Kommen Ziegen in den Himmel?

Nun, jenen unter meinen atheistischen Lesern, die solch einen anlytischen Ansatz für vornherein als obsolet von sich weisen, sei gesagt, daß hier durchaus Denk- wenn nich sogar Handlungsbedarf besteht. Es kann einfach nich befriedigen, wenn Meister Eckard Henscheid (*1941 Amberg bei Mimbach-Mausdorf, Post Ursulapoppenricht) in seiner zutiefst und allergründlichst wissenschaftlichen Abhandlung – übagründlich, ist man fast geneigt festzustellen – „Welche Tiere und warum das Himmelreich erlangen können“, nach 137 von 139 Seiten die Ziege lediglich mit dem kurzen Satz erwähnt: „Indessen dem bzw. die Ziege bald den allfälligen Ziegenmutterbrief (a.a.O.) erwerben möge.“ Und wo bitte befindet sich der „a.a.O.“? So nich Meister Eckard!

Schon der „Sabbat-Bock“ Lévis (s.o.) weist auf die traditionell geradezu entgegengesetzte Laufrichtung der Ziege, insbesondere des Bockes. Einmal symbolisiert er die abschreckende Gestalt der Volkssage als „Herr des Sabbats“ beim jährlichen Hexen-Kongreß. Ferner steht er – der Bock – für die übaschwengliche männliche Sexualität und erfreut mit seiner Zeugungskraft verständlicherweise alle Ahnengeister. Doch mußte ich leida meinen hübschen, weißen Bock, diese Sau, wegen fortgesetzten sexuellen Fehlverhaltens gegenüba seiner Mutta verkaufen. Als dritter Aspekt soll er jenes merkwürdige Astrallicht vertreten, jene ätherische Ausstrahlung, die ich zwar beim Filmglotzen bemerke, wenn ich eine neue Brille brauche, oder wenn mir meine Frau ma wieda mit ihren Fettpfoten auf die Gläser gepatscht hat, bei meinen Ziegen jedoch noch nich feststellte. Selbst bis in die griechische (hl. Böcke bei Dionysos, diesem alten Lust-Molch) und ägyptische Antike (Götterbock Mendes) reichen die Vorstellungen von der göttlichen Rolle der Ziege. Warum also nich auch im Katholizismus? Daß ein Bock im Stall nach altem deutschen Glauben die Sippe vor allen bösen Mächten schütze, läßt sich für die indonesische Region klar verneinen, da das Böse hier meist der Sippe selbst entspringt.
So wie Gottes Wege nich nur unerfindlich, sondern derartig labyrinthisch sind, daß er sich imma wieda selbst zu verirren droht, so lassen sich aus reiner Bibel-Exegese keine eindeutigen Aussagen zum Problem erarbeiten. Zum Glück gibt es da diesen endlosen Strom des Gequatsches und der Auslegungen, der gelegentlich sogar aus der nord-deutschen Provinz heraufwabert und nich nur dort, sondern gerade dort fragt sich der Bauer, sofern er nich Schafe züchtet: „Wie iss dat denn nu?“ Bei den Schafen issas klaa. Die lungern schließlich überall in der christlichen Kunst rum, sind sogar in der Lage, Kruzifixe mit den Vorderbeinen zu tragen. Und wenn selbst Luther den Ameisen, Wanzen und allen unflätig, stinkenden Tieren einen Platz im Himmel einzuräumen bereit ist – nachdem sie sich gesäubert haben und nich mehr rumstinken – und Meister Eckard übazeugend nachweist, daß sogar der scheinbar böse Mähnenwolf und der Bilch eine Chance haben, läßt sich der Ziege unmöglich der Einzug ins Himmelreich verweigern, selbst wenn ein gewisser Jeremias Gotthelf auch die Schafe als „ungeistliche Tiere“ einstufte. Das galt aba ebenso lange Zeit für Frauen, eine geistige Wunde in der Geschichte der Menschheit, die wir an diesem Orte nich wieda aufreißen wolln.
Wenn es hin und wieda sogar zur Heiligsprechung von Windhunden kam, und das Jenseits keineswegs als Altersheim zu verstehen sei, wo sogar Säuglingen und Negern gewisse Außenbereiche zugewiesen werden, sollten wir Vorurteile endgültig pontifikalen Akten übalassen. Vorurteile, die man selbst bei Jesus gegen den Einzug der Tiere in höchste Zonen findet, haben sich historisch als haltlos erwiesen, zumal ein Reicher eher durch ein Nadelöhr geht als ein Kamel ins Himmelreich. Rätselhaft bleibt, „was der Jude und Wüstensohn Jesus gegen Kamele hatte“ (Meister Eckard).
