Schrei der Wilden

Eigentlich hätte ich diesen Eintrag mit „Wasserkrieg II” betiteln müssen, aber ich befürchte, daβ meine Leser dann kritisieren: „Öööh! Schon wieda?“ Auβerdem iss so 1 reisserischer Titel besser für die Einschaltquote, was ja das Wichtigste beim Bloggen iss.

Da gips also dieses Party-Haus eines Nachbarn (Bauunternehmer und Sohn von Om Jakob, meinem Kontrahenten im 1.Wasserkrieg), dem ich schon mal (unbewaffnet!) 1 Party gestürmt hab, weil er dort nachts sehr laut und lange seinen Arbeitern etwas vorgesungen hat. Die wären lieber schlafen gegangen, weil müde von ihrer schlecht oder oft auch gar nicht bezahlten Sklaven-Arbeit, aber solange der Chef noch besoffen singt, geht das natürlich nich. Jener iss mir gegenüber inzwischen gaanz vorsichtich geworden. Aber dann iss sein junger, doofer Sohn (LKW-Fahrer) mit seiner noch döferen, frisch Angeheirateten eingezogen, und die kamen auf die glorreiche Idee, 1 mannshohen Zaun aus gespaltenem Bambus um und wie 1 Kamm in den Wasserweg zu bauen, damit ihre Enten zwar baden, aba nich wechlaufen können. Normalerweise läβt man Enten und Gänse, da wo keine Reisfelder sind, frei rumlaufen, aba wenn ich Ente bei denen wäre, würde ich mich auch lieba davonmachen. Weiter oberhalb säubere ich, nach jeder von Wolkenbrüchen ausgelösten Flut, das 3-Wege-Wehr. Ich arbeite sozusagen ~1x/Woche unentgeltlich für mein Anarchisten-Dorf und bezahle auch Helfer, wenn sich mehre Kubik-Meter Steine und Sand angesammelt haben. Niemand kümmert sich sonst darum, auch nich die betroffenen Reis-Bauern, die das Wasser brauchen. Selbst wenn das Wehr sauber ist, staut sich der Müll nun am Bambuszaun, ein 10m breiter Niagara-Fall entsteht am Rande des gemauerten Kanals, das Wasser ergieβt sich in 1 Canyon und erodiert das Fundament. Bei uns kommt dann nix mehr an – was meine Fische übahaupt nich gut finden.

Nachdem meine Frau mit dem jungen Paar mehrmals ohne Erfolg gesprochen, auch der Einsatz der Blockwartin nichts gebracht hatte („Das sind Kinder! Kepala kras! Hartkopf!“), habe ich angefangen, bei jeder Reinigung des Kanals den Zaun ein biβchen zu zerlegen. Die jungen Leute haben keine Lust, sich die Hände schmutzig zu machen. „Iiih! Jijik!“ (eklig). Sie sind zwar bereit, dafür fremde Leute in den Zaun-Bereich einzulassen, aber nur wenn diese sich bei ihnen anmelden („Guten Tag, darf ich bitte ihre Arbeit erledigen?“ Zur Zeit der holländischen Besatzung hätten die Sklaven so gefragt, aber das war, als die Kinder noch keine Handphones brauchten, und die Wilden morgens nich als erstes das TV anstellten, damit es nich so still iss.). Zwar gehört ihnen das Grundstück, bzw. den Eltern, aber das Wasser benötigen alle und muβ ungehindert weiterlaufen können.

Neulich war es dann soweit. Hausfrau Cika und neue Sklavin sahen mich, der ganz offen 1 Loch in den schon morschen Zaun brach. KNACKS! Die Bedienstete kam bis auf biologische Distanz näher und fing an, mich zu beschimpfen. KNACKS! KNACKS! Ich beachtete sie ganich. Die iss so dumm und neu hier, daβ sie noch nich weiβ, was ich für 1 Wüstling bin. KNACKS! KNACKS! KNACKS! Als das Wasser wieder frei weiterlief, ging ich nach Hause. Dabei hörte ich hinter mir das hysterische Hausweib im ordinären Markt-Dialekt wie 1 Wahnsinnige in ihr Handphone keifen: RUSAK! ORANG PE PAGAR SO BEKIN RUSAK! (Kaputt! Der Mensch hat den Zaun kaputt gemacht!). Ich weiβ nich, ob so 1 Gerät solch hohe Kreisch-Töne übahaupt transportieren kann, und ob dadurch die Transistoren durchbrutzeln. Vielleicht erregte sich die ~25jährige ja deshalb so sehr, daβ sie sich sogar mehrmals in bakuku reinsteigerte. Das iss der Urschrei von Leuten, die völlig frustriert ausklinken. Derartig kreischen normalerweise die schwer Besoffenen in der Nacht. Man hat bakuku sogar bei Geldstrafe verboten, aber die Wilden sagen, Frauen aus dem Nachbardorf Watu Dambo sind liar (wild). Was analytisch ungefähr so intelligent iss, wie festzustellen, Schwedinnen seien besonders geil. Dieser jungen Frau wird übahaupt so einiges über ihren Lebenswandel nachgesagt – das übliche Marktgeschwätz. Jedenfalls hat noch niemand behauptet, daβ sie irgendwas Geistiges im Kopp hätte. Sicher iss, daβ ihre Schwester schon mal besoffen auf Anceng seinem Baumwurzel-Tisch im Freiluft-„Klön-Café“ im Lorong Jerman tanzte. Schade! Das hätte ich gern gesehen. Jetzt geht das nich mehr, weil Anceng keinen stabilen Tisch mehr anzubieten hat.
BEKIN RUSAK ORANG PE PAGAR! SENANG, ORANG PE PAGAR SO RUSAK! (Macht dir wohl Spaβ, den Zaun kaputt zu machen! Smiley mit geöffnetem Mund) KREIIIISCH!
AMBE PEDAJO KONG TORANG BAKU POTONG! (Hol dein Haumesser, wir hacken uns!) KREIIIISCH!.

„Ich lege Wert darauf, daβ du das mit deinem Handphone filmst, wenn ich mich mit Cika hacke!“ sagte ich zu meiner Frau.
„Geht aber nur 20sec lang.“
„Das reicht.“

3 Gedanken zu „Schrei der Wilden

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