 11 auf unserem Land (5 ohne Erlaubnis). Geplant waren maximal 2. Den christlichen 2. Pächter haben wir mit dem Land gekauft. Der lebte mit seiner Familie in so elenden Verhältnissen, daβ wir ihn nicht raussetzen mochten, obwohl er deutlich schlechter wirtschaftet. Niemals zuvor habe ich so viel über Risiko und Verantwortung des Unternehmers gelernt, u.a., daβ die meisten, die darüber in D urteilen, damit keine Erfahrung haben, sondern ihr Einkommen regelmäβig auf dem Girokonto vorfinden.

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