Ganich wa

stromwech

„… der handphone-hype ist nur die s i c h t b a r s t e, weil öffentliche (!) suchtform einer abhängigkeit von tastaturmaschinen zur angstbewältigung beim allein-sein; beim blogger ist die ausgangslage ähnlich, aber die öffentlichkeit eine tot aal andere.“ ratte

Ratte, Du kannst nich einfach das Schreiben, das Bildermachen und das Markt-Geschwätz pauschal gleichsetzen, nur weil Dir das Medium Internet unbehaglich iss. Gerade als ich Dir antworten wollte, fiel ma wieda der Schtrom aus, der Text wa wech, und ich mußte mir ersma ne Kerze außem Klo holen. Dann hab ich mittem Fülla angefangen, meine Gedanken nochma aufzuschreiben, damit ich se nich veralzheimere und am Morgen wieda von vorne denken muß. Jetz, nachdem ich die Ziege gefüttert, die Windeln der Wilden aus den Kanal-Gittern gepult und den Schlamm der letzten Regenflut beseitigt hab, kann ich per Tastendruck das Gedachte leicht korrigieren. Früher besaß ich ne schöne rote Schreibmaschine von Ettore Sottsass, davor ne schwarze, die Erika hieß (Ich habse aba nur gedrückt!). Tschechow mußte seine Erzählung vom Sargtischler, der an seiner kranken Frau schon zu Lebzeiten Maß nahm („Rothschilds Geige“), mit nem Fedahalta schreibn. Hab ich auch noch. Ich würd soga was in die Wand ritzen, wenn nix anderes mehr da wär. Ich mach ebn was, aba nich aus Angst. Nichma vor den Hornissen, mit denen ich wieda Probleme hab. Latürnich iss man allein, wenn man solche Sachen macht, aba man iss übavoll, während die manische Tasten-Drückerin ihre geistige Leere mit IRGENDWAS zu füllen vasucht. Ich bin wirkrich froh, daß ich dieses neue Medium noch erleben darf, und nich nur für die Schublade produziere. Zusätzlich lernste dabei die erlauchtesten Typen kennen, latürnich auch weniga erleuchtete und vereinzelt richtige Armleuchter. Aber das weißte sicha selbst, wiede auf Deina Vernissage auch Leute triffst, die nur da sind, weilse sich langweilen oda sich selbst promoten wolln. Viel lieba les ich ja Gedrucktes als aufem Schirm, aba als Insel-Bewohner hab ich keinen Zugang mehr zu Deutschsprachigem. Meine Erzählungen schön in edles Hundeleder gebunden mit Prägedruck – das wär schon was. Aba wer soll das finanzieren und zu welchem Preis kaufen? Zumal mit Illustrationen. Völlich illusorisch. Ich würd auch gern mehr Filme machen (Blog als Gesamtkunstwerk). Die kann ich sogar am PC schneiden. Das scheitert nur daran, daß ich die Musik nich selbstmachen kann. Du weißt ja, wie begrenzt unsere Möchlichkeiten als Studenten warn. Nu iss die Tyrannei der Publizisten und Galeristen vorbei. Sender und Empfänger sind gleichberechtigt. Da hat sich inzwischen viel getan, aba die Medien sind bei mir nich die Botschaft. „Schreiben heißt sich selber lesen.“ (Max Frisch). Und jeder hat die Chance zu beurteilen, ob ich mich hier selbst erfinde oda nur erzähle, warum mir gestern kein Goldfisch verkauft wurde (Weil die Verkäuferin den Preis nich wußte, und sie ihren Mann per Handphone nich erreichen konnte!). Wilhelm von Humboldt hat sogar seine Bordell-Finanzausgaben auf einer Reise nach Paris notiert! Sowas elementar Wichtiges wüßten wa ganich, wennwa imma noch von der Kaste der sich selbst zensierenden Vamittler abhängich wärn.

