Ikea oda Slum?

2 Filme, die ich zufällich an 2 Tagen hintereinander sah: „My Zinc Bed“ – vorm Versinken in Bedeutungslosigkeit nur durch die Anwesenheit des Stars Uma Thurman bewahrt – und der indische Film „Slumdog Millionaire“, der im extremen Kontrast zur sterilen Szene des englischen Dreiecks-Verhältnisses übersprudelt von Lebendigkeit. „My Zinc Bed“ (nirgendwo im Film) wirkt wie das „Wort zum Sonntag“, vorgetragen von einer Redakteurin von „Schöner Wohnen“ (noch nich ma „Architektur & Wohnen“). Die einzig lebendigen Personen sind heruntergekommene Typen in einem Meeting der „Anonymen Alkoholiker“. Zeitweise glaubt man, daß es um „AA“ oda nich geht, wirklich festzustellen, wovon der Film eigentlich handelt, gelang mir nicht. Die Story erinnert an alte russische Romane, aufgekocht und transferiert ins moderne London, so eine Art Turgenjew-Dostojewskij-Kompost – nur das man seinerzeit nich anonym soff. Als Zielgruppe kommt wohl das Heer der Angestellten in Frage, das von Büro-Erotik träumt und davon, der Führungselite einmal ganz nah zu sein. Daß jene wirklich in einer blutleeren 1:1 Umsetzung des Ikea-Katalogs lebt, ist so kaum vorstellbar, jedoch nich auszuschließen. Zusammengehalten wird der Film nur durch die schauspielerische Leistung der Thurman, dabei zeitweise auch zum arschglatten Möbelstück reduziert. Intelligent und unbedeutend die Dialoge, so intelligent, daß man die illegale Kopie nich ma seinem korrupten Lieblings-Polizisten schenken kann, der im indischen Film dann gleich leibhaftig auftaucht.

Wer einen Beweis dafür braucht, warum die mit sich selbst beschäftigte und hoffnungslos gelangweilte alte Welt untergeht, sich dagegen Entwicklungsländer wie Indien schon quantitativ an die Spitze tanzen, sollte sich den lebendig-interessanten Film „Slumdog Millionaire“ ansehen, in dem zum Glück nur im Abspann getanzt wird, was jedoch eine durchaus angenehme kathartische Wirkung hat. Sicher bedient der Film mit dem simplen Schema – jeder kann emporkommen und bekommt dazu noch die schönste Frau – die Wunschträume von Millionen Indern, aba wie das voller nie gesehener Ideen umgesetzt wird, iss nich nur unterhaltsam sondern auch inhaltsreich. Etwa ein gebührenpflichtiges Slum-Klo, vorgeführt mit allen farbigen Details.

Es kommt mir schon seit längerem so vor, als leide westliche Kultur an Auszehrung, während gleichzeitig indische, chinesische und japanische Regisseure erfolgreich aus der überwältigenden Fülle ihrer Kulturen schöpfen, spielerisch Unterhaltung und relevante Inhalte verbinden, auch wenn sie dabei westliche Techniken kopieren. Und außadem wirkt Freida Pinto zwar kleiner und nich wirklicher, aba n Zacken schöner als Uma Thurman. Aba das nur nebenbei.

Ein Gedanke zu „Ikea oda Slum?

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