Zum Kotzen

Ich denke, man wird Filme zukünftich nich mehr in Kategorien wie Krimi, Western, Komödie usw. einteilen, sondern eher in Auto-, Kaffee-, Handphone-, Laptop- und Kotz-Filme.
Das mit den Autos iss ja klar: In manchen Filmen wird ständich autogefahren, Scheiben werden runterge… wie nennt man das denn heutzutage? Da kurbelt ja keiner mehr. Und dann muß auch wenigstens eine Kamera-Einstellung so gewählt sein, in der einem diese weitgehend gleich wirkenden Blecheier das Firmenlogo ins Gesicht fahren.
In den Kaffee-Filmen wird ständich Kaffee getrunken, und der Pappbecher dabei so abgestellt, daß man sehn kann, wer ihn gefüllt hat. Die Handphone-Filme, in denen die Schauspieler hauptsächlich telefonieren, wird die Fachfrau später nach der Vor-Sony Ericsson-Cybershot 5.0-Epoche und danach datieren können. Gleiches gilt für Laptop-Filme.
Ein weiterer Aspekt zunehmenden Realismus sind die Kotz-Filme, in denen – wie der Name schon sagt – viel gekotzt wird. Das scheint eine zunehmende Tendenz zu sein, obwohl ich in meinem Leben nur wenich gekotzt hab und mich an das letzte Mal ganich mehr erinnern kann.

Poder Blue“ iss ein Film, der fast all diese Kategorien vereint, wobei dem Regisseur Timothy Linh Bui schon im Vorspann ein Fehler unterläuft: Der Schriftzug „Poder Blue“ iss rot. Am Vorspann kann man oft erkennen, ob sich die Produzenten Mühe gegeben oder nur den Titel-Generator von Windows Movie Maker benutzt haben. Was „Powder Blue“ bedeutet, hab ich nich mitgekricht, obwohl ich genau aufpaßte – besonders bei den Sex-Szenen. Jessica Biel spielt nämlich eine Sex-Tänzerin und iss dabei noch erotischer als die deutsche Meisterin im Bodenturnen – wer auch imma das gerade sein mag. Das iss ja das Schöne und auch Zweckmäßige solcher Filme, daß man als ordentlicher Bürger derartige Etablissements ganich erst aufsuchen muß, sondern sich darin schon auskennt, ohne das Sofa verlassen zu haben.

Den Inhalt des Films wiederzugehen, iss nich einfach, da alles durcheinandergeht. Jedenfalls sind am Ende die Bösen alle tot (Der Sohn der Tänzerin war sowieso schon halbtot.). Ray Liotta, der, wenn er nich reichlich Tätowierungen und geschminkte Augen besäße, fast mit einem Vermögensberater bei der Sparkasse zu verwechseln wäre, spielt den Vater der Tänzerin, was sie aba nich weiß und der Zuschauer auch nicht. Zum Schluß stirbt der Vater im Schnee, was Timothy Linh Bui aus Robert Altmans „McCabe & Mrs. Miller“ geklaut hat. Der Schwuchtel Alejandro Romero, die sich selbst erschießt, gelingt es, den großen Caravan von Forest Whitaker völlich lautlos aus einer Waschanlage zu stehlen. Forest Whitaker, den man im Dunkeln kaum erkennen kann, da er schwer depressiv iss und kaum lacht, spielt einen ehemahligen Popen, der sich nich erschießen kann. Ungewöhnlich iss, daß die hübsche Lisa Kudrow, die eine Serviererin darstellt, den häßlichen Neger Whitaker, der dazu noch auf einem Tisch eingeschlafen iss, schon nach sehr kurzer Zeit küßt (Hat er gut gerochen, oda ahnt sie, daß er Pope iss?). Aba so ein Film kann sich ja nich ewich Zeit für lange Vorspiele nehmen. Patrick Swayze (als fieser Nachtklub-Besitzer) erkennt man erst, wenn man seinen Namen im Nachspann liest. Mit Kris Kristofferson als Onkel vom Dienst iss das leichter, tritt er doch übaflüßigaweise heutzutage in jedem 3. Film ma kurz auf, um jenen aufzuwerten. Dann gibt es da noch 1 jungen Sargverkäufer und latürnich 1 Hund. Ohne Hund geht’s nu ma nich. Auf jeden Fall iss der Film randvoll mit sich kreuz und quer übaschneidenden, echt traurigen Schicksalen und das am Heiligabend! Man kann den Film aba auch im August sehn. Leida hat der Regisseur nich gewußt, wann er aufhören muß, und so kommt man noch in den Genuß einiger surrealer Nachtod-Environments – trotz der ganzen Kotzerei: „Ich warte auf dich!“ Und was man eben als Toter so sacht.

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