Vanitas

Ja, ja, ich weiβ, ALLES ist vergänglich. Sogar ich! Aba wenn es einen dann trifft, isses doch hart. Lieber 1 ordentliche Bücherverbrennung als TERMITEN, diese weitaus gefährlichsten Holzschädlinge! 7 Jahre kein Problem, doch der tägliche Regen hat sie sich stark vermehren lassen. In einem Bücher-Regal, das an 1 Auβenwand anschlieβt, haben sie sich ohne Zugangsspuren eingenistet. Bücher, die in 40 Kisten zum Äquator gereist sind, teuer verzollte Bücher über die Tropen, die mir wichtig waren, als ich in D vom Auswandern nur träumte. Hier dann kaum noch gelesen: Bronislaw Malinowski (1884-1942, in Polen geborener, britischer Anthropologe; entwickelte für die ethnologische Feldforschung die Vorgehensweise der teilnehmenden, assimilierenden Beobachtung, um 1 authentischen Einblick in Lebensgewohnheiten zu gewinnen) „Schriften 2, Geschlechtsleben der Wilden“, gebundene Ausgabe (der Einband durch-gefressen); Robert James Fletcher „Inseln der Illusion. Briefe aus der Südsee“ (Illusion für immer verloren); Janwillem van de Wetering „Sonne, Sand und coole Killer“ (Termite friβt Thriller); Friedrich-Karl Praetorius „Reisebuch für den Menschenfeind. Die Freuden der Misanthropie“ (Misanthropie kann ich selbst); „Der Tropenkoffer. Magische, fiebrige und verwegene Dschungelgeschichten“ (Dschungel hab ich auch); Helmut Hermann „Von Thailand nach Tahiti“ (Schade!); 1 Südsee-Reisebuch, von dem nur noch der Titel „SA…“ blieb (wahrscheinlich über Segeln); Michael Möbius „Von der Taiga in die Tropen“  (Schade!); Oliver Sacks „Die Insel der Farbenblinden“ (Gips hier genug, hätt ich aba trotzdem gern noch ma gelesen).
Hab die muffig riechenden, von winzigen, blassen Termiten wimmelnden Buchruinen in 1 Karton gepackt und zusammen mit Bambusresten angezündet. Als alles schön brannte, und ich gerade über die Vergänglichkeit alles Irdischen sinnierte, fiel mir ein, daβ in dem Malinowski bestimmt alte Sex-Fotos von echten Wilden sind. Ich also schnell 1 Bambusstock gegriffen und den Malinowski wieda rausgepult. Hätte mir dabei fast die Finger verbrannt. Die heiβen Seiten waren schon ringsum angekokelt, aba die Fotos hab ich.
Vielleicht iss auch die Erzählung von dem englischen Ehepaar aufgefressen, das sich irgendwo in den Tropen jeden Abend in feiner Kleidung zum Essen niederlieβ. Damals fand ich es lächerlich, jetz vasteh ich das. Die hatten das Ungeziefer, den Schimmel und das primitive Chaos einfach satt.

„Morgens, klarsichtig und mit wachem Kopf, sehe ich alles in hellem und üppigem Wachstum. Der feuchte Dschungel riecht frisch und aufregend; die Dschungelvögel hinterlassen Spuren unerträglicher Schönheit, wie in die Luft getupft; die Welt platzt auf in neue Farben und Formen, und die Menschen scheinen sich zufrieden zu geben mit dem, was die Natur ihnen bietet, und sie machen sich keine Sorgen um Knappheit, Bürokratie und ihre politische Zukunft.
Später, wenn sich die Hitze angehäuft hat und die Luftfeuchtigkeit immer schlimmer wird, wenn ich müde werde und das Fieber kommt, um mir die Sinne aus den Angeln zu heben, sehe ich die andere Seite der Tropen. Ich sehe Unrat und Verwesung, ich rieche Korruption überall, fühle, wie die blinde Kraft des Dschungels nach mir greift, um mich zu schlucken, und die Menschen erscheinen mir einfältig, erbärmlich, wie sie immer tiefer in einem verfaulenden Slum versinken.“ Ted Simon, „Jupiters Fahrt“ (in Sri Lanka)

Ein Gedanke zu „Vanitas

  1. Pingback: Unterwegs in Fettland | Flaschenpost

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