Die Undercover Operation (II)

Im VIP-Bereich (nur das Beste für mich) des kranken Hauses, welches so krank ist, daß es Studienrätsel zum Seufzen bringt, ist mein reserviertes Lieblingszimmer schon besetzt. Dafür bekomme ich ein anderes gegenüber, wo es so dunkel ist, daß man nur mit Lampenlicht lesen kann. Im Sehr-wichtige-Personen-Bad liegt ein Teil einer gebrauchten Damenbinde auf der schräggestellten Oberlichtklappe. Wohl ein mißglückter Entsorgungswurf. Spiegel nicht vorhanden. Die Neonlampe über dem Bett funktioniert nicht. Das liegt aber nur am Hauptschalter. Als dies erkannt ist, zupft eine Schwester immer wieder so schnell an der Schalterschnur, daß die Lampe nicht mitkommt und nur kurz aufblitzt. KAPLONG! KAPLING! KAPLONG!

„Langsam!“ empfehle ich. Dann ist sie an.

„KEDIP-KEDAP!“ erklärt die Schwester. Das verstehe ich auf Anhieb.

Da die Renovierung des Raums gerade abgeschlossen ist, befindet sich auf fast allen waagrechten Flächen eine weiße Zementschicht. Für die Zone, die oberhalb der Reichweite der sehr kurzen Schwestern liegt, kann man sie nicht verantwortlich machen, für den Bereich zu dem sie sich bücken müßten, schon. Ich lasse mir einen Lappen geben und wische selbst. Als ich alles gesäubert habe, darf ich in ein Zimmer gegenüber umziehen, wo man den Blick auf die Bucht von Manado hätte, wenn dort nicht gerade ein traditionelles Holzhaus entstehen würde. Auch hier verlange ich gleich wieder den Lappen. Die Schwester meint aber, es sei schon gewischt. Da fahre ich mit der Hand über ein Regalbrett und halte ihr meine weißen Finger vor’s Gesicht.

„Ooooh!“ (singend vorgetragen)

Um mir Bewegung zu verschaffen, würde ich auch die anderen Zimmer noch säubern, aber den Schwestern ist das ohnehin schon peinlich. Insgesamt machen die renovierten Zimmer einen freundlichen Eindruck, und wenn ich meine Astsäge mitgebracht hätte (Merken für TUR-P4!), ließe sich die Vegetation vor meinem Fenster so stutzen, daß ich vom Bett aus, wie C.D. Friedrich im Zustand der Melancholie, den Blick über das Meer schweifen lassen könnte.

Das Türschloß der Terrassentür ist kaputt, die Tür läßt sich nicht schließen. Draußen Publikumsverkehr. Wenn die Tür offen ist, dringen Verirrte, Neugierige, Zeitungs- und Essensverkäufer bis ans Bett vor. Bis der Techniker eintrifft, schiebe ich den Sessel davor. Da die völlig überflüssigen neuen Vorhänge vor den Oberlichtern 2cm zu lang sind, klemmen sie in den Türen. Schiebt man sie zur Seite, lassen sich beide Türen nicht mehr schließen. Dann muß man springen – solange man noch kann. Daß AC-Fernsteuerung und Klingel kaputt sind, sind eher Kleinigkeiten. Das Sehr-wichtige-Personen-Bad nicht. Türschloß auch kaputt, bzw. nicht mehr vorhanden. Die Tür neigt dazu, sich plötzlich unmotiviert zu öffnen und die Moskitos, die für den Blutaustausch zwischen den Zimmern zuständig sind, in den Schlafraum zu entlassen. Von innen verschließt man die Tür mit einem verknoteten, ausgefransten Plastikband, mit dem man auch Reissäcke zunäht. Es ist genau so lang, daß man es um den grifflosen Stumpf des Duschhahns schlingen kann. Der Klositz taumelt frei auf der Schüssel. Schlaff baumelt der Griff am Spülungskasten. Auch der Klopapierhalter läßt die Nase hängen. Das Waschbecken neigt sich gleich in 2 Richtungen. Was man da draufstellt, stürzt in den Abfluß. Wenn der Hahn am gekachelten Wasserbecken etwas länger wäre, könnte er die Elefantendusche direkt füllen, aus der man mit einer ekligen Plastikkelle schöpft. So aber verteilt sich das Wasser auf dem Fußboden, was charakteristisch für indonesische Badezimmer ist. Selbst Mel Gibson weiß nicht im Film „The Year of Living Dangerously“ (Nur 1? Da hat Mel Gibson aber Glück gehabt!) nach dem Roman von C.J. Koch, wie man mit solch einem Bad umgeht. Er stützt sich erschöpft auf den Beckenrand, und dann – man ahnt schon das Entsetzliche – wäscht er sich das Gesicht im Becken. Das ist etwa solch ein Sakrileg, wie sich in einer japanischen Badewanne zu säubern. Ich selbst bin mal in Makassar in solch ein Becken reingestiegen, obwohl ich genau wußte, daß es das Reservoir für alle war, aber im Zustand der Ermattung konnte ich mir damals den semantischen Zusammenhang auch nicht anders erklären, als Mel Gibson. Sehr unwippich ist der Übelkeit erregende Güllegeruch, der aus dem Bodenabfluß steigt.

Wo das UNDERCOVER iss? Geduld! Geduld! Erst die Präliminarien! …

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