Survival

Hatte ich alles zusammen für dieses kafkaeske Krankenhaus? Survival-Set (ohne Fischhaken und Baumsäge), Mückenschutz-Gerät, Kabelzange, Laken? Universalmesser hat man ja sowieso dabei. Snakebite-Kit brauchte ich nich. Schlangen halten es dort nich aus. Mit dem Survival-Set hab ich mir schon mal in einem bremer Krankenhaus erfolgreich die Nase nachoperiert. Nachts, nachdem die Nacht-Schwester mit ihrem Kontrollgang durch war. Der Professor schien am nächsten Tag echt entsetzt. Aber Mitdenken iss nie verkehrt. Wichtich ist die Kabelzange! Genau über den Betten befindet sich nämlich ein Deckensehrlautsprecher, aus dem manchmal christliche Botschaften auf mich herniederschallen, oder auch: „Essen Sie bitte jetzt, damit das Küchenpersonal fertigwerden kann!“ Dabei kann man dort gar nix essen, ohne Schaden an Leib und Seele zu nehmen. Die Wilden leben zwar wie die Schweine, legen aber sehr viel Wert auf flächendeckende akustische Versorgung. Nach meiner 2. indonesischen Operation habe ich – wiederum nachts – auf dem Bett rumgeturnt und den Deckensehrlautsprecher ausgebaut. Aber die Kabel waren so unindonesisch dick, daß ich sie in meinem geschwächten Zustande nicht abreißen konnte. Deshalb diesmal die Kabelzange. Laken unbedingt! Falls ich wieder nachts in meinem Blut liege, und der Pfleger keinen Schlüssel für die Wäschekammer hat. In der folgenden Nacht, als erneut das Blut aus mir quoll, bin ich deshalb gleich zum Badezimmer gewankt, um dort mit einer Spritze, die ich extra dafür aufbewahrt hatte, den verstopften Katheter freizusaugen. Ging auch ganz gut. Erschwerend war nur, daß ich dabei noch aufpassen mußte, daß die schneeweißen Schwestern, die sich ratlos und aufgeregt um mich völlig nackten Mann herumballten, nicht ohnmächtig wurden. Als ich das gleiche in der nächsten Nacht choreographierte, kam aber ein neuer Pfleger zufällig rein, denn ich hatte nach diesem sinnlosen Personal gar nicht erst geklingelt. Der fing an mich zu beschimpfen und nahm mir meine überlebenswichtige Spritze weg: Ich hätte den gefliesten Fußboden mit einer Blutspur versaut, er müsse das wieder saubermachen, und die Spritze sei nicht steril! Was ja in solch einem kranken Haus wirklich ein blöder Witz iss! Da wurde ich richtich sauer! Man iss ja leicht launisch, wenn man stirbt – obwohl Verbluten 1 sehr angenehme Todesart iss. Man fängt bloβ doll an zu frieren. Hab den Mann – für die ganze Station hörbar – ogginol indonesisch niedergebrüllt (darin hab ich schon Übung), mit allem beworfen, was gerade in Reichweite war, mich noch per Handphone (benutze ich nur für letzte Worte) von meiner Frau verabschiedet und bin dann ein bißchen ohnmächtig geworden. Aber schließlich hat mich unser verwandter Chefchirurg gerettet (Nich das erste Mal!), und so konnte ich noch die 3. indonesische Operation bloggen. Vorher und nachher.

3 Gedanken zu „Survival

  1. Wieder einmal herrrrlisch!!! habe köstlich gelacht. So ist jetzt jeder im Bilde, der in Indonesien ins Krankenhaus muss. Zum Glück musste ich hier in China noch nicht. Und was dazu gelernt: wenn schon verbluten, dann aber bitte vorher warme Klamotten anziehen, dann friert man nicht so dabei.

  2. Pingback: Schnippeln für Anfänger « Flaschenpost

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