Alvian & Beatrix

Der eigentliche Charakter einer Hochzeit wird schon optisch deutlich an dem, was Alvian Kalangi geschah: Der „Indianer“ wie ich ihn immer nenne, ist ein gutaussehender junger Mann mit schulterlangem Haar und O-Beinen. „Jetzt sehe ich aus wie aufgehängt“, klagte Alvian, denn um mit Beatrix Tambayong aus dem Fischerdorfe Kema verheiratet werden zu können, verlor er sein langes Haar wie Samson, was aber nich der Grund für die gestörte Hochzeitsnacht war. Diese sollte auf Anweisung seiner Mutter erst stattfinden, wenn das junge Paar nach der Hochzeit in Kema auch in der „protestantischen“ Kirche in Kauditan vorgestellt worden wäre. Zum Glück gleich am nächsten Tag. Papa Kalangi mußte jedoch 1 zusätzliche Woche sublimieren. Da war Mutter Tin knallhart. Oft hat aber der Hochzeitstermin höchste Dringlichkeitsstufe wegen besonderer Umstände.

Schon die Einladungskarte zeigt, daß es hier arme Leute richtigmachen wollten. Undangan = Einladung. Die Punkte zwischen den Großbuchstaben sind typographischer Amok-Lauf umgeschulter Fischer. Kein englisches Wort im Text. Von den 4 Bibelzitaten besitzen nur 2 die genaue Bezeichnung. Identifizierbar ist aber auch in dieser Einladung Matthäus 19, 6. Ansonsten hier ebenfalls eine gewisse Vorliebe für Alttestamentarisches. 1.Buch Samuel 20, 23: „Was wir aber, ich und Du, miteinander geredet haben – siehe, da ist der Herr [Zeuge] zwischen mir und dir ewiglich.“ Zwar hat die Geschichte, die da erzählt wird, nix mit Heiraten zu tun, sondern mit Leuten, die dermaßen in Verzückung geraten, wenn der Geist Gottes über sie kommt, daß sie Tag und Nacht nackt in der Gegend rumliegen. Aber so iss das eben mit die Theologie. Hauptsache „Jesus inside“. Rennt dagegen der verrückte Hendrik nackt im Dorf herum, lacht man ihn aus.
Noch wirrer der Zusammenhang zum 2. bezeichneten Zitat aus dem 1.Buch der Chronik 17, 23: „So möge sich nun, o Herr, für alle Zeiten die Verheißung als wahr erweisen, die du deinem Knechte und seinem Hause gegeben; tue wie du geredet hast.“ Vorausgehend in 17, 21+22 heißt es: „Und wo ist eine andere Nation auf Erden wie dein Volk Israel, um derentwillen Gott hingegangen wäre, sie sich zum Volke zu erkaufen und ihr einen Namen zu machen und für sie so große und furchtbare Dinge zu tun, vor ihr ein [anderes] Volk zu vertreiben? Du aber hast dir dein Volk Israel auf ewig zum Volke bestimmt, und du, Herr, bist sein Gott geworden.“ Wo eine andere Nation iss? Na hier! Die Minahasa natürlich! Die sind auch auserwählt. Wer da wen gekauft hat, lassen wir an dieser Stelle mal unerörtert.

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