Renaturierung

Fangschrecke

“In the 1950s … Marshall Tito had banned the goat … Without goats, which browsed back the scrub, the pastures became unsuitable for sheep … The rewilding of the western side of Slovenia, the rapid regrowth of forests there and the recovery of its populations of bears, wolves, lynx, wild boar, ibex, martens, giant owls and other remarkable creatures, took place at the expense of its human population … most of the rewilding that has taken place on earth so far has happened as a result of humanitarian disasters.”
George Monbiot, “Accidental Rewilding

Die richtige Antwort auf die globale Zerstörung der Natur ist nicht die, die von den Tierschützern kommt. Ganz im Gegenteil: Es gibt zu viele Haustiere, zu viel zugebaute, regulierte Umwelt und zu viele Menschen. Ziegen laufen hier frei herum und fressen fast alles platt oder werden unter quälerischen Bedingungen gehalten.
Nachdem meine Warane endgültig von den Wilden aufgefressen schienen, traf ich nach langer Zeit gestern wieder einen mittelgroßen 1,50er in meinem Hinterhof. Er wetzte auf die Veranda, wo er wie auf Glatteis nicht mehr vorankam. Durch heftig schlingernde Bewegungen seines Körpers konnte er sich dann panisch in einen meiner Teiche stürzen. Seit ich einen Dschungel angepflanzt und dann weitgehend sich selbst überlassen habe, erlebe ich zunehmend Konzerte vorher verschwundener Vögel. Doch sind Papageien und Affen nur noch in Schutzgebieten an Vulkanhängen anzutreffen, wo sie ebenso wie große Bäume Opfer der Korruption werden. Sagopalmen haben ein kurzes Leben und fallen dann einfach um. Die eines Nachbarn haben dabei schon zweimal meinen Bambuszaun zerschlagen. Kaum war der Weg frei, schlich sich ein Dorfbewohner ein und zerlegte den Stamm auf meinem Grundstück. Zuerst hielt ich das für Service meines Nachbarn. Tatsächlich ging es ihm darum, aus den Resten fette, eßbare Maden zu ernten. Dazu erschien der Mann wieder heimlich und zerschnitt sogar die Plastikschnur, die ich provisorisch an der Grenze gespannt habe. Durch gezielte Nachforschung wurde er identifiziert und verwarnt. Frauen dringen in meine Wildnis ein, schneiden Farn, den ich gern großwerden sehe, und verkaufen ihn auf dem Markt. Will man hier ein Gebiet renaturieren, braucht man Nato-Draht, Tretminen und Sümpfe. Rudel von Haushunden jagen und verbellen alles, was sich bewegt – und ich jage die Hunde. Leider fehlt mir ein effektives Sniper-Gewehr. Unmittelbar an meiner Grundstücksgrenze fand ich, in einen Baum gehängt, ein nach faulenden Innereien stinkendes Netz. Dadrunter die Schlinge. Waranfalle. Zweimal beseitigte ich die Fallen, dann gaben die Jäger auf. Vogelfängern habe ich Fallen und Käfige zerschlagen und sie davongejagt. Ebenso die Aal-Fischer mit ihren Strom-Stangen und Batterien auf dem Rücken. Was sich heimlich nachts an meinen Teichen und im Wald abspielt, kann ich nicht verhindern. Schlangen, Frösche, Sumpfhühner, alle sind ständig gefährdet. Nur das Gerücht, ich züchte Schlangen, bremst manch diebischen Schmarotzer. Die letzten Pythons werden in Stücken auf dem Markt verkauft, dann hört man Klagen über die Rattenplage. In 13 Jahren habe ich 1 Python getroffen – versehentlich von der Motorsense eines Pächters getötet. Längst kann sich die hypertrophierte Menschheit nicht mehr durch Jagd ernähren, aber es ist kurzfristig einfacher als Feldbau und – das ist wesentlicher – ein Vergnügen. Kleiner Vorteil, großes Desaster. Anscheinend haben noch nicht einmal die Haustier-Retter begriffen, was zu tun ist.

