Improvisation

Mein Lieblings-Krankenhaus, das gröβte Ostindonesiens: Auf den Bänken hab ich schon viel Zeit verbracht, aber als VIP bekam ich bisher immer 1 (etwas kurzes) Bett. Für diese Patientin war keins mehr frei. Der „Galgen“ ist normalerweise verrostet und blutverschmiert. Im Gang zu liegen hat den Vorteil, daβ man nich so leicht vergessen wird, und eher mal jemand auf den Zustand des Tropfbeutels achtet. An der Wand ein Feuerlösch-Kasten. Doch sollte man sich vom vermeintlichen Elend nich täuschen lassen. Anders als ich würde sie sich in 1 Einzelzimmer sehr unwohl fühlen, hartes Liegen wird sie gewohnt sein. In der Aufnahme-Station findet man die Patienten sogar auf dem Fuβboden, was auch zu Hause üblich ist, nicht nur bei Moslems. Anscheinend hat jemand die Aufnahme-Gebühr bezahlt, und – vielleicht das Wichtigste – sie ist den Zauberern, Wunderheilern, Gesundbetern, Jamu-Verkäufern, Quacksalbern und Masseuren entronnen. Allerdings lauern die Popen auch im Krankenhaus wie Hyänen. Man kann von ihrem Clan umringte Sterbende beobachten, und jeder knetet an einem Körperteil herum – Massage ist ja bekanntlich immer gut – bis der Leib übersät ist mit Blutgerinseln, und sie schon blau sind, bevor sie die Löffel abgeben. Deshalb sollte man, da Schuβwaffen streng verboten sind, wenigstens 1 Kampf- oder Rasier-Messer im Nachtisch greifbar haben, falls jemand einem z.B. den Knochenbruch unbedingt massieren oder 1 Predigt halten will. Hilfreich ist auch Plastikband, mit dem Reissäcke zugenäht werden. Damit kann man den Piβbeutel am Bettrahmen befestigen. Draht, Klebeband, Multifunktions-Werkzeug um kleinere Reparaturen im Zimmer durchzuführen (Türen, Fenster), hat man ja sowieso dabei.

Hiesige Reiche, die 1 neue Niere brauchen, fahren nach China. Dort gips sowas im Sonderangebot.

Foto aus „Manado Post“ vom 31.5.2008

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