Er war mal wech

 

„Tabea, Herr Dr. Leckthor, da hat doch einer son literarisches Reisebuch bei mir zurückgelassen, von einem Herrn Hape Kerkeling ‚Ich bin dann mal weg‘, un das hab ich gelesen, weil ich hier sonst nix Neues kriege.”
„Ach, von diesem Komiker?“
„Schreibt er, aba ich kenn den Mann nich. Er schreibt auch, das Buch wär anners, als was er sonst so macht.“
„Ja, wennse schon berühmt sind, könnse ihren Hustenanfall veröffentlichen. Was schreibt er denn?“
„Er meint, er wär fast 600km aufem Pilgerweg von Südfrankreich durch Nordspanien nach Santiago de Compostela gelaufen, aba es hätt ihm einfach keinen Spaβ gemacht.“
„???“
„Und das jedes 3. seiner Fotos über-, unter- oder ganich belichtet war, was eigentlich auf seine Tagebucheinträge auch zutrifft.“
„Wieso?“
„Na zum Bleistift wenn er seine Erkenntnisse des Tages beschreibt: ‚Auf die entscheidenden Prüfungen im Lebensparcours kommt es an!‘ oder ‚Ich habe Gott getroffen!‘
„Ist doch schön. Das iss Zeitgeist. Vakauft sich sicher riesig.“
„Sagense mal, Herr Dr. Leckthor, stimmt das, wenn er schreibt ‚… irgendwo in Deutschland bimmelt immer ein Glöckchen‘, weil – das kenn ich ganich von damals.“
„Ach wissense, das müssense nich so ernstnehmen, das iss Zielgruppen-Ansprache.“
„Ja genau, er trifft auch ‚überall diese einsamen Hunde‘.“
„Sehnse! SO macht man das! Nehmse sich daran ma ein Beispiel, Herr Dobat!“
„Ganz unangenehm wird es, wenn er ins Philosophieren kommt: ‚Jeder eigene Ausdruck führt zu einem Eindruck bei anderen und der erzeugt in ihnen neuen Ausdruck, der wiederum für einen selbst beeindruckend ist. Wer sich ständig ausdrückt, ist auch immer beeindruckt. So entstehen Ehekräche und Weltkriege.‘ Ob das komisch sein soll?“
„Vielleicht wollte er einen tiefsinnigen Reiseführer schreiben? Die Reise als Weg nach innen – gähn!“
„Er hat ja auch 1 Reinkarnations-Seminar mitgemacht, wo er sich erinnerte, daβ er mal von deutschen Sodaten erschossen wurde, weil er Juden versteckt hatte.“
„Das iss die Generation, der man das 3.Reich schon in der Grundschule erklärt hat. Irgendwann denken die dann, sie wärn dabeigewesen.“
„Zu Gott hat er auch eine individuelle Beziehung.“
„Tatsächlich?“
„Kann er sogar definieren: ‚Gott ist das eine Individuum, das sich unendlich öffnet um alle zu befreien.‘
„Wunneba!“
„Aba er iss kein hoffnungsloser Fall.“
„Warum?“
‚… was ich in Zukunft ausdrücke, werde ich mir noch genauer überlegen als bisher.‘
„Das riecht nach Fortsetzung!“
„Wuβten Sie eigentlich, Herr Dr. Leckthor, daβ die katholische Kirche durchaus Methoden zur Beschränkung des Bevölkerungswachstums kennt?“
„Watt? Das steht auch in dem Buch?“
‚Immer wieder sieht man kleine, blumengeschmückte Kreuze mit eingravierten Namen, die mahnend an den Stellen stehen, an denen Pilger zu Tode gekommen sind. … Wie viele Christen aus ganz Europa hier in den vergangenen Jahrhunderten ihr Leben gelassen haben, bezeugt der Pilgerfriedhof eindrucksvoll.‘

3 Gedanken zu „Er war mal wech

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