Unabhängigkeitsbock

unabhaengig

„Das Ziegenfleisch war zäh wie Leder. Ich konnte es einfach nicht essen. Mir wurde übel, und ich mußte mit dem Essen aufhören. Nachher hatte ich eine sehr schlechte Nacht. Ein schrecklicher Alpdruck quälte mich. Jedesmal, wenn ich gerade eingeschlafen war, kam es mir vor, als meckerte eine lebende Ziege in mir.“
Mahatma Gandhi

Genau am indonesischen Unabhängigkeits-Tag, dem 17. August, geboren. Kaum hatte der tagelange Regen aufgehört – mit nur 26˚ so lausich kalt, daß man sich was anziehen mußte – war es soweit. Und wieder kam ich zu spät, weil diese Ziege, anders als ihre Mutter, kein auffälliges Geschrei bei der Geburt macht. So fand ich das Böckchen voller Dreck und Schleim einsam unter dem neuen Fütterungs-Häuschen liegen. Die Mutter ein ganzes Stück entfernt verwirrt rummuckend. Da hab ich den Kleinen ersma gesäubert und dann zur Mutter gebracht. Erst so fing sie an, ihn weiter abzulecken und dabei die typischen Geräusche von sich zu geben. Inzwischen isse von ihrer Mutta-Rolle so absorbiert, daß sie sich kaum auf’s Fressen konzentrieren kann. Auch bei ihrer ersten Geburt kam ich zu spät, konnte dann aber das zweite Junge auffangen. Diesmal nur eins. So ganz unproblematisch selbstständig verlaufen Geburten in Gefangenschaft eben doch nicht. Am nächsten Tag war der Kleine schon sehr munter und wirkt als Einzelkind auch sehr kräftig. Oben auf dem Kopf 1 weiße Locke und nur 1 weißer Fleck an seinem rechten Ohr. Das müßte ich eigentlich bügeln, weil da eine heftige Falte drin iss. An den Oberschenkeln geht das sonst schwarze, samtene Fell ins Rotbraun. Sooo niedlich!