Hier sei besonders die Frage erörtert: Was passiert mit den Haustieren beim Ableben des Besitzers, wenn jener sich in höheren Regionen befindet? Schon Mechthild von Magdeburg (oda war es Hildegard von Bingen?) soll sich derohalber geäußert haben, sie wolle ganich erst auferstehen, wenn ihre Hündchen nich mitkämen. Sind doch besonders bei Haushunden trotz ihrer atestierten Simulierfähigkeit metaphysische Regungen nicht unbekannt. Meister Eckard führt als Beispiel an, wenn man sie am Bauch kraule, „schauen sie meist zum Sternenhimmel, so verzückt wie Mechthild von Magdeburg oder sonst so eine alte mystische Nonne“. Meine Mutter hatte da vorgesorgt: „Dem Testamentsvollstrecker mache ich zur Auflage, dafür Sorge zu tragen, daß meine Hündin Mareika oder deren Nachfolgerin in einer Pension untergebracht oder zu anderen tierliebenden Menschen gegeben wird und die entsprechenden Mittel hierfür für die Lebenszeit der Hündin aus meinem Nachlaß zur Verfügung zu stellen.“ Der senile Notar, der nich nur jenes Testament abgefaßt, sondern es auch geschickt verstanden hatte, sich selbst als heftich profitierenden Vollstrecker einzusetzen, ging in seinem abgrundblöden Verantwortungsgefühl noch erheblich weiter und wandte sich folgendermaßen an meinen Sohn:  Sie haben mir – und das Gleiche hat Ihr Vater mir schriftlich bekannt gegeben – erklärt, daß die Hündin an Alterschwäche verstorben sei. Als Testamentsvollstrecker muß ich erfahren, wann das gewesen ist und ob sie normal eingeschlafen ist oder von einem Tierarzt erlöst wurde.
Die Verstorbene soll im Seniorenstift zwei Vögel gehabt haben, die zum Zeitpunkt ihres Todes noch gelebt haben. Bitte beantworten Sie mir die Frage, was nach dem Tode mit den beiden Vögeln geschehen ist.
Ihre Großmutter hat nicht ohne Grund diese Auflage dem Testamentsvollstrecker gemacht, weil Sie sicherlich wissen, daß sie äußerst tierlieb war und allergrößten Wert darauf gelegt hat, daß durch die Testamentsvollstreckung sichergestellt wird, daß das betreffende Haustier, wozu ich selbstverständlich auch die beiden Vögel zähle, nicht an Dritte ohne weiteres abgegeben, sondern daß ein entsprechender Unterhalt aus ihrem Vermögen zur Verfügung gestellt wird, so daß ein Weiterleben für die Tiere in jeder Hinsicht sichergestellt wird.
Wenn Sie mir bitte entsprechend umgehend Auskunft erteilen, wäre ich Ihnen sehr dankbar.
Worauf ich den Mann nicht nur darauf hinwies, daß Vögel im Testament nicht erwähnt werden, sondern auch im Zusammenhang mit anderen Irregularien seines konfusen, aba für ihn ertragreichen Wirkens (für dessen Reparatur ich 2 Jahre brauchte): „Das muß ein wunderbarer Zustand sein, wenn man gar nicht mehr merkt, wie dumm man ist.
In welcher Zone des Himmels, und ob überhaupt, sich meine Mutter nun aufhält, darüba können wir hier nur spekulieren. Nicht auszuschließen ist, daß sich die verfettete Hündin an ihrer Seite befindet und üba ihr vielleicht diese grellen Kanarienvögel flattern. „Der Grundgedanke, zumal auch der inkludenten Metempsychose und Transsubstantion zu Genien bei offenbar gleichbleibender Bellkraft und anderweitiger Lautgebung – dieser auch und gerade östliche Grundgedanke scheint uns gleichfalls für den katholischen Bereich ein richtiger und beispielgebender und weiterführender zu sein.“ (Meister Eckard).
Mithin – obwohl ungetauft – hinauf mit der Ziege, zumindest in den Limbus! Aba hinab ins Inferno mit der angeblichen „Gottesanbeterin“! Töpferwespe und Gecko, die überall rumsauen, dürfen auch nich rein. Nacktwombat, Waran, der Wal mit seiner gewaltigen Erektion – übahaupt Tiere mit „W“ nich, wie Wusel, Weichhörnchen und Waulmurf – und das vietnamesische Hängebauchschwein, welches libidinös-heidnisch und aussieht „wie ein gegen einen Baum chauffierter, zerdetschter VW-Käfer“, sowieso nich. Hinfort mit ihnen!

Kupferstich aus Eliphas Lévi „Transcendental Magic“, 1896

6 Gedanken zu „Kommen Ziegen in den Himmel?

  1. Noe, aba es kann ja ma was mit mir passieren. Z.B. eitert mein schlimma Finga imma noch, und da muss man sich wegen der Zukunft Gedanken machen.

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