Das Urteil

Auch diesmal war’s nix mit dem Nichts. An die Wand geklatscht, ausgewrungen, übergebügelt, an den Nagel gehängt – wiedergeboren. Mußte ich mich ersma wieder einsammeln.

Im Gebäude der medizinischen Fakultät der Universität Manado sitze ich in dem verschmierten Raum auf einem grob getischlerten Holzstuhl mit seitlicher Schreibplatte für Studenten und warte auf das Ergebnis der pathologischen Untersuchung. Formalingeruch aus dem offenen Labor nebenan. In keinem Raum bisher habe ich solch eine unangenehme Ausstrahlung zu spüren geglaubt – mit Ausnahme auf der Wartebank der Imigrasi in Bitung, als mein Status in der Hand völlig korrupter Beamter lag. 2m vor mir ein alter, braun angestrichener, rollbarer Schreibmaschinentisch mit Schrankfach auf einer Seite. Dadrunter Räder aus Sperrholz, die aussehen, als sei das Rad gerade erst erfunden worden. Auf der schmutzigen Kunststoffplatte 3 Behälter, unter denen sich Begleitschreiben befinden. Der größte ist ein durchsichtiger „Hello Panda“-Bonbonbehälter aus Plastik mit rotem Deckel, zu einem Viertel gefüllt mit bräunlicher Flüssigkeit. Darin liegt etwas, das eine Kröte sein könnte. Ein Tumor mit Eierstöcken. Also nicht von mir. In der wesentlich kleineren Glasflasche taucht ein Blinddarm. Kann auch nicht sein, denn meinen habe ich in Folge eines Blinddarmdurchbruchs, ausgelöst durch Nebenwirkungen eines gefährlichen Malariamittels, in D gelassen. In dem kleinsten Behälter schwimmen Fleischstücke, aber der Name des Produzenten stimmt nicht.
Nachdem meine Frau bezahlt hat, wird ein kleines Schreiben in einen Umschlag geschoben und ihr dieser zugetackert für Cardillac übergeben. Während wir auf den überdachten Wegen des Innenhofs auf den Ausgang zugehen, öffnet meine Frau den Umschlag und liest das kurze Gutachten. 5 Schritte … der Innenhof wird vom Blätterdach kräftiger, alter Büsche beschattet … 10 Schritte … ein junger Mann fegt mit einem Bambusbesen Blätter fort, so daß die Wurzeln auf dem nackten Boden sichtbar werden … 15 Schritte … sie hebt nicht den Kopf … 5 Schritte zu viel … 10 Schritte zu viel … dann bricht sie in Tränen aus.

Hatte Superman das Kryptonit besiegt? Anscheinend nicht. Das würde noch Folgen haben

 …Am Abend konnte ich die Buchstaben ganz schlecht erkennen. Mein Blick tanzte über die Zeilen. Sätze und Bedeutungen verschwammen, Gedankenwellen interferierten, und alles schien sich aufzulösen.
Allegri miserere
…Dann erschien auch die schwarze Schlange wieder, die mit den Toten in Verbindung steht.

2 Gedanken zu „Das Urteil

  1. August Kekulé (1829-1896), Mitschöpfer der Valenz-, Vollender der Strukturtheorie und Entdecker der Bedeutung des Benzolrings. Alternative Analyse und Deutung aus allgemeiner und integrativer psychologisch- psychotherapeutischer Sicht."Während meines Aufenthaltes in Gent in Belgien bewohnte ich elegante Junggesellenzimmer in der Hauptstrasse. Mein Arbeitszimmer aber lag nach einer engen Seitengasse und hatte während des Tages kein Licht. Für den Chemiker, der die Tagesstunden im Laboratorium verbringt, war dies kein Nachtheil. Da sass ich und schrieb an meinem Lehrbuch; aber es ging nicht recht; mein Geist war bei anderen Dingen. Ich drehte den Stuhl nach dem Kamin und versank in Halbschlaf. Wieder gaukelten die Atome vor meinen Augen. Kleinere Gruppen hielten sich diesmal bescheiden im Hintergrund. Mein geistiges Auge, durch wiederholte Gesichte ähnlicher Art geschärft, unterschied jetzt grössere Gebilde von mannigfacher Gestaltung. Lange Reihen, vielfach dichter zusammengefügt; Alles in Bewegung, schwarz, schlangenartig sich windend und drehend. Und siehe, was war das? Eine der Schlangen erfasste den eigenen Schwanz und höhnisch wirbelte das Gebilde vor meinen Augen. Wie durch einen Blitzstrahl erwachte ich; auch diesmal verbrachte ich den Rest der Nacht um die Consequenzen der Hypothese auszuarbeiten."

  2. Die ganze "Undercover-Geschichte" waere eine amuesante, interessante und spannende Erzeahlung, wenn da nicht der scheiss reale Hintergrund waere. Ich glaube nicht, dass irgend Etwas davon erfunden ist. Obwohl die geschilderten Zustaende mehr als haarstraeubend sind. Sowas habe ich selbst in Thailand noch nicht erlebt. Dagegen sind hier selbst kleine staatliche Kreiskrankenhaeuser Luxuskliniken. Nur die Qualitaet der Versorgung ist etwa gleich.
    Ich wuensche Dir auf jeden Fall alles Gute.
    Gruss aus Thailand

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