Wilder Südosten

 

 Life is like a movie. It is like an unfolding story that we read and interpret, while identifying with the stars and immersing ourselves in the drama. When we start to notice this, life becomes lighter. The monotony fades and the magic begins. For when we turn our attention to our bodies, feelings, perceptions, impulses, and consciousness, we find that we are woven of the quixotic threads of ongoing stories. For only such a self can create and be created. A fixed, intractable one is as good as dead. (Stephan Batchelor)

„High Noon“ von Fred Zinnemann erzählt eine zeitlose Geschichte: Ob man rausgeht und seine Existenz riskiert oder sich hinter der Gardine versteckt. Meine Frau litt sehr darunter, daβ ich nicht anders konnte, als rauszugehen. Nur die Fertigstellung unseres neuen Hauses und der Umzug in die weitgehend idyllische Situation unserer Reisfelder, bewahrte Teksi schlieβlich davor, von mir mehr oder weniger beschädigt zu werden. Teksi, ein Böser wie aus dem Italo-Western, ist nüchtern zwar etwas laut, aber durchaus sympathisch. Wir grüβen uns freundlich. Im Suff verändert er sich auf erschreckende Weise. Dann zieht er sein Hemd aus und geht mitten auf der Straβe, gefolgt von seiner aufgefächerten Bande. Er rühmt sich, daß die ganze Region vor ihm Angst habe. Dabei sind seine Kämpfe selten erfolgreich. Er wurde sogar aus Notwehr niedergestochen, und die friedlichen Bürger hofften, daβ damit das Thema erledigt sein würde. Aber er überlebte auch das und galt danach als noch gröβerer Held in seiner Bande, mit der er nachts Autos stoppte und abkassierte. Meine indonesischen Mitbürger, sofern sie nachts nicht selber randalieren, sind exakt so mutig wie die in „12:00 mittags“ (große Klappe, aber abwesend, wenn es kracht), und die überforderte Polizei konnte man zu jener Zeit vergessen. Also blieb nur ich als Regulator. Nach dem 1. Zwischenfall entschuldigten sich Teksi und seine Kumpane bei uns mündlich, nach dem 2. wurde ein amtliches Schuldbekenntnis mit Unterlassungs-Erklärung aufgesetzt, das Teksi und Abe (ein tätowierter Klops mit blond gefärbten Haaren, der zwischenzeitlich wegen Einbruchs gesucht wurde) unterschrieben. Nach dem 3. Mal übergaben wir dieses Schreiben zusammen mit einer Anzeige der Polizei.

Sitzung mit Teksi im Polizei-Hühnerstall: Um uns herum weitere Vernehmungen und Schreibmaschinen-Geklapper. Was für ein dürftiges Kerlchen, dieser Teksi – nun wieder mit Sonntags-Gesicht und sehr nervös. Nachts eine trunkene Bestie. Der Polizeioffizier vermittelt sehr pädagogisch, aber auch deutlich (Wenn der Deutsche zuschlägt!) – bis Teksi eigenhändig ein Schuldbekenntnis voller Fehler für uns schreibt (das 2., aber diesmal vor der Polizei). Demnach soll er u.a. zukünftig verschwinden, wenn ich ihn dazu auffordere. Dann war wieder Friede – bis zum nächsten Suff. Aber so ist das hier. Es muß erst Blut fließen, dann sitzt einer sehr schnell im kandang (eigentlich Stall). In Kema bekam so ein Suffkopp nur eine Ohrfeige, knallte mit dem Kopf auf die Straße und war Tage später tot. Peinlich! Deshalb riet mir der Polizist, meine Eisenstange lieber nicht zu benutzen.

In der darauf folgenden Nacht ermahnte Teksi seine Kumpane, als sie im Vorbeigehen an unserem Haus wieder Randale machen wollten. Lohnt sich doch, etwas Mut zu haben. Der Terror verringert sich nicht, wenn man ihn hinter der Gardine auszusitzen versucht.

Kürzlich griff Teksi einen Polizisten an und wurde von diesem niedergeschlagen. Danach versuchte er die Wache zu stürmen, ging wieder zu Boden und wurde mit einem Eimer Wasser erfrischt. Wie im Film. Auch Abe, dem wir 1 Woche Gefängnis verschafften, weil er mit seinem Messer rumgefuchtelt hatte, dessen kriminelle Karriere am flächendeckenden Zuwachs seiner Tätowierungen ablesbar war, soll wieder nachtaktiv sein.

Ein Gedanke zu „Wilder Südosten

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