Blut und Urin

Wenn man sein lustiges Leben im kranken Haus beschreibt, iss das natürlich sehr komprimiert, und der Leser wird sich mit Recht fragen, wie man das eigentlich aushält. In Wirklichkeit zieht sich sowas, man hofft von einem Tag auf den anderen und kann sich manche Absurdität vorher gar nicht vorstellen, z.B. die Regelung mit den Blutspendern: Man ist mehr oder weniger in einem Emergency-Zustand, für die Operation werden möglicherweise Blutkonserven benötigt – also muβ man vorher 4 Bluspender besorgen, die im Stand-by-Modus im kranken Haus während der Operation anwesend zu sein haben. Zwar wird nicht deren Blut direkt benutzt, falls aber Konserven verbraucht werden, müssen die Spender für Nachschub sorgen – auch wenn sie eine andere Blutgruppe haben. Es wurde nichts gebraucht, und so konnten 1 unserer Bauarbeiter, 2 seiner Verwandten und 1 Nachbar nach der 1.Operation wieder unbeschädigt nach Hause fahren.

Vor der 2. war mein Lieblingszimmer noch nicht frei, sondern nur 1 noch lauteres, deshalb versuchten wir es in Manados protestantischem Krankenhaus. Dabei befand ich mich schon in einem stark angeschlagenen Zustand. Um nicht zu platzen, war 1 Katheter in mich hineingeschoben worden; um den Schlauch aus der Hose zu kriegen, trug ich 1 kurze, den Piβbeutel in einer dezenten Plastiktüte. Trotzdem sah ich irgendwie verkabelt aus und stand unter Drogen. Die Räumlichkeiten des evangelischen kranken Hauses waren noch kafkaesker als die des staatlichen. Hier befand sich die Sehrlautsprecher-Anlage mit christlicher Dauerberieselung im Gang. Ich hätte sie nicht lahmlegen können. So wurde mir alles zu viel, und ich wollte nur noch zurück in mein vertrautes Rattenloch, um dort in Ruhe zu sterben. Als Cecep uns in seinem feuerroten „Timor“ zurückfuhr, ein Produkt von Tommy, dem mega-kriminellen Sohn Suhartos, dachte ich gerade im chaotischen Verkehrs-Gewühl: ‚Jetzt fehlt nur noch 1 Verkehrs-Unfall.‘ Da krachte es auch schon. Eine Fahrerin hatte ohne zu kucken die Spur gewechselt und uns seitlich geschrammt. Da sowas normalerweise nicht ohne wüste Beschimpfungen und endloses Palaver abgeht, gleichzeitig AC aus- und Hitze angeht, deuchtete mir in meinem desolaten Zustande, daβ ich wohl in diesem roten Witzauto im belebten Kreisverkehr vor dem Bürgermeisteramt meinen Geist würde aufgeben müssen. Aber da der Schaden nicht groβ war, verzichtete Cecep einfach auf Ersatz und fuhr uns schnell zurück ins Rattenloch.

Dort wechselte meine Frau den Katheter – wir machen viel selbst – irgendwas ging dabei schief, und ich bekam das Gefühl, als ob Ratten meine Eingeweide fraβen. Nun ja – heute, nachdem ich schon fast 2 Jahre symptomfrei bin, sind das alles nur noch Bytes. Zwar beult sich mal hier was und auch da, unser verwandter Chefchirurg schnippelt ab und zu an mir rum, aber jeden Morgen geht die Sonne auf, und es ist immer warm. Der entscheidende, eher zufällige Grund dafür, daβ ich unter diesen Verhältnissen immer noch am Leben bin, ist jedoch, daβ ich in meiner Frau eine sehr gute Krankenschwester habe.

2 Gedanken zu „Blut und Urin

  1. Eine gute Frau, ist wie ein guter Katheter, verdeckt in einer Disigner – Tasche am warmen Leben teilzunehmen.
    Auch wenn das Leben manchmal ( immer )  kalt ist, haben wir  sehr sehr gute Ehefrauen !
    Frank & Ehefrau
     

  2. Das iss 1 sehr eigenwillige Definition 1 „guten Frau”. Meine Frau iss zwar nich damit einverstanden, daβ sie alles ableiten soll, hat aber herzlich gelacht.

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