In der Hölle

mall

„Eh‘ das Äußerste erreicht ist, kehrt sich nichts ins Gegenteil.“ Liä Dsi

Während der Nachspann von „Mall” (2014) läuft, einem interessanten Film mit unangenehmer Musik, der verwirrte Personen unterschiedlichen Alters in latenter und offener Bestialität vorführt, und von einem jungen Burschen unter Drogen in einem Gang durch die cineastisch-manirierte urbane Hölle handelt, der sich selbst – dabei eigentlich dem bürgerlichen Voyeur – die Langeweile auszutreiben und seinem Leben Sinn zu geben versucht, erzählt meine Frau von der Beerdigung, von der sie gerade gekommen ist. Dort saß Lena, ihre 79jährige Cousine, die nur noch 1 Zahn besitzt, am offenen Sarg einer ihrer Schwiegertöchter und heulte. Lena ist eine der ersten Betrügerinnen, die ich hier kennenlernte. Ich erinnere mich, wie sie uns zum ersten Mal die Stelle zeigte, auf der ich jetzt sitze und schreibe. Weil wir noch in D lebten, verwaltete sie unsere Reisfelder, sammelte den Ertrag auf einem Sparkonto und berichtete sorgfältig per Brief darüber. Als wir dann in Indonesien ankamen, war das Sparbuch verschwunden.
Lena heult am Sarg.
Nach einer Weile fragt sie:
„Wer ist denn eigentlich gestorben?“
Danach zieht sie ihren Rock hoch und läßt ihre Windel sichtbar werden.
Während gerade der Nachspann des Films endet, von dem ich nich sagen kann, ob er die Fassadenhaftigkeit modernen Lebens bloßstellt, oder sie nur als Unterhaltung konstruiert, ob man sich dem Bösen wirklich aussetzen muß, um es zu begreifen und zu überwinden, oder ob man stattdessen von vornherein positive Arbeit leisten könnte, indem man nich teilnimmt sondern sich vom Getriebe der Welt isoliert, fragt meine Frau:
„Was ist eigentlich der Sinn dieses Films?“
„Da muß man den „Steppenwolf“ von Hermann Hesse gelesen haben, auf den er mehrfach anspielt. Kultur iss alles!“ antworte ich.
„Wovon handelt den ‚Der Steppenwolf‘?“
„Hab ich vagessen.“
1971 schenkte ich das Buch meiner Mutter zum Geburtstag. Sie war jedoch nich begeistert.
„Wo ist denn Hertin [die Tote]“, fragt Lena 6 Tage später während der 2.Totenfeier, „den ganzen Morgen habe ich sie schon nicht gesehen.“

Sieht verboten aus

T4-Touristen

„Believing his rival had turned into a black dog, President Francois Duvalier ordered all black dogs in Haiti hunted and killed.” „Tropico 5”

Ein Spiel wie „Tropico 4“ mit einer Infrastruktur wie bei den „Sims“ – nur nich so doof – das wäre perfekt. Ließe sich doch damit eine Situation wie im Minahasa-Land nahezu perfekt simulieren. Wobei man sich fragen mag, warum man das tun sollte, da die Wirklichkeit doch ekelhaft genuch iss. „Kim Jong II had a town called Kijong-Dong built right in the Demilitarized Zone between North and South Korea and had a small crew work around the clock to preserve the illusion that people actually live there – as a farce to try to trick South Koreans into defecting.”
Stattdessen nun „Tropico 5“, das man sich sparen kann. Ein rätselhaft dunkler Glow-Filter überzieht die nun partiell vernebelte Karte mit einer Soße, in der man die Neger nich mehr wiederfindet. Die Bewohner sind zu Zombies mutiert, die sich jetzt alle hektisch gleich bewegen und nur noch durch ihre Kleidung unterschieden sind. In der kurzen, neuen kolonialen Anfangs-Phase hetzen die Karrenzieher so schnell wie Autos über die Straßen. Auch hat man die Gestaltungs-Elemente gestrichen, mit denen man die Siedlungen behübschen konnte. Stattdessen quietschbunte Kindergarten-Optik mit einer Baudichte, die eine appgedätete Feuerwehr benötigte, doch deren Aufgaben werden jetzt von der Polizei erledigt.
„In Zaire, the evening news was always preceded with an image of autocratic ruler Mobuto Sese Seko, smiling through the clouds and looking down from the heavens. He also forbade the newscasters to mention anybody but him by name.” Die politischen Überzeugungen der Wahlkandidaten drehen sich piktogrammhaft als riesige Bretter über ihren Köpfen und schieben sich ebenso magisch durch alle Gebäudewände wie die Fischerboote durch den neuen, hübschen Leuchtturm. Schön ist auch, wie sich die Wellen nun auf die Küste wälzen. Neu sind Nonnen, die sich zügig ins Casino bewegen. Man kann ihnen jedoch nich mehr, wie in T4 den Bischöfen, nachweisen, daß sie auch drin sind. Gläubige sammeln sich dafür VOR der Kirche. Klickt man drauf, erhebt sich ein gelblicher Nebel auf der Grundstücks-Grenze – vermutlich der heilige Geist – und alle rennen hinein. Dazu wird ein Glockenton geliefert. Das Enttäuschendste iss jedoch, daß Screenshots und Fußgängerperspektive abgeschafft wurden, und man nich mehr in die Detail-Ansicht zoomen kann. Tropico 5 fails to meaningfully move the series forward.”
Nach wie vor werden die politischen Strukturen von Entwicklungsländern sehr anschaulich, und man wird auch gegen seinen besten Willen gezwungen, an der allgemeinen Korruption teilzunehmen. Kein Wunder also, daß T5 im Witz-Staat Thailand verboten wurde. Kommentar: „In Thailand, people loves to see TV Series about rape and stuff.”
Die gute Nachricht: Gekräckte „Steam“-Spiele lassen sich inzwischen noch leichter installieren, als früher mit einem „Daemon“-Tool. Womit der Abschaffung dieser überflüssigen Idee „Steam“ nichts mehr im Wege steht. „I thought that Thailand pirated all of their game anyway.”

