Tommy’s Begräbnis

„Der Tod ist das Ende aller Dinge des menschlichen Lebens, nur des Aberglaubens nicht.“
Plutarch, „Moralische Abhandlungen: Vom Aberglauben“

Drs. Tommy (1941-2009), Cousin meiner Frau, war ein anständiger Mensch. Sehr sozial und viel zu gutmütig. Nur so erklärt sich, daß er im beständigen Krieg mit seiner winzigen Frau, besonders in seinen letzten Jahren, überaus nachgiebig war. Von Anfang an fuhr er uns unermüdlich in Nordsulawesi herum, er war unser Sponsor, solange meine Frau noch nicht die indonesische Staatsbürgerschaft wiedererlangt hatte, und half uns hier Fuß zu fassen, indem er uns bis zur Fertigstellung unseres Hauses das „Rattenloch“ überließ, was ich allerdings nur mit Mühe überlebte. Er zog sogar seine Uniform als Leiter des Katasteramtes an, um die korrupten Beamten der Imigrasi zu beeindrucken. Daß sein Grab einst auf dem von uns gespendeten Friedhof im Lorong Jerman zu finden sein würde, hat er sicher nicht erwartet.
Wohnhaft in Bitung, wollte er wenigstens noch 1 Nacht im „Rattenloch“ verbringen, und so gab es 3 Feiern, von denen ich nur an der 4stündigen letzten in Kauditan teilnahm.
Zwar starb er wahrscheinlich an Malaria, denn er legte sich mit einem heftigen Schüttel-Frost ins Sterbebett, aber er ruinierte seine Gesundheit auch durch starkes Rauchen. Einer der besonders Betroffenen ist sein Enkel (s. Foto), ~20, keine Berufsausbildung, aber 2 Kinder. Er kroch weinend fast in den Sarg, worauf Lena feststellte, daß der grünliche, mit Formalin vollgepumpte Tommy hinterher irgendwie glücklich ausgesehen habe. Auch sonst gab es so manch Übersinnliches zu berichten: In der Nacht vor seinem Tode weinten Katzen in der Straße, wo er wohnte, und Joubert, Tommy’s Fahrer, der sein Sterben direkt miterlebt hatte, träumte in der Nacht nach dessen Tod eine Botschaft. In jener äußerte Tommy sich erfreut darüber, daß meine Frau zur Totenfeier erschienen war. Komisch, daß er nich nach mir gefragt hat, was er sonst imma tat. Aber wie ich vor seiner Beerdigung noch einen alten Schuppen abriß, flüchtete dabei eine Waldratte, verharrte kurz, sah mich über die Schulter an und haute dann ab in den Dschungel. Ich glaub, das war Tommy, der mir noch was sagen wollte, aber dann fiel ihm ein, daß ich das sowieso wieder nich verstanden hätte. Man sollte solche Zeichen wirklich nich untaschätzen. Zum Bleistift als neulich morgens diese Schlange beim Übaqueren des Wasserfalls ausrutschte und in den Teich platschte, hatte ich gleich das Gefühl, daß Ärger bevorstand. Mittags starb daraufhin unsere Waschmaschine, und später explodierte ein Ei so laut, daß ich dachte, es wär schon Weihnachten.
Während alle mehr oder weniger traurig über Tommy’s Tod waren, gab es eine, die durch Gelöstheit und peinliche Fröhlichkeit auffiel: seine Witwe, die sich offensichtlich im Schock befand.
Die moderne Minahasa-Kultur wurde u.a. auch durch das Hemd dieser singenden jungen Dame dokumentiert. Darauf ist zu lesen: „YouTube, Facebook, Friendster, Yahoo, Google“. Windows Live fehlt, aber das hätte auch irgendwie nich zum Anlaß gepaßt.

Einen kleinen Eindruck vom Gesang bekommt man hier
https://onedrive.live.com/?cid=BB9202B8CB389403&id=BB9202B8CB389403%214892&v=3

3 Gedanken zu „Tommy’s Begräbnis

  1. Pingback: Tommy’s Funeral « UNGEMALTES

  2. Jetzt geht’s. Microsoft hat den Link geändert. Sonst auch über meinen Link „Videos“ zu erreichen.
    Wie ich das hasse! Weiss ganich, wieviele Links jetz tot sind, nur weil diese Heinis wieda rumgepopelt ham.

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