Die Undercover Operation

 

Es war einfach unfair, daß ich die Schönheit dieses Morgens der Wahrheit ausgerechnet zu dem Zeitpunkt so stark empfand, als ich zum kranken Haus aufbrechen mußte. Ich wäre lieber ewig am Tisch sitzen geblieben und hätte dem Rauschen des Wassers oder weiter virtuellen Gesängen der Schlaffindungs-Gestörten gelauscht.

Licht und Luft waren klar an diesem Morgen, kurz nach Sonnenaufgang. Die Luft aber auch so frisch, daß ich die kaputte Falttür in Davids Büslein mit dem Fuß zuhalten mußte. Die Dörfer schienen gerade zu erwachen. Läden waren noch mit Brettern verrammelt. Schulkinder begaben sich in ihren Uniformen auf den Weg: Weiß-Rot, Weiß-Blau, Weiß-Grau – die Farbfolge der Bildungslaufbahn. Am Straßenrand warteten Beamte in Batikhemden oder Khaki-Uniformen auf Transport. In der Ferne drohend der Vulkan Lokon mit seinem abgeplatteten Kegel und wüsten Flanken. Vom Gebirge her reflektierten winzige Wellblech-Dächer das Licht der Morgensonne. Je näher wir der Stadt kamen, um so stärker staute sich der Verkehr. Motorräder wuselten zwischen den Wagenreihen, 2 Kinder hinten drauf, eins zwischen Fahrer und Lenker. In Manado wirkte die Luft schon wieder so, als ob man über einem offenen Benzin-Eimer inhalliert. Frauen, die zwischen den Autoschlangen Zeitungen verkaufen, atmen den ganzen Tag nichts anderes. In der Nähe des kranken Hauses empfängt mich der schon vertraute Geruch grau schäumender Gülle aus den offenen Abwasserkanälen. Die Eingangshalle voll mit Halbtoten und deren Angehörige auf Rollbahren und Matten, die auf dem Fußboden ausgebreitet sind. Neben den labyrinthischen, überdachten Wegen, die die einzelnen Trakte des kranken Hauses verbinden, Gitter, an die sich Menschen anklammern wie im Zoo. Vor einem der zahlreichen Büros mit unklarer Funktion hocken wartend die ganz Armen, die gegen Bescheinigung ihres Bürgermeisters kostenlos behandelt werden.

In der Kabine des Kassierers läuft ein TV-Gerät, aber sonst nichts. Eine der Putzfrauen, die in Zeitlupe den weiß gefliesten Boden wischt, trommelt den Mann heraus. Nebenbei bemerke ich, daß der Musiklärm gar nicht dem Fernseher entfleucht, sondern einem nur handgroßen Gerät, dessen Besitzerin auf der Warte-Bank hockt. Es sieht aus wie ein Handphone, macht aber Lärm wie ein Radio. Anscheinend habe ich auch diese technologische Revolution verpaßt.

Wird Superman das Kryptonit besiegen? Lesen Sie weiter in der nächsten Folge …

Foto:  Yanto Dobat

Ein Gedanke zu „Die Undercover Operation

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