Weidekrieg

Im allgemeinen haben die Rinderbesitzer kein eigenes Weideland. Indonesische Logik. Die Brahman-Rinder werden auf abgeernteten Reisfeldern und anderen Brachflächen angepflockt. Bevor es Motor-Pflüge und künstlichen Dünger gab, wurden sie zum Pflügen benutzt, walkten den Boden durch und düngten ihn. Letzterer Effekt wird aber nur bei einer größeren Anzahl Rinder erreicht. Die nun übriggebliebenen bewirken bloß noch eins: Ärger. Sie zertrampeln nicht nur die Dämme, die die Naßreis-Felder umgeben, sie beschädigen auch junge Bäume und andere Pflanzen. Gerne ziehen sie den Pflock aus dem schlammigen Boden und machen eine Tour, wobei sie die Umgegend planieren.

Bei der Kontrolle einer neuen Grenzbepflanzung stelle ich fest, daß diese auf einer Länge von etwa 20m zum x-ten Male plattgemacht worden ist. Diesmal erwische ich das Rind in flagranti, stelle es zur Rede, zurre es ganz kurz an einem Palmstumpf fest und haue das restliche Seil in Stücke. Davon würde ich schon eine ausstellungsreife Sammlung besitzen, wenn die Eigentümer nicht jedesmal unterwürfig wie Hunde um die Rückgabe des Seils betteln würden. Auch diesmal taucht der Besitzer des Rindes auf, der aussieht wie ein südamerikanischer Indianer. Schon einmal verwarnt, hatte er behauptet, er achte immer auf die richtige Länge des Seils und einen festen Pflock. Laut Kultur-Knigge „Indonesien“ müßte man sich nun zum Palaver niederlassen und würde nach einigen Stunden zum allgemeinen Einverständnis gelangen. Im wirklichen Leben nimmt man üblicherweise den Kopf des Rinderbesitzers und stopft ihn eine Weile in den Schlamm. Ich drohe ihm aber nur so laut und wüst ich kann – verbal und mit meinem Haumesser – worauf er bleich wird und in sicherer Entfernung stehenbleibt. Auch kündige ich ihm an, sein Rind das nächste Mal zu killen. Später kommt er dann angeschlichen, entschuldigt sich und erhält seine Seilreste zurück. Worte gibt’s umsonst, ein neues Seil kostet was. Die Knoten werden ihm beim Erinnern helfen.

(unendliche Geschichte ohne Fortsetzung)

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Ein Gedanke zu „Weidekrieg

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