Die Undercover Operation (V)

Für das, was eine dt. Krankenschwester leisten muß, stehen hier 2-3 Arbeitskräfte zur Verfügung. Das Personal ist also eigentlich nicht überlastet, sondern eher wegen schlechter Bezahlung unmotiviert. Manche Schwestern arbeiten deshalb zusätzlich noch in privaten Praxen. Aber immer in Zeitlupe. Zwar bekommen die Patienten kaum Pflege – um die 3 Tropfflaschen, an denen ich hänge, muß ich mich selbst kümmern – jedoch regelmäßig Nahrung: Morgens Fisch + Reis, mittags dann Fisch + Reis, aber abends Fisch + Reis. Der Reis ist ungenießbar. Sowas kann man einem Reisbauern wie mir nicht antun. Ich bestelle also wenigstens zum Frühstück Brot und bekomme dann auch 4 sauber übereinander gestapelte, quadratische Scheiben Weißbrot, die sich nicht mal als Gummistiefeleinlagen eignen. Dazu ein Glas Wasser, dessen Rand teilweise abgesplittert ist. Als meine Frau protestiert, wird mir noch ein leerer Suppenteller und ein Löffel nachgereicht. Bei genauerer Untersuchung des Brotstapels entdecke ich zwischen der 1. und 2. und der 3. und 4. Scheibe je eine Schicht Marmelade. Mittags bekomme ich dann einen kalten, toten Fisch und ebenso kalten Reis. Dazu lauwarme Suppe und mit Nudeln dekoriertes Gemüse. Den Fisch lasse ich in Ruhe, den Reis auch. Auf dem Tablett finde ich einen Zettel mit einem moslemischen Namen. Nach einer Weile kommt die Küchenhilfe und bringt den richtigen Zettel mit meinem Namen. „Macht nichts“, sagt sie, „ist das gleiche Essen.“ Also wenigstens halal. Von mir aus könnte der Moslem auch den toten Fisch haben.

Am nächsten Tag bekomme ich zum Frühstück wieder einen Stapel Weißbrot. Diesmal befindet sich aber zwischen 1. und 2., 3. und 4. Scheibe nichts. Dafür 2 hartgekochte Eier und ein Glas Kaffee, in das wohl aus Versehen größere Mengen Zucker gefallen sind. Damit nicht noch mehr Zucker reinfällt, werden die Gläser mit Plastikdeckeln abgedeckt, die aber zu groß sind und immer wieder runterfallen. Deshalb legt man sie umgedreht drauf. So passen sie genau – allerdings dippt dann der Griff in den Kaffee. Auf dem Begleitzettel steht diesmal mein Name und: „coffe mix + roti selai + telur rebus 2 btr“. „Roti selai“??? Brot anwesend, aber wo ist die Marmelade? Dafür Suppenlöffel und Gabel. Mit der Gabel könnte ich die Eier aufspießen, aber was soll ich mit diesem immer wiederkehrenden Löffel machen??? Da kommt eine Obertensi mit Namensschild rein, die so dumm wie breit ist. Sie bedankt sich für den Kuchen, den meine Frau vom Markt in Airmadidi mitgebracht hat. Wiederholen kann letztere das aber nicht, denn der Markt ist gerade abgebrannt. Als sie die Obertensi darauf hinweist, daß Begleitzettel und Lieferung nie übereinstimmen, reagiert diese mit der Frage, wieviel Kinder meine Frau hätte.

3 Gedanken zu „Die Undercover Operation (V)

  1. Wenn ich das so lese, von jemandem der sehr gut mit Worten umgehen kann.Der auch die nötigen Prioritäten dazu gesetzt hat, das es so ist wie es ist.Der nie klagt, sondern nur Beschreibt was er erlebt und noch erleben wird.Das kann ich nach 23 Jahre Thailand recht gut nachvollziehen, wenn man darauf hinweißt daß Begleitzettel und Lieferung nie übereinstimmen und dann eine Gegenfrage gestellt bekommt, wie viel Kindern man hat.Ich hoffe es geht nicht dem Ende zu und wir weiter solche authentische Schilderungen hier bei dir Lesen können.Denn wenn es einer verdient hat dem Tod im Reisfeld zu entgehen dann bist Du das Tom.Frank  

  2. Hallo Tom,
    komm bloß heil wieder da raus!!! Und alles Gute für dich.
    Herzlichst Monré

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