2Fleck

Pustelschwein und Hammerhuhn

Bali-Mythos

„Tabanan: 82-year-old grandmother hanged herself.” The Bali Times

Außer den verschiedenen Erscheinungen wahnhaften Verhaltens, wie Geldgier, Telefonitis, IT-Sucht und Schönheitswahn, wollnwa uns heute unta dem Thema „Warum soll man sich nich selbst ruinieren?“ mit dem Balinismus beschäftigen. Unta Balinismus vasteht man die schräge Perspektive auf jene einmalige Insel Indonesiens, die wie in Melvilles „Taipi“ als einziger Ort der Erfüllung aller Sehnsüchte angesehn wird. Warum hat sich die gesamte Welt darauf geeinigt, das kleine, übervölkerte Bali als Sitz des irdischen Paradieses anzusehen, so daß sich jährlich mehr als 1,6Millionen Touristen auf die Insel stürzen?
Latürnich war es 1 Deutscher, der damit angefangen hat. Vorher galt Bali als nich beherrschbar, die Balinesen als wild. Zwar gelang es einem holländischen Missionar 1868 einen einzigen Balinesen zu bekehren, der jedoch dessen Nachfolger umbrachte. Damit war das Thema ersma erledigt, und die Balinesen konnten weiter erfolgreich in Schweine-Zucht und Sklavenhandel tätich sein. Letztere verkauften sie aus den eigenen Reihen an die Holländer. Doch als jene dann genügend Balinesen massakriert hatten, erfand der Maler und Musiker Walter Spies den berühmten Affentanz für den Film „Insel der Dämonen“ (1932), der in 2010 von den 54410 deutschen Touristen gern und als typisch balinesisch angesehn wurde. Ein Vorteil des Tourismus auf Bali iss auch, daß man sich das Kennenlernen anderer Länder erspart, wenn man dort zum Bleistift gröhlende Horden Australier oder die alle Vorurteile gegen sie bestätigenden Russen erlebt. Da die Massen an ausländischen Touristen auch mit Drogen versorgt sein wollen, iss Bali zum Treffpunkt internationaler Obskuranten geworden („nightspot war in Legian“), und es kommt immer wieder zu spektakulären Verhaftungen und Prozessen gegen Ausländer. Radikale Moslems sind von all dem weniga begeistert. Deshalb atomisierten sie in 2002 und 2005 insgesamt 228 Touristen und Einheimische.
„Het lachende Bali“ und „het laatste paradijs“ war schon wegen des feudalistischen Kasten-Systems bis 1965 eine Hochburg der Kommunisten, die jedem Land versprachen, der Mitglied der Partei wurde (So machen die Parteien und Sekten das noch heute!). Nach dem Bodenreform-Gesetz von 1960 durfte jeder nur noch max. 7,5ha Naßreisfeld besitzen. Land durfte nicht veräußert werden, wenn dadurch nur eine Restfläche kleiner als 2ha verblieb. Diese Reglung wurde niemals befolgt, und es kam durch Vererbung und Zersiedlung zu einer weiteren Aufsplitterung der bewirtschafteten Flächen. Die Schicht der armen, oft landlosen Bauern mit einer Lebenserwartung von 48 Jahren wächst ständig. Dabei spielt auch die Wettleidenschaft der Balinesen bei (eigentlich verbotenen) Hahnen-Kämpfen eine zusätzlich destabilisierende Rolle. Wer kein Land besitzt und einer der unteren Kasten angehört, wird sozial benachteiligt, ohne das direkt zu zeigen. „Die physiognomische Armut, Heruntergekommenheit und der Schmutz in Kastala sind weniger eine Folge von Armut als vielmehr eine Folge der Gewohnheit.“ (Dr. rer. pol. Inge Bundschu, 1985).
In der Literatur stößt man auf die sonderbarsten Aussagen über die Vorteile Balis, etwa, daß es dort keine Malaria gäbe. Stattdessen hat man sich u.a. auf Rabies, Gastroenteritis und Motorrad-Unfälle spezialisiert. Und in ungeklärten Abwässern badet und taucht der Tourist sowieso überall in Indonesien oder läßt sich am Strand von Masseusen bearbeiten, die sich nich die Hände waschen. „Kennt man Balinesen näher, so wird man feststellen, daß viele sich ihre Freunde nach dem Gesichtspunkt aussuchen, ob der Betreffende in Zeiten der Not möglicherweise von Nutzen sein kann.“ (Inge Bundschu).
Die Mitte Balis wird von 2 gefährlich aktiven Vulkanen beherrscht, deren Umgebung zwar sehr fruchtbar, aber oft auch steil, zerfurcht und unzugänglich ist. Der Nordwesten und Nordosten sind Kümmergebiete mit extremer Trockenheit und unfruchtbaren Böden. Die Halbinsel Nusa Dua im Süden, die aus wasserdurchlässigem Kalk besteht, ist zum Touristengebiet ausgebaut, ohne Rücksicht auf den akuten Wassermangel. Zentrales Problem ist die Überbevölkerung (3,9Millionen in 2010) mit bis zu 1000 Einwohnern/km² in den wenigen fruchtbaren Gebieten (durchschnittlich 749/km², auf Sulawesi 92/km²). Wegen des Bevölkerungsdrucks (2,15% Zuwachs jährlich) besonders in Westbali ist Sulawesi zum Hauptauswanderungs-Ziel geworden. Die Insel selbst könnte nur etwa 1,5Millionen versorgen. Nicht nur die durch Vulkanausbrüche verwüsteten Gebiete mit Tausenden von Todesopfern, auch die fortschreitende Überbauung mit Hotels führte zu einem Landhunger, der nicht mehr befriedigt werden kann, und zum Baustopp für Tourismus-Objekte. Die Zeitungen sind voll mit Angeboten leerstehender Villen. 1981 waren 73% der 5 Jahre vorher gewährten staatlichen Agrar-Kredite nicht getilgt. Im privaten informellen Sektor werden auch auf Bali 10-50% Wucherzinsen per MONAT verlangt. Werden Pächter vor die Tür gesetzt, kann das genauso zu Haß-Eruptionen führen wie auf Sulawesi („Man, 32, was stabbed over unpaid debt.“).
Der bedeutendste Faktor für das ausgeprägte Gemeinschafts-Gefühl der Balinesen ist der Hinduismus, der sich jedoch stark von seiner orthodoxen Form unterscheidet. Männer der obersten Kaste dürfen bis zu 4 Frauen haben, die überhaupt nicht erbberechtigt sind. Das Harmonie-Bedürfnis mit der beseelten Umwelt führt u.a. zu funktionierenden subak-Gemeinschaften all der Bauern, die über denselben Hauptkanal Wasser erhalten. Etwas, was hier nicht mehr funktioniert. Auch sind diese Kanäle nach meiner Beobachtung im Bereich Ubud frei von Müll. Wirtschafts-Gruppen erfüllen auf Bali eher ihren Zweck, und dienen nicht wie auf Sulawesi dem Subventions-Betrug. Generell ist aber die staatliche Verwaltung so chaotisch-koordinationslos und korrupt wie im restlichen Indonesien. So wissen zwar die Katasterämter oft nicht, wem die Grundstücke gehören, auf höherer Ebene werden darüber jedoch konkrete Aussagen gemacht, die offensichtlich auf Schätzungen beruhen. Die korrupte Polizei jagt Ausländer besonders gern.
So gesehen, ist Bali nur eine weitere Problemzone, jedoch wesentlich schöner verpackt als der Rest Indonesiens. Außerdem gibt es dort keine Pustelschweine und Hammer-Hühner. Ich hab zwar weder das eine noch andere bisher getroffen, brauch auch kein Hammer-Huhn, weil ich mir alle Gewichtsklassen von Hämmern aus D mitgebracht hab – aba immahin!

drecklokal

http://www.youtube.com/watch?v=8fTC5tV3Wnc
http://www.youtube.com/watch?v=kq5Si3oSdkg
http://www.youtube.com/watch?v=SfmvG6KLDIw

Ich bin schon mehrmals auf Bali gewesen, ohne solch ekelhafte Szenen wie in den Videos mitbekommen zu haben. Das liegt daran, daß jene Art von Amusement nicht meinem Lebensstil entspricht. Es läßt sich jedoch nicht verdrängen, daß dies heutzutage Balis Dämonen sind, und deshalb fahr ich nicht mehr hin.