An- oda abwesend?

Da hast Du wirklich ein interessantes Thema angeschnitten, Frank: Was ist im Altersheim von morgen los? Während Du wahrscheinlich hard im Rollstuhl rocken wirst, würde ich mich eher versonnen einigen LSD-Flashbacks hingeben. Doch wie es hier aussähe, darüber bestehen leider keine Zweifel.

Mein letzter Besuch im kranken Haus war der Auftakt für eine begrenzte Odyssee an deren Ende der Umbau meiner Nase gedacht ist. Dazu müssen zuerst einige bürokratische Hürden genommen werden, wofür meine Frau zuständig ist, die dafür die nötige Geduld aufbringt. Ich selber neige dazu, lieber an Denis-Hopper-Krebs zu sterben als in einem dieser Gänge, in denen auch die Wilden orientierungslos umherirren. Das wichtigste an so einem kranken Haus ist bekanntlich die Sehrlautsprecher-Anlage. Neu war diesmal, daß das gesamte Aufnahme-Gespräch mit den Patienten übertragen wurde, weil die Schwester am Schalter keine Lust hatte, das Mikrofon, mit dem sie die Patienten aufruft, zwischendurch mal abzuschalten. Und so konnten wir Wartenden alles über die jeweiligen Antragsteller erfahren: Name der Mutter (tot, aber macht nix), Name des Vaters (auch tot) und natürlich die RELIGION! Soweit iss das ja ganz unterhaltsam, doch wenn man es danach wenigstens bis ins Untersuchungszimmer geschafft hat, stellt sich heraus, daß die Röntgen-Abteilung schon geschlossen hat. Muß man eben woanders hingehen.

Typisch für das ganze mir bekannte Land sind Klimaanlagen in dem fotografierten Zustand. Wasser tropft überall, jedoch meistens aus einem Schlauch, der in einen Eimer mündet. Die „weiße“ Platte ist ein schwarzes Brett für Bekanntmachungen. Die grüne Platte zeigt mit Hilfe von raffinierten Schiebetäfelchen, welche Ärzte an- bzw. abwesend sind. Dr. Steward Mengko ist zum Bleistift an- und abwesend.

Wenn es also im staatlichen kranken Haus nich geht, fährt man eben zu einem privaten Labor. Dort wird man von einer jungen Dame mit Schnupfen bearbeitet:

„Ich möchte meine Nase röntgen lassen.“

„Die Nase?“ fragt sie verschnupft.

„Ja, die Nase.“

„Unser Gerät kann keine Nasen röntgen“, antwortet sie und wischt sich den Schnodder mit spitzen Fingern von ihrer eigenen, „aber in unserer Zweigstelle geht das.“ Sie ruft dort an. Vorher rückversichert sie sich nochmal:

„Die Nase, ja?“

„Ja, die Nase!“

Leider hat sich das Nasengerät in der Zweigstelle auch schon zur Ruhe begeben. Also probiert man es 1 Woche später. Die Woche drauf holt man dann das Foto ab, und nach 3 Wochen fährt man mit dem Foto wieder ins kranke Haus. Durch diesen Ablauf werden die Selbstheilungskräfte derartig gestärkt, daß man es aufgibt, an Denis-Hopper-Krebs zu sterben – oder unterwegs verendet.

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