Erhebendes zum Advent

Kerzenbruch

Seine Analyse des weiblichen Geschlechts ist ziemlich fragwürdig, doch über die Männer wußte Mark Twain (1835-1910) Bescheid:

„Von ihrem siebten Lebensjahr an bis sie des Alters stirbt ist die Frau (sofern nicht schwanger) während 27 Tagen im Monat bereit für die Tat und leistungsfähig. So leistungsfähig wie der Kerzenleuchter ist, die Kerze aufzunehmen. Auch will sie die Kerze – sehnt sich danach, verlangt danach, strebt danach, so wie das Gebot Gottes in ihrem Herzen es ihr befiehlt.
Der Mann jedoch ist nur für kurze Zeit leistungsfähig; und das auch nur in dem bescheidenen Maße, das auf dieses Wort, wenn man es auf sein Geschlecht bezieht, zutrifft. Er ist dazu vom 16ten oder 17ten Lebensjahr an für fünfunddreißig Jahre in der Lage. Nach 50 ist seine Aufführung von schlechter Qualität, die Abstände dazwischen sind lang, und die Befriedigung dabei für keine der Parteien von großem Wert; währenddessen ist seine Urgroßmutter noch so gut wie neu. Es fehlt nichts an ihrer Pflanze. Ihr Kerzenleuchter ist so fest wie immer, während seine Kerze zunehmend weich und geschwächt ist, von der Verwitterung durch die Zeit, je mehr Jahre vergehen, bis sie zum Schluß nicht mehr länger stehen kann und voll Trauer zur Ruhe gebettet wird in der Hoffnung einer gesegneten Wiederauferstehung, die nie kommt.“

aus „8.Brief von der Erde

age-potential

Der ultimative Blog-Award

Award

Marketing ist eine Verkaufs-Strategie. Die Führung eines Blogs geschieht dabei bewußt marktorientiert. Maximierung der Zugriffe und Subskriptionen ist das Ziel. Dabei werden manisch wechselnde Programmierungs-Popeleien ebenso eingesetzt wie die Erzeugung einer Corporate Identity. Die üblichen Blog-Awards werden von EINER Person an eine andere verliehen. Was deutlichmacht, daß nich Qualität sondern Multiplikation per Ketten-Brief das Ziel iss. Man stelle sich einen Literatur-Award vor, den man peinlicherweise nur von EINEM Leser bekommt. In Indonesien verleihen Firmen, Behörden und Gruppen Awards in Form von goldich-aufgemotzten Plastik-Pokalen an sich selbst. Der Wilde war schon imma Meister der Selbstauszeichnung. Früha mußte er sich tätowieren oda 1 Knochen in der Nase tragen, heute kauft er sich 1 Doktor-Titel und besitzt eine ganze Vitrine voller Auszeichnungen. In Manado gips Geschäfte, die auf sowas spezialisiert sind. Dieser Award diente als Sonnenschutz eines häßlichen Sofas namens „Liberty“ für 254EUR.

liberty

Der obige Award sollte an Blogger verliehen werden, die schon einen Award besitzen. Dabei sind folgende Fragen zu beantworten:

Wieviele Followers hast Du?
Das weiß ich echt nich. Sicha wird WordPress das irgendwo anzeigen. Müßte ich ersma suchen. Ab und zu krich ich so Statistik-Benachrichtigungen, die ich umgehend vagesse. Sicher iss, daß ein großer Teil der „Leser“ übahaupt nich mitkricht, worum es in meinen Blogs geht – schon weilse kein Deutsch vastehn. Es sind also reine Multiplikations-Versuche.

Wieviele Zugriffe hast Du?
Nach dem Zwangs-Umzug von Windows-Live zu WordPress warns durchschnittlich 100 täglich. Ne Masse mehr, als ich jemals mit Ausstellungen erreichen konnte. Seit ich nich mehr täglich blogge, weil ich so ziemlich alles gesacht hab und Gefahr laufe, mich nur noch zu wiedaholen, isses ruhiger geworden. Und die Damen, die mich als möglichen Partner auserkoren hatten, ham wohl inzwischen aufgegeben, weil sich das nich mehr lohnt.

Warum blogst Du überhaupt?
Grundsätzlich bin ich seit meiner Jugend kreativ, und Bloggen iss schon fast das Gesamtkunstwerk, von dem ich damals geträumt hab. Dazu kommt meine extreme Lebens-Situation, üba die ich imma wieda befragt werde. Und als Nebeneffekt hat sich gezeigt, daß es die letzte inhaltsreiche Kommunikation sein kann, die mir noch bleibt. Insofern wichtich und interessant, wie z.B. gerade eine Anfrage des polnischen Museums in Zoppot, die auf Grund meiner Veröffentlichungen im „Waldschrat“ erfolgt iss.

Welche Seiten meidest Du?
Alle mit Stasi-Widgets. Und die, bei denen sich die Blogger nich um die Ladezeit kümmern. Das iss nämlich ein Problem für viele mit schlechtem Internet-Zugang. Da fallen mir die neuen Cinemascope-Kachel-Designs besonders unangenehm auf. Auch bei den total anonymen Blogs halte ich mich nich gerne auf. Bei den religiösen Kitsch-Blogs, gleich welcher Fantasie entsprungen, bin ich schnell wieda wech. Und wenn es auf einer Seite von Awards nur so wimmelt, sacht mir das gleich was üba den Autor.