Höhlen-Elefanten

Hoehlenelefant

Da hat doch der „Spiegel“ wieda was entdeckt, was schon 50 Jahre bekannt iss. Und zwar sollen die Wandmalereien in den Höhlen von Maros auf Südsulawesi so alt sein, wie die in Europa. Und Wu meinte, da wär auch n Anoa (Zwergbüffel) zu sehn. Es sollte aba dann doch ein Babirusa („Hirscheber“) sein. Die Fotos zeigen nix davon, hauptsächlich Hände. Ich mein, iss das alles? Ich war ma da auf der Durchreise, jedoch so zufällich, daß ich nich in die Höhlen reinwollte. Wenn man seine Reisen selbst organisiert und sich auf schräge Führer verläßt, iss das imma ein Wagnis. Wu meint, ich wäre doch ganz schön glücklich, da ich eine der ältesten Künschte der Menschheit beherrsche. Aba ich denke, wenn die Leute schon so lange malen, es denn auch irgendwie genuch iss, und ich lieba ma n bißken Reis anbaue. Und Hände malen iss ja auch nich der letzte Schrei. Außadem iss das Interessanteste doch die Geschichte mit den sulawesischen Höhlen-Elefanten. Die ham nämlich früher, bevor die Wilden sie alle auffraßen, in den Höhlen gelebt. Und latürnich wird son Elefant dabei imma größa. Erst gehn se noch rein, aba dann nich mehr raus. So mußten se von den Nachwuchs-Elefanten gefüttert wern. Solange noch welche da warn. Das wa wie mit der umgekehrten Alters-Pyramide in D. Draußen wurden die kleinen Nachwuchs-Elefanten nach und nach von den Wilden aufgefressen, so daß die Höhlen-Elefanten keine Rente mehr bekamen. Und dadurch sindse ausgestorben. Wasn Schicksal!

Sehr geehrter Höhlen-Elefant,
dieser Bescheid ergeht aufgrund des Widaspruchs vom 5.9.2013. Mit dem Widaspruch ham Se der Bewilligung einer Regelaltasrente ab dem Rentenbeginn widasprochen und die Aufhebung des Bescheids begehrt. Der Rentenbescheid vom 12.7.2013 wird ab seinem Beginn aufgehoben. Dem Widaspruch ist damit voll abgeholfen worden. Ein Rechtsbehelf gegen diesen Bescheid ist nur zulässig, soweit er sich gegen die Ausführung der Abhilfe richtet. Die Ihnen durch das Widaspruchsverfahren entstandenen Aufwendungen werden nich erstattet, weil die Gründe für die Abhilfe des Widaspruchs erst mit dem Widaspruch bekannt geworden sind. Gegen diesen Bescheid können Se innerhalb von 3 Monaten nach seina Bekanntgabe schriftlich Widaspruch erhebn.

Mit freundlichen Grüßn
Ihre Deutsche Rentenvasicherung

Ein Elefant übt auf der Flöte,
er sah es ganz genau,
doch als er nochmals hinsah,
war’s ein Brief von seiner Frau.
Er sprach: „Des Lebens Bitternis
macht mir das Dasein grau.“

Lewis Carroll, „Sylvie und Bruno