Durchhalten

Wenn du ruhig am Ufer eines Flusses sitzt,
wird die Leiche deines Feindes vorübertreiben.

Abraham Keleyan war einer meiner gröβten – jedenfalls von den mir bekannten. Er wollte nicht nur mich, sondern auch noch seinen Bruder Youbert umbringen, mit dem zusammen wir anfangs im „Rattenloch“ wohnten. Zum Glück sind wir über gegenseitiges Anbrüllen nie hinausgekommen, sonst hätte er sich womöglich noch ernsthaft verletzt. Mit seinem gewaltigen Organ einer der bedeutensten bakuku-Schreier Kauditans. Nachts konnte man ihn dabei beobachten, wie er im Suff mitten auf der Straβe saβ und Spott-Lieder auf mich zum Besten gab.
Besoffen ein Tier, war „Tutu“ ohne Alkohol eher schüchtern und liebenswürdig. Als meine Frau ihm beim Tod seiner mit uns verwandten Mutter – der einzige Halt in seinem orientierungslosen Leben – finanziell etwas half, schmolz er. Von da an wurde er einer unserer besten Freunde, und wenn ich ihm 1 Eis spendierte, machte er mir den Weg frei wie ein Bodyguard. Er schien auch mit dem Saufen aufzuhören, sein Körper sah nicht mehr so schwammig aus, er blieb aber unstetig und Junggeselle.
Schlieβlich schaffte er es sogar bis zum Beamten – als Fahrer für einen Bankdirektor, ein Beruf, der mit Vorliebe von Alkoholikern ausgeübt wird. In Manado veranstaltete er dann sein letztes Saufgelage: Gewohnt, volltrunken irgendwo im Freien auf Bambus-Bänken, Brüstungen und Mauern zu schlafen – aber auf dem Lande im Erdgeschoβ – tat er es im urbanen Umfeld im 1.Stock. Im Sturz zerschlug er sich den Kopf. „Eigentlich ein schöner Tod“ – im Sinne von schnell – wie meine Frau auf der Beerdigung bemerkte und dafür verständnislose Blicke der Wilden erntete, die eine Heidenangst (ich benutzte diesen ideologisch belasteten Begriff nur ausnahmsweise) vor Tod und Toten haben. Etwas, was mich in diesem Zusammenhang wieder nachdenklich stimmte: Wie viele, von denen, die ich hier kennengelernt habe, sich schon in den ewigen Jagdgründen befinden. Die Wilden halten einfach nich so lange.

„Wir haben alles vergehen sehen, und wir werden beobachten, wie es wieder vergeht. Die Hauptsache ist durchhalten und seine Arbeit zu Ende führen und zu sehen und zu hören und zu lernen und zu verstehen; und zu schreiben, wenn es etwas gibt, was man weiβ; und nicht vorher; und nicht zu verdammt viel später. Laβ die, die es wollen, die Welt retten, wenn du nur dahin kommst, sie deutlich und als Ganzes zu sehen.“
von Ernest Hemingway, der auch nich durchgehalten hat

3 Gedanken zu „Durchhalten

  1. Werden die Toten auch auf dem Bauch – Beerdigt – mit Gesicht zum Erdmittelpunkt ?Hemingway, hat eine gute Arbeit abgeliefert bevor der Kopf versagte !"Laβ die, die es wollen, die Welt retten, wenn du nur dahin kommst, sie deutlich und als Ganzes zu sehen.“ Charles Bukowski, hat genau so gedacht und geschrieben, aber durchgehalten ! ( natürlicher Tod 3.94 )Dem hat das Saufen geholfen – Hemingway nicht !

  2. Die Moslems liegen auf der Seite, Christen auf dem Rücken. Bei Bukowski iss aba auch nich viel mehr als Suff-Texte rausgekommen, weshalb ich mich – anders als für Hemingway – nich für ihn begeistern kann.

  3. Pingback: Ein Dalang wird zum Schatten | Flaschenpost

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