Heut iss Ostern?

Ostern-in-Tropico

„Hast du schon gemerkt, dass heute Ostern ist ? Also Oster Gruss
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Nee, hab ich nich, mit mir redet ja keina. Denn muß das wohl die Ostakuh gewesen sein, der ich heut das Seil in Stücke hackte. Aba das erklärt latürnich, wieso das Internet nich funkt. Liegen wascheinlich lauter Eier aufer Leitung. Wie ich vorhin diese Eierschale für das Foto holte, wetzte vor mir ein kleiner Waran unta den Reis-Speicher, der sich gerade n paar Küken schnappen wollte. Da kommt Hoffnung auf. Anscheinend sindse doch noch nich alle aufgefressen. Dagegen iss Jesus so kalt wie meine Küche (Na ja, 31˚!), und daß die Christen dafür geschröpft wern, vonner Polente vor den radikalen Moslems beschützt zu wern – soll ich mich darüba aufregen? Solln die Beamten etwa umsonst für diesen Oster-Zirkus Übastunden machen? Wär es nich wundabar, wenn die Kinda unbeeinflußt von dem Scheiß aufwachsen und ein freies Denken entwickeln könnten.

Rationierung

Ration

„Ich hatte gehungert bis zum Zusammenbruch meines Körpers und bis zur Entleerung meines Gehirns … Das Fasten war zu Beginn mühevoll und zermürbend. Es war für mich eine Aufgabe. Ich wollte sie lösen … Ich wußte, daß jede Mühe recht war, um wieder einmal vor mir selbst zu stehen! … Keiner kennt, was er da eigentlich vermißt, aber es erfüllt einen Menschen, darunter zu leiden, daß er, was er sich ausgedacht hat, nicht finden kann.“ Maria Erlenberger, „Der Hunger nach Wahnsinn“ (1977)

„Lust am Essen“? Nee, liebe Wu, ganz falsch! Das endet meist bei einer sehr unlustigen Figur oder den „Anonymen Marzipanikern“. So gesehen iss mein Nahrungsmangel ganich verkehrt. Milch alle, Brot auch. Letztere strahlend weiße Pampe kann man eigentlich nich als Brot bezeichnen. Richtiges Brot gips hier nich. Früchte wachsen auf zum Teil unangenehm hohen Bäumen und sind nich jederzeit reif. Etwas, was schon von Gauguin übasehen wurde. Reis iss noch genuch da, mag ich aba nich mehr. Der wird hier schön weiß rasiert, bis alles Wertvolle die Schweine kriegen, und dann kocht er matschich auf. Die Teiche sind voll mit Barschen, die schon anfangen zu stinken, wenn man sie nur rausangelt. Ich verschenke sie imma. Will man sie greifen, stechen sie einem mit ihren Rückenflossen rücksichtslos in die Hand. Bessa kann es ganich kommen. Wenn mir nix schmeckt, was ich koche, fällt das Fasten leicht. Bleiben nur noch Instant-Zwergen-Portionen (60g): „Just add hot water! Eat & go!“ SO muß das sein. Bloß – wohin? Diese Müll-Suppen twittern sogar und zeigen ihre Nudel im Gesichts-Buch.

Twittersuppe

16.Tag

Ration2

Lat 1˚23‘ N. Long 125˚3‘ E.
Keine Hausfrau in Sicht. Neben bereits erkennbarem Gewichts-Verlust weitere Auswirkungen der Mangel-Ernährung: Beim Wiederlesen von Maria Erlenbergers Bericht „Der Hunger nach Wahnsinn“ (1977) aus aktuellem Anlaß, die sich von 55kg bis auf 32 runtergefastet hatte, bevor sie im Irrenhaus landete, fängt es in den Augen an zu flimmern. Kleine, zitternde Sternchen, wie die Teichspiegelungen an den Decken, flackern vor den Buchstaben und machen Lesen unmöglich. Schon morgens, als ich auf dem Dach rumklettere, um die Ketapang-Blätter aus den Kielen zu entfernen, fühle ich mich sehr schwach, während mein Schweiß in Strömen läuft. „Über die ärgsten und eingefleischtesten Sorgen zu lachen, heißt wissen, daß Sorgen nur aufgetürmte Haltegriffe im Leben sind. Leicht kann man sich an ihnen festhalten und sich beklagen, wenn die Hürden zu groß werden, man hat sie sich ja selbst aufgebaut. Diese Hürden zu überspringen, dauernd, andauernd, gibt Sinn im Leben. Und mit einem sinnvollen Leben kann man kämpfen, wenn es scheinbar so sinnlos anmutet. Zwischen Sinn und sinnlos schmeißt sich der Mensch hin und her, ein Leben lang. In der Zwangsjacke der Freiwilligkeit.“
Ich könnte zum säuischen Markt gehen, wo man in grauer Gülle watet, um mir Tomaten, Äpfel und Zitronen zu besorgen, aba das gibt imma 1 mittleren Volksaufstand. Alle quatschen mich an, behaupten, mit mir verwandt zu sein und wollen Geld. Ich könnte auch im Supermarkt an der Dorf-Kreuzung einkaufen. Immerhin gips jetz einen, dessen Angebot jedoch davon abhängt, welche Schiffe wann reinkommen. Nich alles zu jeder Jahreszeit vorhanden. Das meiste billigster Schrott in winzigen Portionen. 2 Milch-Kartönchen würden vielleicht gerade ein kleines Glas füllen. Obst unappetitlich, Saft nur in Glasflaschen. Früher hab ich sie zerschlagen und in den Fundamenten einbetoniert. Jetz vergrab ich die Scherben und meide Glas-Behälter. Gegen Skorbut hab ich noch Orangen-Pulver, das meinen Magen übersäuert. James Cook zwang seinen Matrosen Sauerkraut auf. Die 19 von den Meuterern auf der „Bounty“ am 24.April 1780 ausgesetzten Seeleute segelten unter der Leitung des extrem autoritären Kapitäns Bligh 4000 Meilen im offenen 12 Personen-Boot und landeten am 14. Juni auf der Insel Timor. Mittags verteilte Bligh 1 Bissen Schiffszwieback und 1 Glas Wein. Am nächsten Morgen 1 Bissen Brot und 1 Löffel Rum. So setzte sich das fort – abgesehen von seltenen Fängen und Funden – mit 28g Schweinefleisch, 2 Bananen und ½ Glas Wein, oder 1 Banane und 1 Schluck Grog, oder 28g Schweinefleisch, ¼ einer Brotfrucht und etwas Wasser, oder 1 Kokosnuß und 1 Brotfrucht, oder 28g Brot und etwas Regen-Wasser. 18 überlebten eine der erstaunlichsten seemännischen Leistungen. Der eine Matrose iss nich verhungert sondern wurde von Wilden totgeschlagen. Verhungern soll ein sehr sanfter Tod sein.