Tortenhaft

Ich sachs gleich: Ich war nich dabei, weil ich sowas mega-doof finde. Aba ich hätt es tun solln, um hier 1 astreine Feldforschung üba 1 Hochzeit aus Pappe hinzubloggen. Nur aufgrund der Erzählungen meiner Frau kann das obige Diagramm latürnich nur als hypothetisch angesehen wern. Zu sowas würd ich höchstens als Wedding-Crasher gehn. Nä, da nehm ich lieba an Beerdigungen teil, wo wenigstens die Leiche echt iss.

Man stelle sich vor: 1 Cinderella-Palast, 3x3m Video-Leinwand (mit Live-Übatragung dessen, was im Saal geschieht), Licht-Schau, Band, Tonanlage und dann diese Fred-Astaire-Treppe, wo das westlich gestylte Brautpaar runtakommt. Die wichtigsten Teilnehmer auch, wobei ihre gekauften akademischen Titel von einer Moderatorin ins Mikrofon geheuchelt werden. 400 Gäste, also mittlere Hochzeit, 1000 sind bei diesen Verwandtschafts-Verhältnissen nix Ungewöhnliches. Gegessen wird auch, aba nich getanzt. Es geht hier ja nich um Vergnügen, sondern nur um die Herstellung einer DVD. Da die Vermehrung der Wilden und der Arbeitsplätze nich synchron verlaufen sondern eher umgekehrt proportional, gehen viele ins Ausland und heiraten da. Dann gips 1 virtuelle Hochzeit. D.h., die Gäste sind real, aba das Brautpaar iss nur aufer Leinwand. Video-Konferenz-Hochzeit. Ausstattung nach Katalog. Und dann die Torte. Die iss mit Tisch ungefähr 2m hoch, so daβ das Brautpaar eine etwa 70cm lange Messerimitation zum Anschneiden braucht. Da die Torte aus Pappe iss, fährt das Schwert in einem Schlitz entlang, den man aufer DVD nich sieht. Dann stopfen sich Braut und Bräutigam gegenseitig echten Kuchen innen Mund, der auf einem Extra-Teller gereicht wird. Dieser atavistische Brauch stammt aus der Zeit, als sie noch aufen Bäumen saβen. Zum Glück kaut der Partner die Nahrung nich mehr vor und übergibt dann den Brei von Mund zu Mund, wie im Orengeteng-Reservat auf Sumatra. Nä, da wern ausnahmsweise Bestecke benutzt, obwohl man sonst mit den Fingern iβt.

Und wenn es vorbei iss – es dauert ja nich lang, weil es, wie gesacht, nich um Vergnügen oda was irgendwie Lebendiges geht, sondern nur um Bilder – dann kehrt der Wilde wieder in seine schweinischen Wohnverhältnisse zurück, wo er das Essen auspackt, das er sich in die speziell übagroße Tasche gestopft hat und seine Verkleidung ablegt. Der betrügerischen Lena nützt die allerdings nix, weil man sie schon an ihrem Fischgeruch erkennt.

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