Harte Zeiten

Isschon hart, nix zu haben, was man als Brot bezeichnen könnte. Aba noch schlimmer isses, wenn man nix mehr für‘s Gehirn bekommt. Soll nich heißen, daß da aufem deutschen Buchmarkt imma was wirklich Neues angeboten wird, und im Netz lesen iss nich das Gleiche, wie son richtiges Buch inner Hand zu haben. Schicken lassen hat keinen Zweck. Ich kannte ma einen verwandten Wilden, der 1 Postamt geleitet hat. Iss kürzlich vom Hund gerempelt worden (Rache der Hunde?) und dann an den Folgen des Sturzes gestorben (katula = Rache Gottes). Stempelt jetz inner Hölle, da bin ich sicher. Also das hat keinen Zweck. Doch hab ich mir vor 2 Jahren mal das „Merkheft“ mit dem Angebot von Zweitausendeins („Für Kunden mit gutem Geschmack und kleinem Geld-Beutel.“) kommen lassen. Wollte einfach ma kucken. 2001 ist 1 Verein zur Förderung des Buddhismus. Man merkt nämlich nach einer gewissen Zeit, daβ man imma wieda Sachen bestellt, die man nich braucht, wie deren Reiz abnimmt, und daβ man dann wieda was Neues zu brauchen glaubt. Manche solln das sogar mit Frauen so machen. Samsara also.

Obwohl der Brief aussah, als ob er ein Bündel Rupiah-Scheine enthielt, erreichte mich das „Merkheft” schon nach einigen Monaten. Hatte ich online bestellt. „Missent to Jakarta Indonesia“. Iss ja soo schwer, meine Adresse richtich zu schreiben. Hab keine Haus-Nummer, die Leute schreiben ID statt RI, und daβ die Postleitzahl hinter dem Ort steht, iss selbst für den gebildeten Mitteleuropäer unvorstellbar. War ich natürlich neugierig, was sich da so tut inne Kultur:

2001 hat es inzwischen noch nich geschafft, wenigstens den Angebotskatalog technisch einwandfrei zu drucken (s.o.). Bestellt man „leicht angestoβene“, verbilligte Bücher, sehen die aus, als ob sie einen mittelschweren Motorradunfall hatten. „Modern Art“ von Joost Swarte scheint vom Hai gebissen worden zu sein. Ich vermute, die 2001-Produkte werden im Libanon hergestellt. Viele Bücher wurden schon vor Jahrzehnten angeboten. Vielleicht weil die „Hauptbitte“ der Kunden von 2001 so lautet: „Bleibt, wie Ihr seid. Etwas unangepaβt, etwas anders. Kein Mainstream. Keine Gartengrills, oder Digital-Kameras.“
Wieso nur etwas? Wer grillt denn seinen Garten?? Und warum keine Digitalkameras??? Ja, ich gestehe: ICH BESITZE EINE! Auf Seite 23 dann eine Comic-Zeichnung von Seyfried:

„Mutti! Der hat kein Handy!“
„Der arme Mann.“

Gehirnerfrischend! Das Buch hätt ich gern. Ja, ich gestehe: ICH BESITZE KEINS! Wozu auch?
Auf Seite 25 ein Buch von Tom Hodgkinson: „Die Kunst, frei zu sein. Handbuch für ein schönes Leben.“ Brauch ich auch nich, hätte ich aber trotzdem gerne. „Was uns die Freiheit raubt: Angst, Langeweile, Gier, Einsamkeit, Eitelkeit, Armut, Schulden, Regierungen, Armbanduhren, Schmerz, Supermärkte, Häβlichkeit, Verschwendung.“ Und was soll man tun? „Hör auf zu arbeiten!“ (schon längst), „Ignoriere den Staat!“ (Tun alle hier, Hodgkinson würde das bestimmt nich gefallen.), „Befreie deinen Geist!“ (Geht klar! Ich bestell nix mehr.), „Sorge dafür, daβ dein Tisch unter Speisen ächzt!“ (Wie war das mit der Gier? Geht da vielleicht was durcheinander?)
Das Beste war auf Seite 53:
„Die Bibel: Das Buch der Bücher auf 8 MP3-CDs“. Ach! Isses schon so weit? Religion als Life-style? Nun auch bei 2001? Deshalb nur etwas unangepaβt“! Das „vollständige Heiligen-Lexikon“ kann man ebenfalls kriegen! Nix üba Engel? Na OK, gelogen hat 2001 schon imma. Hat sich wohl nich viel verändert in der Zwischenzeit. Und das darf auf keinen Fall fehlen:
„Wer seinen Hund mit Streicheln und freundlichen Worten belohnt, macht ihn gesünder und aufmerksamer.“ (Hach du ssüssssüssüsser kleiner Trottoirscheiβerl! Hattuwieda aufen Teppich gepiβt? Jetz krissu dein Rabiesspritzchen un dann husch-husch in Mammis Bettchen.) SCHÜTTEL! (So bis 200 registrierte Tollwut-Fälle allein in Manado pro Jahr. Kein Thema für Amnesty International.)
Seite 119: „Sie wollen das Beste aus Ihrer Digitalkamera holen?“
Danke, es reicht!
Doch das Buch „Happy Birds-Day“ mit Vögeln in Turnschuhen von Rudi Hurzlmeier würd ich sofort bestellen. Vielleicht strandet hier ja mal ein Bücherschiff.

„Der Falter macht, statt in den Topf,
Rotkehlchens Hannes auf den Kopf.“

Das iss Poesie!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s