Sind Kettenbrief-Awards gesundheitsschädlich?
Wie Schminke. Wer Schminke braucht, iss nich schön genuch. Und kuck dir bloß ma diese Platzhalter-Kommentare und diesen Erich-Mielke-Schleim („Ich liebe doch alle Menschen!“) im „Weekly Photo Challenge“ an. Wenn ich zufällich das neue Thema früh entdecke, kriege ich 100 Leiks, iss kein Schtrom da, und ich find es erst 5Std. späta, krich ich nur 40. Worum geht es da also? Um Sendezeiten, Listenplätze und Einschalt-Quoten?

beastar

Weihnachtstier, Zwerg und Granate

Weihnachtstier

“100 billion neurons per human, of which only 50 percent are activated. There are more connections in the human body than there are stars in the galaxy. We possess a gigantic network of information to which we have almost no access.” (“Lucy”)

Sicha wird sich der eine und auch der andere Leser fragen, was denn das Gemeinsame obiger Tier-, Mensch- und Dingwörter sein könnte. Das iss ganz einfach und wird an diesa Stelle auch sofort erläutert. Wo denn sonst?
Zuerst einmal beschlich mich gleich das Gefühl, Weihnachten könne vor der Tür stehen, als ich dieses Weihnachts-Tier in einer Mall Manados sah. Mir hatte latürnich wieda keina was gesacht, aba, so fragte ich mich unmittelbar: Muß das denn unbedingt schon wieda sein? Könnte man Weihnachten nich ma ein paar Jahre ausfallen lassen? Ich mein, die Vorfreude wär dann viel größer. Das iss doch wie beim Geschlechts-Verkehr. Und dann hat sich der Weihnachtsmann auch bis zur Unkenntlichkeit verändert, sodaß man nich mehr weiß: Was soll man denn nun eigentlich machen?
Der TV-Schirm in dem Telkom-Laden, wo meine Frau ma wieda eins ihrer 3 Händföne ssetten ließ, gab darauf auch keine Antwort. Stattdessen zeigte er den größten und den kleinsten Mann der Welt, was besonders nebeneinander hübsch anzusehen war. Leida hat der Zwerg dabei stark gewackelt. Jedenfalls brauch man keine Freak-Show mehr zu besuchen, mit bärtigen Frauen, Elefanten-Menschen und Leuten ohne Untaleib, sondern man kricht das schon in den Mittags-Nachrichten geliefert, genau um 12Uhr52. Vielleicht sollte ich mir doch 1 TV anschaffen, damit ich mehr solch niedliche Zwerge beobachten kann.

TV-Zwerg

Auch das Militär hat sich für Weihnachten gerüstet: Weil die Soldaten schon lange nix mehr zu tun ham – nich wie die Bunneswehr, die an unserer Grenze zu Afganichverstan den Frieden mit Kampf-Hubschraubern verteidigt – behübschen sie eben ständich ihre Kaserne. Die sind wirkrich sensibel, diese Soldaten. 1 Busch hamse sogar in Herzform beschnitten. Alles iss fein angestrichen und für indonesische Verhältnisse ganz ungewöhnlich gepflegt. Eine echte Schule der Nation. Wascheinlich foltern sie auch nur noch, wenn’s unbedingt nötich iss, und dann ganz zärtlich. Am schönsten iss jetz aba der gerade fertichgestellte Schmuck üba dem Eingang des Hauptquartiers: Da befindet sich nun eine haushohe, halbplastische, rote Beton-Granate hinter der 2 sich kreuzende Blitze rumzucken. Normalerweise weist das auf Funkverkehr, aba vielleich texten die Soldaten ja heutzutage, während sie ihre Granaten in den Mörser schmeißen: INCOMIIING! Jedenfalls wird das Ganze schön eingefaßt durch 2 goldich-stilvolle Reisähren, und wenn das Monstrum beim nächsten Erdbeben nach vorne umklappt, kann man damit einen ganzen Zug Soldaten auf einmal vanichten.

Komando

Und kaum hatte ich das geschrieben, begann um 10Uhr31 mein Rollen-Sessel unter mir herumzuschlingern. Ich hämmerte gerade auf meiner Yamaha eine heftige Percussion und dachte: SO temperamentvoll spiele ich doch ganich! Außerdem wirkte der Sessel-Rhythmus irgendwie asynchron. Bis mir klar wurde, daß es sich um ein Erdbeben handelte. Der Teich wurde zum wilden Meer, schwappte über, und das ganze Haus wackelte. 7,3 auf der nach oben offenen Schleuder-Skala. Das Zentrum ~160km nordöstlich. Als ich mich erhob, schwankte ich wie auf Gummiboden – bis die Stöße nach etwa 3min schwächer wurden und dann ganz aufhörten. Viele Wilde schrien und rannten panisch aus ihren Häusern. Ich dagegen beobachtete fasziniert die Wellen auf meinem Teich.

15.11.14

Das menschliche Gehirn umfaßt eine halbe Billion Nervenzellen, verbunden durch Fasern, die mit über hundert Billionen Synapsen miteinander verknüpft sind. Im Film „Lucy“ (2014), in dem Wissen mit Speicher-Kapazität verwechselt wird, besteht das Grundproblem darin, daß – zumindest die Minahasa – angeblich nur durchschnittlich 10% dieser Kapazität nutzen (Für den Film braucht man nich so viel: „Chances are you’ll feel like your own IQ levels are dropping just as rapidly as you watch it.“). Nich nur im Kino, auch während des Alters-Prozesses gehen bis zu einem Fünftel an Nerven-Zellen verloren. Die Verbleibenden bilden dafür längere Dendriten aus. Was würden wir tun, wenn wir die volle Kapazität unseres Gehirns nutzen könnten? Im LSD-Rausch glaubte ich, das zu können. Ich sah die Muster, die allem menschlichen Verhalten zu Grunde liegen. Ich konnte mich völlich davon lösen. Ich schwang zeitlos mit der Erde – ohne Zwerge, Bomben, Weihnachten und Netzwerk.

Dendritenbaum2

http://insellos.wordpress.com/?s=Lucy