Franziskus predigt den Schlangen

Schlangenpredigt

Noch bevor sich Bruda Giovanni della Cappella aufhängte, gelang es dem heiligen Franziskus von Gott getrieben, den reichen Bernhard von Assisi davon zu überzeugen, all sein Hab und Gut zu verkaufen und mit Franziskus nach Santiago de Compostella zu wallfahren. Was späta ja auch Hape Kerkeling gemacht hat. Dort angelangt wurde ihm von Gott offenbart, daß er allerorts in der Welt Klöster gründen sollte. Und so kam er auf die Idee, mit Bernhard und dessem Geld nach Indonesien zu fahren, um auf Celebes eine Kirche zu errichten. Als der Bau-Untanehma Jimmy sah, wie die beiden dort das ganze Geld verschleuderten, wollte er ersma die Steine bezahlt haben, die er für den Kirchenbau geliefert hatte. Doch der heilige Franziskus übahäufte ihn daraufhin so mit Gold, daß Jimmy ganz beschämt ob seiner Gier auch alles wechgab und in den Orden eintrat. Manche meinen allerdings, er wär sowieso pleite gewesen, weil der pensionierte General, dem die Straße zu Jimmys Steinbruch gehörte, dieselbe mit einem Karren versperrte, als Jimmys Frau Ernny ihre Schulden nich beglich.
Nun war der heilige Franziskus aba durch seine exessiven Bußübungen beinahe erblindet. U.a. hatte er sich von Bruda Bernhard ma einen Fuß auf die Kehle und einen auf den Mund setzen lassen und ihn aufgefordert, 3x über ihn hinweg zu schreiten, was Bruda Bernhard jedoch sehr rücksichtsvoll ausführte. So kam es letztlich durch einen visuellen Irrtum zu der berühmten Schlangen-Predigt, die ursprünglich für die Ratten gedacht war, von denen er aufgrund seiner ärmlichen Lebensart Tag und Nacht belästigt wurde. Also hub er an, wie er es ja auch schon für die italienischen Vögel und Fische getan hatte, ihnen die Sinnlosigkeit ihres Strebens nach Reiskörnern vorzuhalten. Denn wahre Enthaltsamkeit sei vielmehr, sich der Dinge zu enthalten, wenn sie gut munden. Jede Art von Ansammlung irdischer Güter habe nur Rechtsstreit und Händel zur Folge, wodurch die Liebe Gottes und des Nächsten vielfältigen Abbruch erleide. Diese Worte des heiligen Franziskus von Assisi ham die Bischöfe nie vergessen, weshalb sie selbst heutzutage nur Fahrrad fahn.
Die Schlangen dagegen verstanden das alles übahaupt nich, schon weilse schlecht hören, und als er sich in seiner Kurzsichtigkeit zum Abschluß von ihnen noch per Handschlag verabschieden wollte, wie er es mit dem Wolf von Agobio gemacht hatte, biß ihn eine in dieselbe. So erkrankte er schwer, wurde aba von der Jungfrau Maria gerettet, die ihm 3 Büchsen mit Fruchtmus nach Indonesien schickte, aus denen er 3x am Tag je 1 Löffel löffelte und genas. Zugleich schien der Vulkan Klabat mit einer hellglänzenden Flamme aufzulodern, die ganz Nord-Celebes ringsum so erhellte, daß die Minahasa noch heute wie übabelichtet wirken.

Hochzeitspappe

Pappaar

Um 19:00 sollte die Hochzeits-Feier von Ryan und Nessia in einer edlen Abfertigungshalle beginnen, in der ich vor langer Zeit mal Walzer getanzt hab. Das war jedoch die Silberne Hochzeit eines deutsch-indonesischen Paares, das noch wußte, wie man feiert. Seit die Popen hier die Wilden im Griff haben, tanzt man nicht mehr, sondern lauscht 1Std. lang 2 zu lauten Predigten, da das Brautpaar 2 unterschiedlichen Pfingstler-Sekten angehört. So dauerte es bis 21:30 – mit 1½Std. Verzögerung hatte man begonnen – als endlich das Essen aufgetragen wurde. Die frohe Botschaft ist: Gesellschaften, die von Popen dominiert werden, tragen den Keim der Zersetzung in sich selbst, denn diese Heiligen, ständig im Kampf gegen die befreiende Sinnlichkeit ihrer Schafe, haben nur Monotonie und daraus resultierende Langeweile zu bieten. Die sich dabei aufblähende westliche Hochzeitskultur steht unter dem Zwang, ihren Bewunderern immer raffiniertere moderne Effekte zu bieten. Zwar gab es keine luftbetriebene Hochzeitstorte, doch immerhin obiges Brautpaar aus Pappe, neben dem sich alle Gäste aufstellen mußten (ganz rechts meine Frau im „Paul-Klee-Gedächtnis-Kleid“), um fotografiert zu werden. Der Hintergrund aus gekacheltem Kunstrasen – fast wie in Windows 8. Das Ergebnis wurde sofort ausgedruckt und jedem Gast in einem Papp-Rahmen übergeben. Ich bin latürnich nich drauf, weil ich mich der verdrehten Kultur der Minahasa nich mehr aussetze. Jedoch hab ich das Foto ersma umgedreht, damit das „LIKE IT“ richtichrum iss. Leida kann man da nich draufdrücken, sondern muß es hinten tun. Dann öffnet sich ein Aufsteller, mit dem man das Foto auf seinen Handphone-Ablagetisch stellen kann. Dann isses aba wieda verkehrtrum, und man muß es nochma umdrehn. Dann iss jedoch das „LIKE IT“ wieda verkehrtrum. Ich weiß nich, was man dagegen tun kann.
„Ob diese Dinge irgendeinen Nutzen für sie haben oder nicht, ob sie überhaupt funktionieren, spielt gar keine Rolle für sie. Sie müssen sie einfach haben, um sich wohl zu fühlen … Man denkt, sie sind einfach ein Haufen von angeberischen Kindsköpfen, die westliche Zivilisation nachäffen wollen.“ (Eric Ambler, „Besuch bei Nacht“, 1956)