farbiger-Reiher

Plattfüßige Ziege im Regen

Ernst-Pingel-Ziege

Als Blogger hat man’s ja nich leicht. Ersma muß man entscheiden, ob man sich im Mittelpunkt des politischen Welt-Geschehens glaubt und jenes eifrig kommentiert, oder ob man sich mit dem elementar Wirklichen beschäftigt, mit dem man täglich zu tun hat. Dazu kommt, daß diese Ziege, die mir von Ina Gade freundlicherweise zugesandt wurde, mich in den Konflikt treibt, wo ich denn nu darüber schreibe. Mit Ernst Pingel, von dem die Federzeichnung stammt, verbindet mich manches, was in der Vergangenheit angesiedelt ist und eigentlich zum „Waldschrat“ gehört. Ziegen besitze ich aber erst, seit ich Insel-Bewohner bin, sie somit per „Flaschenpost“ zu senden ist an die gewissermaßen stark beschränkte Gemeinde der ehemalig verbeamteten, ausgewanderten, akademischen Ziegen-Züchter.
Nur, schreiben muß ich, denn diese Ziege geht mir nah. Nicht nur weil sie so miserabel gezeichnet iss, sondern weil meine schwarze gerade zum ersten Mal gleich 2 Böckchen produzierte und danach sehr plötzlich derartig abmagerte, daß man Sorge haben mußte, ihr die Rückenknochen zu beschädigen, wenn man sie nur streichelte. Keine hat jemals so ein inniges Verhältnis zu mir gehabt, wie jene. Dabei ist sie eine miese Mutter, und ich glaube, daß die Mistviecher nur an zweierlei interessiert sind: Fressen und Ficken. Das sind auch beim Menschen die Hauptmotive, doch läßt das im Alter nach. Das größte Problem im Alter iss das Alter. Jedenfalls wird ihr Anlehnungs-Bedürfnis mit zunehmendem Gewicht ganz schön belastend. Und wennse mit Begeisterung meine Hemdknöpfe und Brusthaare frißt, möchte man ihr eindringlich zurufen; „HÖR JETZ MA AUF!“ Ich gehöre jedenfalls nich zu den Psychopathen, die ihre sozialen Probleme auf Tiere projizieren, sondern ich behandele sie einfach mitfühlend. So quäle ich sie nicht mit Halsbändern oder womöglich noch mit einer daran befestigten Glocke, sondern habe ihnen ein großes Freigehege gebaut, wo ich ihre hinten rausflutschenden Geburten auffange, abtrockne und vor den ungeschickten Tritten der Mutter bewahre. Mit Natur hat das jedoch nix zu tun. Natur bewahrt nich alles auf, sondern iss völlig erbarmungslos.
Ich weiß nich, welches Verhältnis Ernst Pingel zu Tieren hatte. Offensichtlich war er zeitweise stark von asiatischer Reduktion beeinflußt. Und so sprangen die Viecher an den Wänden und auf den Anrichten der guten Stuben herum – meist eher von Ostasiaten als von Natur-Beobachtung inspiriert. Schließlich sogar auf den ersten TV-Geräten, bis sie vom Seepferdchen und den Mainzelmännchen abgelöst wurden.

Sintenis-Reh

Was die u.a.von Renée Sintenis gelieferten Bambi-Verniedlichungen für seelische Verwüstungen angerichtet haben – sogar die Förster sahen sich gezwungen, davor zu warnen – iss ja noch ganich richtich erforscht. Dagegen setzt sich Pingel doch mit dieser ruinierten Ziege positiv ab. Abgesehen von Perspektive-Fehlern in Kopf und Beinen, zeigt er uns, wie es wirklich war. Vermutlich handelt es sich um eine geflüchtete ostpreußische Ziege, die nach multipler Vergewaltigung durch Russen schließlich im Auffanglager in Uelzen gelandet iss. Erstaunlich dabei, wie sie sich nach all den schrecklichen Erfahrungen noch dieses gleichmütige Mädchen-Gesicht bewahrt hat. Daß Pingel sich nich bei der Schwanz-Haltung entscheiden konnte, wollen wir übasehn, denn der wackelt einfach zu oft. Fragwürdig bleiben allerdings die orthopädisch rätselhaften Hufe der Hinterbeine. So sehen höchstens meine Hintafüße aus, nachdem wieda eine Ziege auf meinen Gummistiefeln gestanden hat.

Geburtshelfer

Stupid Stupa

Garagen-Vihara

Es ist nicht leicht, asiatischen Buddhismus zu kopieren. Westliche Gläubige tun das, indem sie die Geschichte und lächerliche örtliche Ausprägungen des Buddhismus weitgehend ignorieren und sich stattdessen an der Theorie orientieren. Weil das, was in Asien geschieht, oft so absurd ist, imitieren Asiaten zunehmend das scheinbar modernere Christentum. Ob christliche oder buddhistische Sekte, es beginnt meist in einem garagenartigen Raum und führt schnell zu Konflikten mit Regierungs-Behörden, denn die Neuanlage von Kultstätten ist in Indonesien gesetzlich reguliert. Dies wird von der christlichen Propaganda als Christen-Verfolgung ausgelegt, betrifft aber genauso den buddhistischen Wildwuchs.
Eine dieser neuen buddhistischen Sekten des Groß-Meisters Sheng-yen Lu (*1945, Taiwan), Redmond, U.S.A., bietet gleich einen Vordruck für das korrekte Rezitieren einer Sutra zur Anrufung Avalokitesvaras.

Anrufungsliste

Großen spirituellen Verdienst hat man erworben, wenn man es 1000 Mal tut und es jedesmal auf der Liste notiert. Unten soll sich der Praktizierende das anscheinend noch von seinem Guru bestätigen lassen, oder ihm die Liste widmen – das ist so verrückt, daß Übersetzung auch nicht weiterhilft.
Wichtig ist wie immer, im Sekten-Laden einzukaufen – wie diese Stupa (Tantrayana), die innen so etwas wie Schildkröten- und Gecko-Eier enthält. Nach der Weihe durch den Guru, strahlt die Stupa derartig, daß im Umkreis alles geheilt wird. Anscheinend hat das bei dem Jünger oben links noch nich geklappt.

stupa-eggs

Das wirkt alles sehr katholisch, doch hat auch der „calvinistische“ Zen-Buddhismus seine besonderen Höhepunkte: “Because of their long history with Zen practice, people in Japan have some skepticism about priests,” Ms. Schireson said. But in the United States many proponents have a “devotion to the guru or the teacher in a way that could repress our common sense and emotional intelligence.”